Kolumne

Liebe Kolleginnen und Kollegen


(nmz) -
Ich hoffe, dass Sie das neue Jahr gut beginnen konnten und dass die Aufgaben und Herausforderungen angemessen zu bewältigen sind. Zu den Herausforderungen durfte ich in der vorweihnachtlichen Zeit des vergangenen Jahres so einiges erleben, was mich doch ziemlich zum Grübeln veranlasste:
Ein Artikel von Cornelius Hauptmann

Am Nikolaustag stand für mich eine Veranstaltung auf dem Programm, nämlich das Singen mit Kindern bei einer öffentlichen Konzertveranstaltung. Die Kinder waren nicht irgendwelche Kinder, sondern der kleine und der große Kinderchor der Stuttgarter Staatsoper. Die können wirklich gut singen und haben fast alle Gesangsstunden.

Sie sind pünktlich und diszipliniert und waren bestens vorbereitet. Bei der ersten und einzigen Probe mit meiner Anwesenheit – an einem Donnerstag um 17.30 Uhr – erscheinen alle im Probensaal. Auch die Betreuerinnen, der Dirigent und der Pianist sind anwesend. Tolle Stimmen höre ich, manch eine hätte wohl gute Chancen bei „Jugend musiziert“.

Doch leider muss ich auch mit Erschrecken feststellen, dass wohl gut die Hälfte dieser Kinder und Jugendlichen quasi „auf dem Zahnfleisch“ daherkommt. Erschöpfung und Müdigkeit allenthalben. Ganztagsschule oder Nachmittagsunterricht im Rahmen von G8 haben heftige Spuren hinterlassen. Acht Stunden Schule, dann zur Probe in die Oper fahren, dort eineinhalb Stunden proben, anschließend Heimfahrt. Ich möchte nicht tauschen.

Einige Kinder, auch Betreuerinnen und Eltern, bestätigten mir, dass die Kinder hochgradig überfordert sind. Eigentlich fast ein Wunder, dass es überhaupt noch Kinder und Jugendliche gibt, die sich auf anspruchsvolles Singen und Musizieren einlassen. Glücklicherweise war dann das Konzert an einem Sonntagabend. Da waren die jungen Sängerinnen und Sänger ausgeruht und sangen mit großer Begeisterung und Präsenz und konnten das Publikum in ihren Bann ziehen.

Ich kann nur wieder erneut an die Verantwortlichen der Politik appellieren, Kindern und Jugendlichen Freiräume zu lassen – besonders im Rahmen der Ganztagsschule und dem achtjährigen Gymnasium –, in denen sie Zeit und Muße haben, sich auch für anderes begeistern zu dürfen als Geschichte, Mathematik oder Chemie. Da gäbe es ja auch noch das Geigenspiel oder das Klavierspiel, auch das Reiten oder Schlittschuhlaufen, was in Schulen schwerlich möglich ist. Auch das Nichtstun könnte neue Kräfte generieren.

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