Kolumne

Wolfgang Jacobi zum 120. Geburtstag


(nmz) -
Manchmal sollte man sich zurückbesinnen, auch wenn uns die Gegenwart mit all ihren faszinierenden Entwicklungen, aber auch schlimmen Katastrophen gefangen nimmt.
Ein Artikel von Dr. Franzpeter Messmer

Am 25.10.1894 wurde Wolfgang Jacobi geboren. Er war ein hervorragender Komponist, ein bedeutender Pädagoge und Hochschullehrer, vor allem aber ein außergewöhnlicher Mensch. Bescheiden, nicht viel aus sich machend, ehrlich sagend, was er dachte, auch wenn es unbequem war – so wird er von Jörg Mehren in Band 22 von „Komponisten in Bayern“ beschrieben. In seinem Schaffen war er unbestechlich. Während der Nazi-Diktatur galt er als entarteter Künstler und hatte Berufsverbot. Diese schwierige Zeit überwand er mit Hilfe von Freunden und einer kleinen Pension als Offizier in Italien, wo er seine Liebe zur dortigen Kultur entdeckte. Nach dem II. Weltkrieg gestaltete er das Musikleben in München als Hochschullehrer, als Mitbegründer des Studios für Neue Musik, als Vorsitzender des Münchner Tonkünstlerverbandes (ab 1950) und als Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer Tonkünstler (1951–61) entscheidend mit. Er war eine der Persönlichkeiten, die nach 1945 den Neuanfang eines demokratischen, weltoffenen Kulturlebens prägten. Für den Tonkünstlerverband ist er einer seiner Gründungsväter, dessen Handeln bis heute ein Maßstab bleibt.

Jacobis Musik umfasst die Bereiche Orchester, Kammermusik, Musik für Akkordeon, Chor und Lied. Er veröffentlichte eine Harmonielehre, Lehrbücher über Kontrapunkt und moderne Orchestertechnik und war ein talentierter Aquarellmaler. Es lohnt sich, seine Musik aufzuführen und wiederzuentdecken. Über ihn und sein Werk informieren der bereits genannte Band der Reihe „Komponisten in Bayern“ und die Website www.wolfgang-jacobi.de.

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