Musik mit Anschluss – passen Musik und Handy zusammen?

Am Hamburger Konservatorium startet KON-Plugin jetzt richtig durch


(nmz) -
In Zeiten von Corona über Online-Unterricht zu schreiben, klingt vielleicht wie Eulen nach Athen zu tragen. Das Hamburger Konservatorium hat sich allerdings schon vor Corona auf den digitalen Weg gemacht und die Label KON-Plugin, KONapp und KONcorder entwickelt.
Ein Artikel von Markus Menke

Im Zentrum steht natürlich die Schüler-Lehrer-Beziehung. Ohne den menschlichen Kontakt ist Lernen schwer möglich. Gleichzeitig bieten die modernen Kommunikationsmittel schnellere Feedback-Möglichkeiten, als wir es aus dem traditionellen Musikschulunterricht kennen. Wenn Schülerinnen und Schüler eine aktuelle Frage haben, kann das Warten bis zum nächsten Unterricht zu lange dauern. Und wenn wir erst nach einer Woche korrigieren können, um die Schülerinnen weiter zu bringen, verlieren wir Zeit.

KONapp und KONcorder sind sichere, geschützte und unterrichtsbezogene zusätzliche Werkzeuge, die neue Möglichkeiten und gleichzeitig Motivation schaffen. „Sicher“ bedeutet: Die Daten werden auf Servern in Deutschland gehostet, werden nicht zu kommerziellen Zwecken genutzt und End-zu-End verschlüsselt.

„Geschützt“ bedeutet: Die Nutzung wird restriktiv über die Musikschulverwaltung administriert und nur die Lehrkräfte erhalten die Möglichkeit, Schüler entsprechend Buchung und pädagogischem Wunsch in die App einzuladen. Unerwünschte Personen können nicht mitlesen und -hören. „Unterrichtsbezogen“ bedeutet: Die Lehrkräfte legen ihre Online-Unterrichtszeit fest und sind nicht etwa ständig erreichbar. Sie gestalten den Unterricht so, dass positive, sinnvolle Feedbacks entstehen. Die Inhalte bleiben Eigentum der Musikschule und der Lehrerinnen und Lehrer. Die Online-Dynamik hat zudem den Vorteil, unabhängig von Zeit und Ort zu sein.

Die Grafik verdeutlicht beispielhaft eine Unterrichtswoche mit Online-Buchung: Präsenzunterricht, gefolgt von individuellem Üben, einem Online-Feedback, einer Online-Probe mit anderen Schülern, bis es wieder zum Präsenzunterricht geht.

Technik: KONapp ist eine Chat-Funktion für Textnachrichten und Kommentare. KONcorder ist ein Vierspur-Mischpult mit Loop- und Schneidefunktion für die Aufnahme von Instrumental-und Vokalmusik und die Versendung mit der KONapp. Beide sind in den gängigen App-Stores herunterzuladen. Voraussetzung ist eine WLAN Verbindung in der Musikschule oder am gewünschten Ort und Smartphone oder Tablet mit Earphones der Nutzer. Leihgeräte sollten zur Verfügung gestellt werden können, damit alle Beteiligten unabhängig von ihrer privaten Situation Online-Unterricht nutzen können. Natürlich macht es Sinn, in der Musikschule Studios für die Online-Zeiten der Lehrkräfte vorzuhalten.

Klangqualität ist noch eine Herausforderung für das technische Equipment, und deren Klangqualität kann natürlich das live gespielte Instrument nicht ersetzen. Gerade jetzt in der Corona-Krisenzeit bestätigen aber selbst und gerade Skeptiker des Online-Unterrichts, wie wertvoll diese Möglichkeit des Unterrichts ist. Natürlich ändert sich der didaktische Ansatz für einen Online-Unterricht. Die Schülerinnen und Schüler spielen ihre Aufgaben und zu übende Musik ein, und Lehrer/-innen  können darauf direkter reagieren. Dann macht es aber Sinn, die Sequenzen kürzer zu wählen. Das kommt dem Aufbau der Musik oft sehr nahe.

Mozarts Werke zum Beispiel entwickeln sich aus kleinen Motiven und deren Veränderung – klar und gut zu üben und zu memorieren – der Autor nennt es das „Mozart-Modell“. Unterrichtswerke in solche verständliche Einheiten zu gliedern eröffnet Schülern die Chance, Musik spielend zu verstehen und komplexe Muster entspannt nachzuvollziehen. Der KONcorder mit seinen vier Spuren ermöglicht das Einspielen von Musik durch Schüler/-innen, das gleichzeitige Abhören der Lehrer-Beispiele, das Mithören von Begleitstimmen und das Einblenden von Stimmen, die andere Schüler/-innen schon eingespielt haben. Der motivierende „Kick“ dieser Übe-Situation ist erheblich. Musikschulen können mit KON-Plugin auch eigene Musik-Lern-Audiotheken anlegen. Dadurch erhält die kammermusikalische Zusammenarbeit der Kollegen eine Plattform. KON-Plugin selbst stellt mit einem Mausklick den Zugang zu Bibliotheken wie MGG, und Streaming Diensten wie Naxos-Library her.

Zusammenfassend: KONapp und KONcorder herunterladen, Lizenzgebühr mit dem Hamburger Konservatorium vereinbaren, Zugriffscodes verteilen und verwalten. Einladungen durch die Lehrkräfte gehen an die Schüler/-innen und Gruppen, die KON-Plugin in der Musikschule buchen und an die Schüler/-innen, die zu einem Ensemble gehören. Musik und Aufgaben werden eingespielt, geteilt, kommentiert und von den Pädagogen zu ihrer vereinbarten Online-Zeit mit Feedback versehen und wieder an die Schüler/-innen gesendet.

Die Musikschule stellt günstigenfalls Studios zur Verfügung, die Schüler/-innen nutzen eigene oder Leih-Endgeräte/Smartphones. Im Gebührenkatalog ist der Online-Unterricht gelistet und wird entsprechend vergütet. Methodik und Didaktik nehmen das Potential des Online-Unterrichts auf. Schulen und Kollegien entwickeln Lern-Audiotheken, über die Schüler/-innen vielfältige und qualitativ hochwertige Anregungen und Übe-Ideen erhalten. Eine Vielfalt des Unterrichts wird möglich und das unabhängig von Zeit und Ort.

Zitat aus der Praxis einer Dozentin in Corona-Zeit: „…dass alle sehr positiv auf die Möglichkeit reagieren, online weiterlernen zu können. Manches geht sogar intensiver, schneller und mit mehr Freude als sonst. Neue Möglichkeiten ergeben sich aus E-Pianos, mit denen Begleitstimmen selbst aufgenommen werden. Auch sind Fragen zu Übe-Techniken und das Aufnehmen des eigenen Spiels im Interpretenvergleich interessant und natürlich immer wieder die Analyse der Werke.“

Markus Menke, Direktor des Hamburger Konservatoriums

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