Mit Colourstrings die Welt der Musik erobern

Bundesakademie für musikalische Jugendbildung Trossingen: Seminar für Streicherlehrkräfte


(nmz) -
In vielen Ländern innerhalb und außerhalb Europas wird sie seit langem unterrichtet, Generationen von Schülerinnen und Schülern sind mit ihrer Hilfe die ersten wichtigen Schritte hinein gegangen in die Welt der Musik: „Colourstrings“ – dies der griffige Name für eine Methode, die vor rund vierzig Jahren im hohen Norden entwickelt wurde, im deutschsprachigen Raum bis heute aber nur zögerlich zur Kenntnis genommen, geschweige denn praktiziert worden ist.
Ein Artikel von Christina Hollmann

Die Brüder Géza und Csaba Szilvay sind die beiden „Väter“ von Colourstrings, die 1971 nach Finnland kamen, ohne ein Wort der Landessprache zu beherrschen, sich aber zum Ziel setzten, dort Anfänger auf der Geige zu unterrichten. Sie „erfanden“ Colourstrings, um musikalische Inhalte jenseits sprachlicher Vermittlung auf verständliche und für Kinder nachvollziehbare Weise zu transportieren: vier verschiedene Farben für die vier verschiedenen Saiten des Instruments, einprägsame Figuren für unterschiedliche Tonhöhen, kurzum: farbige Symbole statt traditioneller Notenschrift.

Im Rahmen eines Praxisseminars an der Bundesakademie für musikalische Jugendbildung in Trossingen stellen Géza Szilvay und seine langjährige Mitarbeiterin Yvonne Frye vom 26. bis zum 30. September 2011 die Prinzipien von Colourstrings vor. „Erziehung zur Musikalität“ heißt eine der Colourstrings-Prämissen: Musik als Sprache zu verstehen, sie durch instrumentaltechnisches Können zu erlernen und sich mit ihrer Hilfe auszudrücken. Bereits von der ersten Unterrichtsstunde an wird deshalb die Unabhängigkeit der Finger mit Pizzicato-Übungen trainiert. Ganz besonders wichtig: das Flageolett, das nur bei präziser Arbeit sauber zu erreichen ist. Flageolett zu spielen – so eine Grunderfahrung der Colourstrings-Methode – fördert von Anfang an eine freie Haltung der linken Hand, weil stets große und zielgenaue Bewegungen gefordert sind. In den meisten herkömmlichen Violinschulen kommt das Flageolett erst spät an die Reihe, Géza Szilvay aber hat es an den Anfang seiner Methode gesetzt.

Zu den Zielen der musikalischen Erziehung durch Colourstrings gehört die Entwicklung der Fähigkeit des inneren Hörens mithilfe der relativen Solmisation nach Guido Curwen, Zoltán Kodály und Jenö Ádám: „Die Kinder singen vor dem Instrumentalspiel Stücke und Lieder mit Solmisationssilben und übertragen dann die so gewonnene Tonvorstellung sehr leicht auf das Griffbrett“, erläutert Yvonne Frye. In Helsinki sind es Kinder ab sechs Jahren aus ganz verschiedenen sozialen Gruppen mit ganz verschiedenen Voraussetzungen, die seit Jahren gemeinsam und erfolgreich das musikalische Miteinander erlebt und erlernt haben. Davon profitiert das kulturelle Leben Finnlands, ablesbar am Stellenwert, den die klassische Musik im öffentlichen Leben, in der Presse und im Fernsehprogramm hat. Tabea Zimmermann, die prominente Bratschistin und Berliner Hochschulprofessorin, hat sich in jüngster Zeit direkt vor Ort in Helsinki von Colourstrings überzeugt und dem Orchester zugehört: „Die Kinder und Jugendlichen haben einen solch­ zupackenden Klang produziert, dass mir fast die Tränen kamen. Ich habe so was noch nirgendwo auf der Welt erlebt!“, so ihre Erfahrung.

Colourstrings kann Vorbildcharakter auch im deutschsprachigen Raum bekommen, wo der Bedarf an umfassend und ganzheitlich ausgerichteten Lehr- und Lernmethoden durchaus noch nicht gedeckt ist. Langsam öffnen sich die Musikhochschulen dem Thema und tragen es heran an die Musikpädagogen/-innen von morgen. Denen, die in ihrer beruflichen Praxis, im Unterricht mit Streichergruppen und -klassen derzeit mehr denn je gefordert sind, bietet die Bundesakademie mit ihrem Praxisseminar die Möglichkeit, die erfolgreiche „nordische“ Art des Lernens und Unterrichtens kennenzulernen und mit den beiden Dozenten aus Helsinki zu erproben. Auf welche Weise lassen sich abstrakte musiktheoretische Inhalte kindgerecht verdeutlichen? Wie kann man perfekte Intonation erreichen, wie ein Höchstmaß an musikalischem Ausdruck? Welche Hilfe ist richtig im Hinblick auf gute Geigen- und Bogenhaltung? Diese und weitere Fragen stehen – neben der Arbeit an den Colourstrings-Grundlagen – im Zentrum des Seminars, mit dem die Bundesakademie einmal mehr ihr Fortbildungspaket im Bereich der Methodik mit Streichinstrumenten erweitert und zugleich Einblick gibt in ein zukunftsweisendes und kreatives Unterrichtsmodell.

Anmeldeschluss: 25. August 2011

Informationen:
Bundesakademie für musikalische ­Jugendbildung Trossingen
www.bundesakademie-trossingen.de
Tel. 07425/94 93-0

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