Praxis- und Berufsorientierung

Mannheimer Ausbildungsschwerpunkte


(nmz) -
„In einer besonderen Qualität und Breite wird es Lehre in den Bereichen Orchesterdirigieren (Musiktheater/Sinfonie), Chorleitung und Leitung von Blasorchestern anbieten. Außerdem wollen wir die Studiengänge im Bereich ‚musikalische Bildung‘ stärken“, so Rudolf Meister im Interview. Details zu diesen vier Bereichen sind im Folgenden dargestellt:

Dirigieren

Das geplante Landeszentrum Dirigieren in Mannheim soll erstmals in Deutschland Orchesterleitung, Chorleitung und Blasorchesterleitung gleichberechtigt vereinen, der quantitative Schwerpunkt liegt allerdings bei der Orchesterleitung (Musik­theater/Sinfoniekonzert). Der Standort Mannheim bietet sich für diese Einrichtung an, denn in der Metropolregion Rhein-Neckar ergeben sich zahlreiche Kooperationsmöglichkeiten mit professionellen Orchestern, aber auch sehr guten Amateurorchestern. Das gleiche gilt für die Chorszene. Mit dem Landeszentrum Dirigieren würde auch an die Tradition der historischen „Mannheimer Schule“ – deren bedeutendster Verdienst ja die Entwicklung der Orchesterkultur war – angeknüpft.

Schon seit Jahren erfolgt die Orchester- und Chorleitungsausbildung in Mannheim in enger Vernetzung. Mit der Einrichtung der ersten festen Professur für Blasorchesterleitung würden auch hier die Kooperationsmöglichkeiten verbessert. Schwerpunkt der Ausbildung sind beispielsweise die Verbindung von klanglicher Sensibilität und dirigiertechnischer Präzision, die Anwendung aufführungspraktischer Kenntnisse bei der Erarbeitung eigener Continuo-Begleitungen, Probenmethodik sowie der Umgang mit Raumakustik und Ensembleklang, auch unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden. Besondern Wert legt die Hochschule darauf, den Studierenden regelmäßige dirigentische Erfahrung mit professionellen Orchestern sowie professionellen und semiprofessionellen Chören und Vokalensembles zu ermöglichen. Große Erfolge konnten im Bereich Dirigieren durch das Austauschprogramm mit der Seoul National University (Süd-Korea) gefeiert werden.

Jazz/Popularmusik

Jazz und die Popularmusik an der Musikhochschule Mannheim gehören mit elf hauptamtlichen Professuren zu den am besten ausgebauten Angeboten in diesem Bereich in Deutschland. Die enge Kooperation mit der Popakademie und der Orientalischen Musikakademie in Mannheim stärken die Attraktivität des Standorts.

Von besonderer Bedeutung sind auch die Praktikumsplätze für Mannheimer Studierende bei der Radio-Bigband des Hessischen Rundfunks, die Zusammenarbeit mit der Filmakademie Ludwigsburg und der internationale Hochschulaustausch, beispielsweise mit der Universidade Federal da Bahia in Brasilien.

Das Studium ist straff organisiert, besonderer Wert wird auf die Praxis- und Berufsorientierung gelegt. Dabei lernen die Studierenden sämtliche Stilrichtungen von Jazz über Weltmusik bis hin zur Popmusik kennen. Im Jazz/Pop-Tonstudio der Hochschule sammeln die Studierenden unter professioneller Anleitung in eigenen Projekten Erfahrungen mit modernster Technik. Besondere Anregungen erhalten sie außerdem in der Lehre des Professors für audiovisuelle Gestaltung/Medien­praxis sowie mit renommierten Gastlehrkräften. Studierende mit Hauptfach Komposition/Arrangement haben die Möglichkeit ihre Stücke mit der Bigband der Hochschule zu erarbeiten. Zahlreiche studentische Konzerte sowie Audio- und Videoproduktionen runden das Studium ab.

Besonderer Wert wird gelegt auf die studiengangsübergreifende Zusammenarbeit mit den Angeboten der „klassischen Musik“ und den Erstfächern im Bereich Populäre Musik/Jazz im Rahmen der Ausbildung der Schulmusiker.

