Musikalisches Weimarer Dreieck

Erfahrungsbericht einer Teilnehmerin am Projekt „Youth. Europe. Music“


(nmz) -
Kulturelle und historisch bedeutsame Interaktionen zwischen den europäischen Ländern sind heute wichtiger denn je. Youth. Europe. Music. ist ein Projekt, das Staatsgrenzen überschreitet und einen europäischen Dialog mit dem Mittel der Musik in Gang setzten soll.
Ein Artikel von Lena Heise

An dem Projekt, welches seinesgleichen sucht, sind drei Musikschulen aus Oswiecim in Polen, Wissembourg in Frankreich und Landau in der Pfalz in Deutschland beteiligt. Es dient dazu, die Idee des Weimarer Dreiecks sichtbar zu machen und wieder zu beleben.

Entstanden ist das Projekt durch das International Youth Meeting Centre in Oswiecim und die Abteilung für Menschenrechtsbildung der Universität Koblenz–Landau. Es begann Anfang Mai mit dem Besuch der deutschen und französischen Gruppe in Polen vom 1. bis 10. Mai 2022. Von Frankfurt nach Krakau flogen wir mit dem Flugzeug; anschließend brachte uns ein Shuttle nach Oswiecim.

In den kommenden 10 Tagen in Polen hatten wir ein straffes, aber sehr interessantes Programm. Unter anderem besuchten wir die Konzentrationslager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau. Wir waren in Krakau und haben während einer Stadtführung eine Synagoge besichtigt, die Fabrik von Oskar Schindler gesehen und sogar einen Drehort des Filmes besucht. Wir durften ein Gespräch mit einer Zeitzeugin führen, die in einer Kinderbaracke in Auschwitz war und die Befreiung des Konzentrationslagers miterlebt hat.

Neben dem Programm hatten wir viele intensive und anspruchsvolle Proben, um unsere Konzerte am 9. Mai in der Musikschule in Oswiecim und am 10. Mai in Katowice zu geben. Belohnt wurden wir mit einem tollen Publikum, das uns bei beiden Konzerten mit Applaus überschüttet hat. Ein besonderer Gänsehautmoment war es, als das Publikum bei unserem ersten Konzert in Polen während des „Medleys“ anfing mitzusingen. Da ich das Stück nicht kannte, war dies ein echtes Überraschungsmoment. Seitdem muss ich jedes Mal an diesen Moment denken, wenn wir diese Musik spielen.

Unser Programm bestand aus einem Stück von Vivaldi, der Europahymne von Beethoven und einem Medley, das von einem südpfälzischen Komponisten extra für unser Projekt geschrieben wurde. Dieses Medley besteht aus Friedensliedern aus Deutschland, Frankreich und Polen. Besonders berührend war es, „Schindlers Liste“ zu spielen. Wir alle haben zu dem Stück jetzt eine ganz andere Bindung, vor allem nach unseren Besuchen in Auschwitz. Andererseits ist es, eben aufgrund dieser emotionalen Bindung, auch eines der schwersten Stücke. Als die Polen uns dann vom 11. bis 17. September 2022 in Deutschland besucht haben, war die Vorfreude groß und wir hatten nicht den Eindruck, dass wir fast ein halbes Jahr voneinander getrennt waren.

Wir gaben Konzerte im Europäischen Parlament und in einer Synagoge in Straßbourg, auf dem Hambacher Schloss und in Annweiler im Hohen­staufensaal. Das letzte Konzert fand im La NEF in Wissembourg statt.
Neben den erneuten sehr intensiven Proben im La NEF bestand das Programm aus einer Stadtführung durch Landau, die ich gemeinsam mit einer Freundin aus dem Orchester mitgestalten durfte, zudem aus einem Besuch und einer Führung auf dem Hambacher Schloss, einer Stadtführung durch Bad Bergzabern und Speyer, dem Besuch des Forts Schoenenbourg und den vielen gemeinsamen tollen Abenden mit gutem Essen. In Straßbourg durften wir das Europaparlament besichtigen und eine Führung des Rabbis durch die Synagoge miterleben.

Es war eine besondere Ehre in solchen historisch oder politisch heute noch bedeutenden Orten Konzerte zu spielen, denn die Musik verbindet, auch wenn man nicht die gleiche Sprache spricht. Schlussendlich ging es bei dieser Konzertreise um vielmehr als „nur“ darum zu musizieren. Es war eine intensive Zeit des Austauschs und der Begegnung. Ich habe neue Freundschaften in kurzer Zeit geschlossen, an denen mir sehr viel liegt. Zum Glück kann ich diese auch durch die sozialen Medien weiterhin pflegen und gut erhalten.
Ich hoffe sehr, dass dieses Projekt auch in Zukunft weiterhin bestehen wird und vielleicht sogar noch wachsen kann. Denn es hat mir nicht nur sehr viel Freude bereitet, mit Menschen aus drei Nationen zu musizieren, sondern hat mir auch die Bedeutung, in einem vereinigten und nicht auseinanderdriftenden Europa zu leben, gezeigt. Durch die Sprache der Musik, die jeder spricht und versteht, kann man diese Nachricht in ganz Europa verbreiten.

  

Das könnte Sie auch interessieren: