Musik atmet – Impulse für inspirierten Unterricht

Fünfter Kongress des DTKV NRW in Kooperation mit der Folkwang Universität der Künste


(nmz) -
Nach einer herzlichen Begrüßung durch den Dekan des Fachbereichs Musikpädagogik (FB 2) der gastgebenden Folkwang Universität der Künste, Prof. Werner Schepp, und die Landesvorsitzende des DKTV NRW, Cornelia Sokoll, summte der Kongress. Prof. Werner Rizzi begann seinen Eröffnungsvortrag zum Thema Atem – Inspiration – Improvisation, in dem er alle 80 Teilnehmer einlud, auf ihren Atem zu lauschen und ihm im nächsten Schritt bei geschlossenem Mund einen Klang zu verleihen.
Ein Artikel von Antje Valentin

Angenehmes Summen erfüllte den Raum, Entspannung machte sich am Samstagmorgen gegen 10 Uhr breit. In diesem entspannt-intensiven Modus verlief der ganze bestens durch Cornelia Sokoll und Isabel Gabbe (Folkwang Universität) organisierte Tag, der viel Inspiration für die anwesenden Musikpädagogen enthielt. Das Zentralthema, nämlich die Frage, ob inspiriertes Musizieren lehr- und lernbar ist, wurde aus vielen Blickwinkeln umkreist. Werner Rizzi setzte den Atem in seinem Vortrag in Bezug zu musikalischen Bögen, Puls und Tempo und gab mit Klangbeispielen von Antônio Carlos Jobim, Olivier Messiaen und Musik des Buena Vista Social Clubs überraschende Anregungen, diese Phänomene lauschend zu verfolgen und sie hörend zu erleben.

Neun Workshops, aus denen die Teilnehmer drei wählen konnten, wurden angeboten. Immer wieder stand das Thema Atem im Vordergrund. Beim Mimen Aleksandar Acev ging es um den Atem der Geste. Hier wurde die eigene Körpersprache improvisierend entfaltet, um mehr Ausstrahlung auf die Bühne bringen zu können. Die Pianistin und Dozentin für Klavierdidaktik, Isabel Gabbe, stellte den aktiv mitspielenden Teilnehmern ihre kreativen Musikspiele unter dem Motto „Durchatmen im Spiel“ vor. Die Komponistin Karin Haußmann gab inspirierende Impulse zum Komponieren mit den eigenen Schülern. Sabine Linneweber als Atemtherapeutin schlug eine Brücke zur eigenen Lebendigkeit über den Atem. Der Jazzmusiker Alexander Morsey schuf den Rahmen für das gemeinsame Singen ohne Noten in Form von Circle Songs. Die Sängerin und Musiktherapeutin Lena Sokoll vermittelte, wie Kinder spielerisch ihren Atem und die eigene Stimme über Stimmspiele entdecken können. Der Musikpädagogikprofessor Wolfgang Rüdiger inspirierte mit Ideen zum Bläserinstrumentalunterricht, der musikalisches Atmen in den Vordergrund stellt. In Vertretung von Prof. Dr. Peter Röbke war Dr. Ivo Berg von der Musikuniversität Wien gekommen und stellte in seinem Workshop rasch neun Nicht-Blockflötisten zu einer Blockflöten- Anfängergruppe zusammen, die ad hoc mit Mundstücken spielerisch und erlebnisreich zum groovenden Musizieren gebracht wurden und somit dem Anspruch, von Anfang an gemeinsam zu musizieren, gerecht wurden.

In seinem Vortrag zum Thema „Inspiriert musizieren von Anfang an“ vertiefte Ivo Berg den Hintergrund dieses Ansatzes, der nicht erst den langen Marsch durch die Wüste Gobi, sprich die Instrumentaltechnik, verlangt, sondern ganz dem Ansatz von Peter Röbke folgt, Instrumente direkt im Spiel zu lernen. Er führte aus, dass die Musik im Unterricht zum Ereignis werden kann und das Erlebnis, gemeinsam in musikalisch andere Welten vorzustoßen, nicht durch vorab geplante exakte methodische Schritte erreicht wird. Der höchst anregende Tag endete mit einer Lecture Performance zum Thema „Atem – Körper – Musik“ von Prof. Dr. Wolfgang Rüdiger, die das aktive gemeinsame musikalische Tun aus dem Moment heraus eindrucksvoll erleben ließ. Auch hier wurde, wie schon zuvor bei Ivo Berg und Werner Rizzi, nochmals deutlich, dass das Geheimnis gelungenen Unterrichts, in dem Musik das Herzstück darstellt, im spielerischen Oszillieren zwischen den Chancen, die sich aus dem Moment heraus entwickeln, und der methodisch-didaktischen Planung liegt. Dies ist weniger eine Frage exakter Planung als vielmehr einer Haltung, aus der heraus hellwach ungeplant Geschehendes aufgegriffen und den aktuell sich entwickelnden Ereignissen Raum gegeben wird, inspirierend zu wirken. Hierzu dient ein Methodenrepertoire, das authentisch und durchdrungen von der eigenen Persönlichkeit für den Unterricht genutzt werden sollte.

Der DTKV NRW hat mit dem Kongress eine höchst gelungene Veranstaltung organisiert, die deutlich macht, dass er als Berufsverband dicht entlang der aktuellen musikpädagogischen Themen arbeitet. Der thematisch gut gezogene rote Faden mit hervorragend ausgewählten Dozenten gab den Teilnehmenden wertvolle Impulse, auch im Alltagsgeschäft mit langem Atem ihre so wichtige musikpädagogische Tätigkeit weiterhin inspiriert auszuüben.

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