Musikalische Bildung

Die gesellschaftlichen Bedürfnisse im Bereich der musikalischen Bildung haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Die Musikhochschule Mannheim hat mit der Einrichtung einer vollen Professur für Elementare Musikpädagogik bereits im Jahre 1981 eine Vorreiterrolle für dieses Fach übernommen. Daneben unterrichten noch weitere 7 Lehrkräfte die ca. 25 EMP-Studierenden im Hauptfach. Das Studium zeichnet sich u. a. durch intensiven Praxisbezug aus, insbesondere in der Arbeit mit 6 Lehrpraxisgruppen nahezu aller Altersstufen. Abgerundet wird das Angebot durch besondere Projekte wie „Musik interaktiv“ (Musikvermittlung mit älteren Menschen in Seniorenheimen) oder „Musik verbindet“ (Integrationsprojekt mit Neubürgern, vor allem aus Bulgarien und Rumänien). Eine umfassende Vernetzung der EMP und anderer Hauptfächer im Bachelor mit pädagogischem Schwerpunkt und der Schulmusik befindet sich im Aufbau.

Das Lehramtsstudium in Mannheim bietet als Besonderheit bspw. die enge Verzahnung mit dem Bereich Jazz/Popularmusik (auch als Erstfach wählbar). Geplant ist eine Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hochschule Heidelberg in den Bereichen Inklusion und Heterogenität. Eine enge Vernetzung der Lehrerbildungsphasen erfolgt im Rahmen des vom Land Baden-Württemberg ausgezeichneten Mannheimer Musikpädagogischen Modells (M3). Durch Praxisforschungsprojekte an Schulen wird die Forschungsorientierung gestärkt und die Berufspraxis gesichert.

Dem entspricht der besondere Stellenwert der Musikpädagogik und Musikwissenschaft in Mannheim. Die Hochschule verfügt – neben der Professur für Historische Musikwissenschaft – über die einzige Professur für Systematische Musikwissenschaft in Baden-Württemberg. Sie hat die Schwerpunkte Jazz und Populäre Musik sowie „kulturell-mediale Zusammenhänge des gegenwärtigen Musiklebens“. Beide Professuren fördern den interdisziplinären und interkulturellen Austausch zwischen den verschiedenen künstlerischen Ausprägungen der Musik.

Tanz

1762 wurde die Académie de Danse in Mannheim als erste europäische Tanzakademie gegründet, die Tanzpflege  am kurpfälzischen Hof ist schon seit 1717 nachweisbar. Heute bietet die Akademie des Tanzes (AdT) als einzige Hochschulreinrichtung in Baden-Württemberg die Ausbildung von Tänzern und Tanzpädagogen an.

Die hohe Qualität der Studienangebote kann durch die Erfolge der Studierenden/Absolventen nachgewiesen werden. Beispielsweise haben sie wichtige Wettbewerbe gewonnen (New York, Brasilien, Prix de Lausanne, Helsinki) oder führende Stellen besetzt als Tänzer (z. B. Wiener Staatsballett, Hamburg Ballett, Düsseldorf, Berlin, München etc.), Ballettmeister (z. B. Düsseldorf, Salzburg, Saarbrücken etc.) oder als Pädagoge an den Hochschulen in Berlin, Hamburg, Dresden oder Essen etc.

Neben dem Bachelor Tanz/Tanzpädagogik bietet die AdT als einzige Hochschulreinrichtung in Deutschland einen Master Tanz/Bühnenpraxis an. Studierende haben die Möglichkeit unter der Leitung von Prof. Birgit Keil regelmäßig an Proben und Aufführungen des Badischen Staatstheaters Karlsruhe teilzunehmen. Großen Wert legt die Hochschule auf die studienvorbereitende Ausbildung z. B. im Vorstudium Tanz sowie auf die interdisziplinäre Zusammenarbeit Tanz/Musik in gemeinsamen Lehrveranstaltungen und Aufführungsprojekten.

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