Keine Macht der Belanglosigkeit

Neuerscheinungen aus dem populären Genre


(nmz) -
Ein Artikel von Sven Ferchow

Battles nennt sich eine Band aus den Staaten. Brooklyn, um genau zu sein. Ihr Debutalbum „Mirrored“ ist eine fantastische Veranstaltung. Als kämen sie einem Schiffscontainer entstiegen, entwerfen sie mondäne, stählerne Sounds und Beats, die zwar erstaunlicherweise wenig Klarheit schaffen, dafür aber die Gefühlswelt in Wallung versetzen. Die Gesangstimme bleibt stets überzeichnet, oft im Micky Mouse-Effekt. Darunter elektronischer New Rock, der sich auch mal in Langsamkeit entblättert. Sicher keine Durchschnittsware, aber Fans von „The Mars Volta“ werden mit dieser „light“-Version sicher zurecht kommen. (www.bttls.com

The Bishops aus London bilden ein Trio, darunter die Zwillingsbrüder Bishop. Geprägt von den Beatles spielen sie sich durch ein ordentliches, selbst betiteltes Album, das sich einen Tick zu oft neben den Beatles platziert, dennoch durch freche Gitarren und die kurzweilige Konzeption der Songs gefällt. Eine gewisse Harmlosigkeit ist manchmal nicht von der Hand zu weisen, doch unangenehm ist diese „Fab Four“-Hommage nicht. (www.thebishopsband.com

Endlich ein neues Wilco-Album. Nach drei Jahren Wartezeit. Und schon nach wenigen Sekunden hat uns Jeff Tweedy im Sturm erobert. Die ersten Zeilen „Maybe the sun will shine today“ sind kaum zu Ende, da bricht im Vorhof des Herzens ein Feuer aus, das zwölf Songs unauslöschlich bleibt. Wilco fassen Melodien in Songs, die man nicht mehr erwartet hätte. Sind traurig, aber freundlich. Bleiben ehrlich, dennoch mahnend. Folk-Rock, der den Frühling einläutet und bis in alle Winter überleben wird. Einzigartig. (www.wilco.com

Deutschsprachiger, kompetenter Rock wird von Felix Culpa und ihrem Album „Duft“ eingeschenkt. Gescheite Riffs, gewagte Melodien und sperrige Arrangementbrüche verleihen dem Album die „Aura des Besonderen“. Man hält sich geschickt zurück, drückt Songs und Attitüde in den Vordergrund und kommt so nie in die Verlegenheit, Mainstream-Geplänkel anzubieten. Spannend, fordernd und interessant. (www.felixculpa.de

The Waterboys beehren mit einem neuen Album. Als ewiger Geheimtipp überlebten sie neben solchen Bands wie „The Alarm“ oder „The Church“. Oder was man als Überleben bezeichnen möchte. Lange war Funkstille, nun hat Bandkopf Mike Scott neue Gefährten und rockt weiter. Gekonnt, darf man attestieren. Denn Erfahrung trifft Moderne. Songs, denen weder traditionelle Rückblenden im Wege stehen noch zeitgemäße Anbiederung anhaftet. „Book of Lightning“ ist astreiner Songwriter Rock, der klüger nicht klingen könnte. (www.mikescottwaterboys.com

Diskographie

Battles – Mirrored (14. Mai 2007, Warp Records)
The Bishops – The Bishops (4. Mai 2007, Weekender Records)
Wilco – Sky Blue Sky (11. Mai 2007, Nonesuch Records)
Felix Culpa – Duft (25. Mai 2007, Capitol East Road Records)
The Waterboys – Book of Lightning (18. Mai 2007, W14 Music)

Tags in diesem Artikel

Das könnte Sie auch interessieren: