Konzertverzehr

Uraufführungen 2014/07


(nmz) -
Viele Komponisten, Veranstalter, Hörerinnen und Hörer hegen eine ungebrochene Faszination für den einzelnen Solisten in Gegenüberstellung zu einem Ensemble oder Orchester. Statt aufs große Ganze des kollektiven Klangapparats zu setzen, stellen sie diesem den damit wahlweise im Wechsel, Wettstreit, Dialog oder Gleichklang konzertierenden Individualisten gegenüber. Vom Barock über Klassik, Romantik und Moderne zieht sich das Komponieren von Konzerten für verschiedenste Soloinstrumente und Ensembles bis heute als roter Faden auch durch die Neue Musik. Schließlich verdanken sich viele Instrumentalkonzerte der besonderen Wertschätzung, die Komponisten bestimmten Musikern entgegenbringen. Gelegentlich arbeiten beide Seiten auch zusammen, um die Möglichkeiten der jeweiligen Instrumente und Singstimmen gemeinsam auszuloten.
Ein Artikel von Rainer Nonnenmann

Für nahezu sämtliche Instrumente hat in der Vergangenheit bereits Wolfgang Rihm Solopartien in Kombination mit Ensemble oder Orchester geschrieben.

Unter seinen bisher zwanzig Konzerten finden sich allein fünf für Klavier und fünf für Violine, auch wenn diese zumeist keine gattungsspezifischen Titel tragen. Für den Solohornisten der Berliner Philharmoniker Stefan Dohr komponierte Rihm nun sein „Hornkonzert“, das am 19. August beim Lucerne Festival uraufgeführt wird, gefolgt am 23. August von der Uraufführung von Unsuk Chins „Le Silence des Sirènes“ für Sopran und Orchester, gesungen von Barbara Hannigan, und am 27. August von Johannes Maria Stauds „Konzert für Violine und Orchester“, gespielt von Midori. Wie hier zehren auch andernorts Veranstalter gerne vom Marketingwert publikumswirksamer Stars und großer Namen. Bei den Salzburger Festspielen spielt am 24. August das Scharoun Ensemble erstmals Vykintas Baltakas „Eselsbrücke“ und am 25. der Pianist Tzimon Barto das zweite ausdrücklich betitelte „Zweite Konzert für Klavier und Orchester“ von Wolfgang Rihm.

Im Œuvre von Manfred Trojahn findet sich immerhin ein halbes Dutzend Werke für Soloinstrument und (Kammer-)Orchester. Bei einem Konzert des Ensemble Modern am 13. Juli im Auditorium des Conservatoire Darius Milhaud in Aix-en-Provence kommen jetzt auf einen Schlag gleich drei neue Vokalwerke hinzu, gesungen von Sabine Devieilhe: „Contrevenir“ für Sopran und Klavier, „L‘Allégresse“ für Sopran und Ensemble sowie „L‘Eternité à Lourmarin“ für Sopran und Ensemble. Seinen bisherigen Konzertwerken fügt Moritz Eggert nun mit „Nacht. Tick. All – Drei Wortszenen“ für Blockflöte und Chor ein zehntes hinzu. Die Uraufführung durch den Solisten Stefan Temmingh und das Chorwerk Ruhr erfolgt am 5. Juli im Dörentrupschen Schlosspark Wendlinghausen in Ostwestfalen-Lippe im Rahmen des dortigen 15. „Literatur- & Musikfestes ‚Wege durch das Land‘“.

Weitere Uraufführungen

01.07.: Gabriel Mãlãncioiu, Mariana Ungureanu, neue Werke für das Ensemble Aventure, Elisabeth Schneider Stiftung Freiburg
03.07.: Christina C. Messner, Love Songs for Heim@t – eine interdisziplinäre Musikproduktion im urbanen Raum, Ebertplatz Köln
13.07.: Jan Müller-Wieland, Musik für eine Kirche für zwei Trompeten und Orgel, Sant’ Anna di Stazzema
14.07.: Karl Gottfried Brunotte, „…mit beinahe unwillkürlicher Bewegung (non violentissima)“ für Violine und Computer, Gemeindehaus Friedrichsdorf am Taunus
02.-16.08.: 47. Internationale Ferienkurse für Neue Musik Darmstadt mit 25 Uraufführungen, u.a. von Georges Aperghis, Pierluigi Billone, Clemens Gadenstätter, Steffen Krebber, Johannes Kreidler, Mauro Lanza, Sarah Nemtsov und Jagoda Szmytka
23.08.: Wolfgang Mitterer, Networds 14 für Ensemble und Elektronik, WDR-Funkhaus Köln

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