Klavierduo-Studium mit Yaara Tal und Andreas Groethuysen

Universität Mozarteum Salzburg


(nmz) -
Als sich Yaara Tal und Andreas Groethuysen 1985 erstmals gemeinsam an einen Flügel setzten, um als Klavierduo zu konzertieren, konnten die beiden Pianisten die Bedeutung dieses Schrittes weder für sich persönlich noch für die gesamte Gattung abschätzen. Tal & Groethuysen entwickelten sich in den folgenden Jahren zu einem der programmatisch spannendsten sowie klanglich-ästhetisch vollkommensten Klavierduos. Neben Auftritten in den weltweit renommiertesten Konzertsälen wurden sie für mehr als 30 CD-Einspielungen unter anderem fünf Mal mit dem „ECHO Klassik“ sowie neun Mal mit dem „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“ gewürdigt.

Künstler, Pädagogen und auch privat ein Paar

Ihre pädagogischen Aktivitäten konzentrierten Yaara Tal und Andreas Groethuysen über viele Jahre hinweg auf Meisterkurse im In- und Ausland. 1995 produzierte der Bildungskanal des japanischen Fernsehens NHK mit dem Duo eine achtteilige Reihe mit Unterrichtsstunden für Klavierduos. Ab 2004 betreute das Duo Tal & Groethuysen eine Meisterklasse Klavierduo an der Hochschule für Musik und Theater München. Seit Oktober 2014 leitet Andreas Groethuysen nun eine Klasse für Soloklavier sowie zusammen mit Yaara Tal das Masterstudium Klavierduo an der Universität Mozarteum Salzburg.

Zum großen Vorteil, wenn die Klavierduo-Partner auch privat ein Paar sind, erklärt der 1956 in München geborene Künstler: „Gerade beim vierhändigen Spielen an einem Klavier halte ich das für eine ganz entscheidende Qualität. Es braucht ein Höchstmaß an Übereinstimmung und blindem Verstehen. Man geht wirklich in einem gemeinsamen Klang auf – man verschmilzt geradezu. Irgendwo hat es sogar eine erotische Komponente, die finde ich beim vierhändigen Spielen sehr vordergründig. Es ist das ästhetische Ziel des vierhändigen Spiels, dass es klingt, wie wenn nur Einer spielen würde. Das ist nur möglich, wenn man die Nähe aushält und sie auch will.“ Vierhändig zu spielen, sei allerdings bei den meisten Duos nicht sehr beliebt. „Es ist einfach schwieriger. Es ist zwar nicht unbedingt virtuoser, aber um das Höchstmaß an musikalischer und künstlerischer Perfektion zu erreichen, bedarf es beim vierhändigen Spielen eines viel größeren Aufwands – und das scheuen die meisten“, sagt Andreas Groethuysen und ergänzt: „Viele Pianisten fühlen sich auch beengt und wollen ein ganzes Klavier bearbeiten, wollen Pedal geben und fühlen sich quasi beschnitten, wenn sie nur die halbe Klaviatur zur Verfügung haben.“

Von der Skepsis zur Leidenschaft

Auch Andreas Groethuysen war anfangs ein Skeptiker („Ich wollte natürlich Solist werden, Klavierduo war überhaupt nicht auf meinem Schirm. Auch die Literatur hat mich nicht gereizt.“). Doch heute kann er sowohl der Literatur, vor allem Schubert, als auch seiner Rolle am „unteren“ Teil des Flügels viel Positives abgewinnen: „Es ist irgendwie natürlicher, wenn die Frau die hohen und der Mann die tiefen Töne spielt. Außerdem gibt es ein praktisches Argument. Es ist für den Secondo-Spieler bei den Akkorden von Vorteil, wenn er größere Hände hat. Ich werde oft gefragt, ob ich mich ,da unten‘ nicht eingeschränkt fühle, aber ich muss sagen: Ich genieße die Aufgabe außerordentlich. Vom Bass und vom Pedal gehen so viele Impulse aus. Ich fühle mich eher wie der Dirigent, der einen Solisten bedient und führt, und diese Rolle macht mich absolut zufrieden. Ich identifiziere mich letztendlich mit dem klanglichen Endergebnis, so dass es mir nicht darauf ankommt, die Melodie zu spielen.“
Das Masterstudium Klavierduo an der Universität Mozarteum Salzburg bei Andreas Groethuysen und Yaara Tal setzt voraus, dass sich schon zwei Pianisten gefunden haben, dass also bereits die Zulassungsprüfung als Duo gespielt wird. „Man muss schon sehen können, wie kompatibel zwei Personen sind, beziehungsweise wie gut sie sich aufeinander einstellen können“, erläutert Groethuysen den Sinn dieser Vorgabe.

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