Musik in ungewöhnlichen Zeiten

Würzburger Festival auf der größten Bühne der Welt


(nmz) -
Der Plan: Liedfestival und Meisterkurs Christiane Karg/Gerold Huber. Uraufführungen im Kulturspeicher Würzburg. Schülerkonzerte, Jazz und mehr im Keller Z87 des Würzburger Kultur- und Kreativzentrums. Festival Neues Lied in Kapstadt und Würzburg (erhielt den Kulturförderpreis der Stadt Würzburg 2020, die feierliche Überreichung musste erst einmal entfallen) und manches mehr.
Ein Artikel von Georg Lofer

Stattdessen: EIN Festival 2020/21. Online. Offen für alle Mitglieder. Offen für jeden Besucher. Jederzeit ab 1. März 2021 im Internet: Nun ist es online, nach einigen Hürden. 28 Mitglieder des Würzburger Verbandes reichten Beiträge ein, deren Honorierung um den Jahreswechsel das Fehlen von Adventskonzerten, Neujahrsempfängen und anderen „Muggen“ ein wenig ausgleichen sollte. Wir waren schlicht überrollt von der Qualität und Spannweite der Beiträge.

Das Thema lautete „Musik in ungewöhnlichen Zeiten“ und es konnten Audio- oder Videobeiträge von etwa 5 bis 10 Minuten eingereicht werden. Die Videobeiträge waren in der Mehrheit, veröffentlicht wurden sie auf dem youtube-Channel des Würzburger Tonkünstlerverbandes und natürlich auf dessen Homepage.

Schauen Sie herein: einfach die Kamera Ihres „Endgerätes“ auf den QR-Code richten oder www.tkv-wuerzburg.de aufrufen. Die ganze Breite der Musikschaffenden im Würzburger Verband wird sichtbar – ein paar Beispiele seien genannt, um Sie vielleicht neugierig zu machen. Es gibt:

• a-cappella-Gesang durch den Dornwald in Klostergewölben
• immer wieder Wut und Ärger – nicht nur über den verlorenen Groschen - sondern zum Beispiel über nicht funktionierende Zoom-Verbindungen …
• „Bach gegen Corona“ auf dem Cello
Improvisationen über die Anfangsbuchstaben des Genoms von COVID19 (C,G,TD,A)
• einfach nur schöne, ruhige Stücke, die über die Zeit trugen und tragen
• ein Death-Metal-Schlagzeugsolo als Ausdruck von Wut, Angst, Ärger
• ergreifenden Gesang zum Thema „Zusammenhalt“ in schweren Zeiten,
• Mozart, mit dem es „Frisch zum Kampfe!“ geht
• Klaviertrioproben mal ganz anders (sind auch im kilometerseitenlangen Dreieck simultan möglich, Hürden verschiedener Art sind jedoch zu nehmen…)
• Stummfilmmusik zu F.W. Murnaus „Faust“, die mit Verschwörungstheorien und Fausts Machtlosigkeit in Anbetracht der Pestepidemie sehr aktuell ist
• Streichinstrumente in Schnee und Gärten
• Gitarrengrüße nach Sevilla und „Todo cambia – alles ändert sich“
• „plötzlich ganz viel Zeit“ für das Schlagzeug und das daraus entstandene Stück
• vieles mehr zum Beispiel auf Saxophon, Harfengitarre und von verschiedensten Ensembles

Es empfiehlt sich einmal hinein zu schnuppern, vielleicht gerade in Genres, die einem fremd sind. Man kann leicht einen ganzen Abend kurzweilig in diesem „Konzert“ verbringen und dabei interaktiv Reihenfolge und Stückauswahl jederzeit ändern.

Dennoch hoffen wir auf baldiges Nachholen unserer entfallenen Präsenzfestivals, mit Sektanstoßen, Hören-Schauen-Fühlen, gemeinsamen Essen nach den Konzerten. Endlich wieder Schülerkonzerte mit leuchtenden Augen. Endlich wieder Publikum. Endlich wieder Lampenfieber. Und der Lateiner sagt schlicht: fit!

Zum Schluss möchten wir gerne die Unterstützer nennen: Die Stadt Würzburg hat in diesen Zeiten den Kultur­etat erhöht, stärkt Kunst und Kultur aller Couleur mit Sonderprogrammen, Ausfallhilfen, zusätzlicher Unterstützung zum Beispiel von Open-Air-Projekten im Sommer 2021 und vielem mehr. Ohne die Hilfe der Stadt Würzburg wäre dieses Festival nicht möglich gewesen.

Was vom hiesigen Kulturreferat seit Beginn der Pandemie für die Kultur geleistet wurde und weiter geleistet wird: Chapeau!

Auch der Freistaat Bayern unterstützte das Projekt über den Bayerischen Tonkünstlerverband. Allen sei an dieser Stelle ein herzlicher Dank für die Förderung dieses Projekts ausgesprochen, ganz besonders im Namen der beteiligten Musikerinnen und Musiker.

 

 

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