Nachrichten 2010/10


(nmz) -
Kulturpolitischer Appell von VdO, GdBA und DBV anlässlich der „Sinfonie der Tausend“ in Duisburg *** Verfassungsrichter stärken Urheberschutz im Netz *** Musik im Bild *** Festival „Impuls“ zum dritten Mal *** My Music – 2010 wieder in Friedrichshafen *** ERTA-Kongress in Hamburg
Ein Artikel von nmz-red

Die Kultur darf kein Steinbruch sein

Kulturpolitischer Appell von VdO, GdBA und DBV anlässlich der „Sinfonie der Tausend“ in Duisburg

Die Aufführung von Gustav Mahlers „Sinfonie der Tausend“ war Anlass für die Künstlergewerkschaften Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO) und Genossenschaft Deutscher Bühnenangehöriger (GdBA) sowie den Arbeitgeberverband Deutscher Bühnenverein (DBV), gemeinsam einen „Kulturpolitischen Appell“ zu veröffentlichen. Im Konzert-Programmheft würdigten die drei Verbände das große Chor-Projekt, das im Rahmen des Kulturhauptstadtjahres 2010 veranstaltet wurde: Berufschöre und -orchester standen gemeinsam mit Laienensembles auf der Bühne der Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Nord. Die „Sinfonie der Tausend“ zeige als Leuchtturmprojekt, wie eindrucksvoll, facettenreich und gemeinschaftsbildend die Kulturlandschaft im Ruhrgebiet sei, heißt es in dem Appell, der dann auf den Kampf der Ruhrgebietsstädte um ihre Haushalte hinweist: „Mehrere Kommunen befinden sich im Nothaushalt.“ Es folgt die berechtigte Frage, was mit den Kulturetats in der Metropole Ruhr nach RUHR.2010 folgen werde. Als Vertreter der Kulturschaffenden appellieren die Verbände, die Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen langfristig zu erhalten und „den Kraftstoff Kultur für den Motor des Strukturwandels wahrzunehmen“. Das Kulturpotenzial der in NRW vorhandenen Theater und Konzerthäuser dürfe durch finanzpolitische Zwänge auch in Krisenzeiten nicht in Frage gestellt werden. Der Appell von VdO, GdBA und DBV endet mit der Forderung, keine Theater- oder Spartenschließungen und keinen weiteren Stellenabbau zu diskutieren oder gar zuzulassen. „Die Kultur kann und darf kein Steinbruch sein, mit dessen Hilfe man entstandene Defizite stopfen kann! Vielmehr sollte die einmalige Musik- und Theaterlandschaft Deutschlands zum Weltkulturerbe erhoben werden!“

Verfassungsrichter stärken Urheberschutz im Netz

Auf Verkäufer und Importeure von PC-Druckern könnten millionenschwere Nachzahlungen zukommen. Das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe hat Ende September den Schutz von Urhebern gestärkt, die ihr Werk ins Internet stellen. Eine Kammer des Bundesverfassungsgerichts stellte klar, dass die Vervielfältigung digitaler Werke aus dem Netz nicht ohne jede Vergütung für die Urheber bleiben könne. Der BGH hatte 2007 eine Geräteabgabe für PC-Drucker und Plotter (Kurvenschreiber) abgelehnt. Zwar müssen laut BGH für Fax-Geräte und Scanner Geräteabgaben bezahlt werden. Denn diese dienten der Vervielfältigung gedruckter urheberrechtlich geschützter Werke. Bei Druckern und Plottern, die an den PC angeschlossen werden, verneinte der BGH jedoch eine Zahlungspflicht. Die VG Wort legte Verfassungsbeschwerde ein und hatte damit jetzt Erfolg. Der BGH muss jetzt nach den Vorgaben der Verfassungsrichter neu über Nachzahlungen ab 2001 entscheiden und möglicherweise den EuGH in Luxemburg einschalten.

Musik im Bild

Nach seiner Premiere beim Filmfest in München wird der beim International Festival of Films on Art in Montreal 2010 als bester kanadischer ausgezeichnete Film im November die Kinos erreichen und 2011 im ZDF-Theaterkanal erwartet.

Der englisch-französisch-sprachige Film unter dem sachlichen Titel „Kent Nagano – Montreal Symphony“ von Bettina Ehrhardt und Michel Quellette porträtiert den in München geschassten Dirigenten Kent Nagano, Noch-Musikchef der Bayerischen Staatsoper und zugleich Chef des Symphonieorchesters Montreal: Wie es ihm und diesem traditionsreichen Orchester darum geht, mit ihrer Musik die Menschen, ihre Ohren, ihre Herzen zu erreichen, das ist der rote Faden dieses filmischen Doppelporträts in seinen fünf Episoden.

Fünf unterschiedliche spannungsreiche künstlerische und menschliche Aktionen an ungewöhnlichen Veranstaltungsplätzen, fünf Programme, angepasst an das jeweils zu erreichende Publikum in Montreal, Nunavik, Paris und München – sie lassen erleben, wie Kent Nagano Symphonisches von Bruckner, Mahler und Debussy oder schließlich Messiaens Oper vom Heiligen Franziskus wachsen lässt.

Der Film zeigt auch, wie Nagano mit einer Handvoll seiner Musiker in Strawinskys Septett-Besetzung in den einsamen und rauen äußersten Norden Kanadas fliegt, um dortigen Schulkindern erstmals in ihrem Leben Musikinstrumente und ihren Sound vorzustellen, dazu ein Mitbringsel, die eigens auf diese Situation zugeschnittene Schöpfung der kanadischen Komponistin Alexina Louie „Take the Dog Sled“, einbezogen der lokaltypische Kehlkopfgesang als eine Hommage an die Inuit und ihre Kultur und die grandios unbarmherzige Natur.

Die Münchner Dokumentarfilmerin Bettina Ehrhardt war den Musikern und ihrem Chefdirigenten ein Jahr lang auf den Versen, ließ die Kamera mitlaufen, verband diese Realaufnahmen zu einem teilweise sehr bewegenden, jedenfalls visuell und akustisch eindrucksvollen Musik- und Dokumentarfilm, mit nahezu 100 Minuten in Spielfilmlänge vielleicht allzu breit angelegt.  [Eckart Rohlfs]

Festival „Impuls“ zum dritten Mal

Am 29. Oktober 2010 startet das „Impuls“-Festival für Neue Musik in Sachsen-Anhalt seine dritte Ausgabe. Bis zum 21. November 2010 werden in 24 Veranstaltungen mit zehn Orchestern und 17 Solisten Werke von 26 zeitgenössischen Komponisten sowohl zu hören als auch zu erleben sein – und das in neun Städten: Halle, Magdeburg, Dessau, Wernigerode, Halberstadt, Stendal, Schönebeck, Köthen und Kloster Michaelstein.
Einen zweiten Schwerpunkt bildet der Einfluss der frühen Jazzmusik auf Komponisten wie Eugene Hartzell, George Antheil, Stephan König oder Leonard Bernstein. Die dritte thematische Säule stellt das sinfonische Werk des diesjährigen Composers-in-residence Guillaume Connesson dar, das in sechs Konzerten vollständig erklingen wird. www.impulsfestival.de/

My Music – 2010 wieder in Friedrichshafen

Seit 2007 gibt es die Musikmesse „My Music“. Sie findet zweijährig im Wechsel an den Standorten Dresden und Friedrichshafen statt. Vom 15. bis 17. Oktober 2010 bietet die My Music 2010 auf dem Messegelände in Friedrichshafen den Besuchern neben zahlreichen Fachausstellern ein attraktives Rahmenprogramm mit Live-Konzerten, Musikwettbewerben, Autogrammstunden und Workshops. Zu den Höhepunkten der My Music 2010 zählen die beiden Abendveranstaltungen: Während der Freitagabend ganz im Zeichen von Rock, Pop, Jazz und Blues steht, wird am Samstagabend ein zünftiges Oktoberfest mit klassischer Blasmusik gefeiert. Das Ausstellungsspektrum umfasst das gesamte Angebot an Musikinstrumenten, inklusive Zubehör, Noten und Veranstaltungstechnik. Erwartet werden zirka 250 Fachaussteller und 15.000 Besucher aus dem Einzugsgebiet Süddeutschland, Österreich und Schweiz.

ERTA-Kongress in Hamburg

„Hamburger Ebb und Fluth – Musik der Hanse“ lautet das Motto des diesjährigen Kongresses, den die Sektion Deutschland der „European Recorder Teacher‘s Association“ (ERTA) vom 1. bis 3. Oktober 2010 in Hamburg veranstaltet. Kooperationspartner sind die Staatliche Jugendmusikschule (JMS) Hamburg und das Hamburger Konservatorium. Tagungsort ist das Michael Otto Haus im Mittelweg 42 in Hamburg.

In Ausstellungen, Konzerten, Workshops und Vorträgen geht es allerdings nicht ausschließlich um die Musiktradition der Hansestadt an der Elbe. Der Kongress bietet darüber hinaus eine Fülle an Informationen und Anregungen für Lehrende, Studierende und Konzertierende. Profis und Laien können gleichermaßen von dieEine Familienmatinée und ein Workshop mit Improvisation und Pantomime zu einer Lesung aus dem Buch „Tintenblut“ von Cornelia Funke am Samstag richten sich speziell an Familien mit Kindern. Eröffnet wird der Kongress am Freitag, 1. Oktober, um 13 Uhr mit einer Ausstellung, in der verschiedene Firmen Instrumente, Noten und fachdidaktisches Material vorstellen. Sie ist während des gesamten Kongresses geöffnet.

 

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