Mit klarem Blick

Zu „Musikunterricht mit Second-Hand-Lehrern“, nmz 10/18


(nmz) -
Mit Interesse und Gewinn lese ich regelmäßig die nmz, nun ist es allerdings das erste Mal, dass ich nicht umhin komme, Ihnen zu einem Artikel eine Stellungnahme mit deutlicher Kritik zukommen zu lassen.
Ein Artikel von Leserbrief

Der Artikel „Über die schulischen Betriebskarambolagen mit Quer- und Seiteneinsteigern“ erscheint durchweg polemisch, undifferenziert und destruktiv. Es wirkt gerade so, als seien die Quer- und Seiteneinsteiger die Wurzel allen Übels der Schulmusik und die egoistischen, faulen Fahnenträger für den Untergang des Abendlandes. Der Autor Jürgen Ober­schmidt unterstellt Lehrkräften, die als Quer- und Seiteneinsteiger in die Schule gehen und zum Beispiel Musik unterrichten, per se Inkompetenz und eine zweifelhafte Motivation. Dass dies durchaus auch völlig gegensätzlich sein kann, dass es bei Lehrkräften genau wie in anderen Branchen immer mehr zu verzweigten Wegen in der Berufsbiographie kommt, und welche Möglichkeiten und Chancen sich für Schulen durch Quer- und Seiteneinsteiger ergeben können, wird mit keinem Wort erwähnt oder reflektiert.

Lebenserfahrung und möglicherweise hohe Berufs-Professionalität in einem anderen Bereich, ein klarer Blick von außen und das dadurch entstehende Potential zu neuen Vernetzungen, Inhalten und Methoden sind Dinge, die eine grundständig ausgebildete Lehrkraft für Schulmusik nicht mitbringt, wenn sie mit Mitte 20 vor einer Klasse steht. Welches Menschenbild soll durch diesen Artikel in die Welt? Es ist vielleicht verzichtbar gewesen, das Versagen der öffentlichen Hand, die staatlich geförderten Missstände in den Schulen, Bürokratie und die nicht mehr zeitgemäße Art der Lehrer- und künstlerischen Musikerausbildung zu benennen, aber es wäre wünschenswert gewesen, dem Thema konstruktiv zu begegnen. Der Musiklehrerberuf ist höchst anspruchsvoll – Grund genug, Gedanken dazu zu äußern, wie motivierte, kompetente und hervorragend ausgebildete Spezialisten die Schulmusik bereichern, erweitern, professionalisieren und stärken könnten!

Franziska Kraft, via E-Mail

Tags in diesem Artikel

Ähnliche Artikel