Jean Paul und die stummen Nibelungen

Das 26. Festival „Zeit für neue Musik“


(nmz) -
Darf man Jean Paul und einen Stummfilm von Fritz Lang in einer Programmfolge mit neuer Musik zusammenspannen? Ja, man darf. Das 26. Festival, organisiert von Helmut Bieler und Wolfram Graf, hat es bewiesen. Von Richard Wagner ist bekanntlich der Ausspruch überliefert: „Kinder, schafft Neues!“
Ein Artikel von Hans Schmidt-Mannheim

Doch der Reihe nach. Wer sich je mit der Lektüre Jean Paul’scher Texte befasst hat, weiß um die Schwierigkeit, die Gedankengänge des großen deutschen (und Bayreuther) Dichters nachzuvollziehen. Um so mehr erstaunte es, wie leicht der Zugang zu seinen Texten ist, wenn sie so kompetent ausgewählt und vorgetragen werden wie von Frank Piontek am Eröffnungsabend des Festivals. Ihm ist es gelungen, aus verschiedenen Romantexten des Jubilars Jean Paul berührende, auf die Musik bezogene Textstellen (Siebenkäs, Titan, Selina und Flegeljahre) auszuwählen und sie zusammen mit der Flötistin Barbara Wunsch dem Publikum näher zu bringen.

Natürlich knüpft der Hörer bestimmte Erwartungen an Namen und Programme. Das „Doppelkopf-“Konzert mit Moritz Eggert und der taiwanesischen Pianistin Shiau-uen Ding gehörte zum Beispiel in diese Kategorie. Der Abend erforderte allerdings viel Kraft und Artistik von den Spielern – und ebenso viel Geduld von den Zuhörern, wo „Minimal art“ und „maximal sound“ aufeinander trafen. Den Härtetest bestanden die beiden vorzüglichen Konzertflügel aus der Bayreuther Manufaktur Steingraeber & Söhne, die ebenso als Mäzen der anderen Konzerte vertreten war. Eggert präsentierte sich und seine neueste Komposition „Janus“ mit vollem Körpereinsatz. Daneben erklangen Werke von Frederic Rzewski und John Adams.

Der Altmeister und Festivalgründer Helmut Bieler bestritt mit eigenen Kompositionen, zusammen mit Wolfram Graf, die Rege(r)-Wagner-Kommentare. Bei der Komposition „einsam wachend“ von Marko Zdralek (UA) gingen die Meinungen der Konzertbesucher auseinander. Das Werk für Bassflöte solo verwendet Spieltechniken, die vor 30 Jahren noch aktuell waren, heute aber mit den das Instrument zweckentfremdenden Spieltechniken kaum noch zu fesseln vermögen.

Ein besonderes Lob gilt den Interpreten des zweiten Wagner-colours Konzert: Martin Seel an diversen Querflöten und Wolfram Graf am Klavier. Das „Duo concertante Bayreuth“ gestaltete mit den „Erinnerungen – Gedanken an Wagner“ (UA) einen höchst abwechslungsreichen Abend.

Die „stummen Nibelungen“ wurden an zwei Film-Abenden bei Siegfrieds Tod und Krimhilds Rache höchst lebendig. Zu dem Film-Epos „Die Nibelungen“ von Fritz Lang aus dem Jahr 1924 bot das Ensemble Musica Viva eine eindrucksvolle, spannende und kurzweilige Filmmusik. Der abgedunkelte Konzertsaal war der ideale Rahmen für die musikalische Interpretation des filmischen Geschehens, an dem das Ensemble mit den Komparsen Helmut W. Erdmann (Flöten, Elektronik), Peter W. Schatt (Klarinetten) und Bernd Kremling (Percussion), Bieler (Klavier) und vor allem die vorzügliche Sopranistin Marie Schmalhofer ihren gebührenden Anteil hatten.

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