Nachrichten 2011/12


(nmz) -
Münchner Förderstipendien – Förderpreise InTakt 2011 – Schönes bleibt nicht
Ein Artikel von nmz-red

Münchner Förderstipendien

Die Landeshauptstadt München hat am 11. Oktober 2011 Musikstipendien in Höhe von jeweils 6.000 Euro an drei Künstler verliehen: Nélida Béjar (für die Komposition „Entdeckung Amerikas“ für elfköpfiges Ensemble und Chor), Monika Roscher (Big Band-Projekt) und Arash Safaian (Kompositionsprojekt „Circles“ für Zither und Bratsche – mit Georg Glasl und Kelvin Hawthorne als Interpreten).

Förderpreise InTakt 2011

Es war nicht 12 Uhr mittags und auch nicht Mitternacht: Das Rathaus Dortmund war am 22. Oktober 2011 ab 17 Uhr ein Ort der speziellen musikalischen Begegnung. Experimentelles von Monochord, Keyboard und Klangschale wurde abgelöst vom Marching and Walk Act einer New Orleans Brass-Band. Das Besondere, oder besser gesagt, das Normale daran waren Musiker mit Behinderung. 

Der Förderpreis InTakt der miriam-stiftung zeichnet seit acht Jahren inklusive Projekte aus, in denen Menschen mit und ohne Behinderung innovativ und kreativ musikalisch tätig sind. Der Einzelpreis honoriert innovative Konzepte der musikalisch-kulturellen Bildung, der Gruppenpreis würdigt Ensembles (www.miriam-stiftung.de). 22 Projekte und Ideengeber wurden bislang geehrt. Der Einzepreisträger des Jahres 2011 ist Johannes Joliet, bildender Künstler und Musiker. Er leitet das Experimentalorchester Halle 016 der Bruderhausdiakonie Reutlingen. Seine Ensemblemitglieder gestalten freie Klänge, die sie gewöhnlichen und ungewöhnlichen Instrumenten abfordern. So entstehen Klangbilder und -landschaften. Gruppenpreisträger ist in diesem Jahr „Marshall Cooper Extended Version“, ein Projekt der fünfköpfigen Brass Band MARSHALL COOPER & THE PHONKY DEPUTIES aus dem Rhein-Main-Gebiet. Der uramerikanische New Orleans-Sound der vier Bläser plus Marching Drum Set wird durch Musiker des Dortmunder Modells ergänzt. Claudia Schmidt, die Leiterin der schon fast legendären inklusiven Band „just fun“ der Musikschule Bochum, hat die Berufsmusiker mit Musikern des „Dortmunder Modell: Musik“ zusammengebracht.

 

Schönes bleibt nicht

„Melodien für ein gutes Gefühl – WDR 4“, so lautet seit der Programmreform der Slogan des meistgehörten Radioprogramms in Nordrhein-Westfalen. Mit der Reform sollte nicht nur der alte Slogan „Schönes bleibt – WDR 4“ weichen. Jetzt will der Sender das letzte Format des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zum Thema „Unterhaltungsmusik der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts“ abschaffen. Zugegeben, der Sendungstitel „Schellack Schätzchen“ mutet etwas antiquiert an, der Inhalt allerdings transportiert Werte, die untrennbar mit der deutschen Geschichte verbunden sind. Seit 35 Jahren – damals hieß sie noch etwas treffender „Wider das Vergessen“ – erinnert die wöchentliche Sendung an Künstler, die im Naziregime verfemt, verfolgt oder ermordet wurden. Die Moderatoren, selbst Sammler und profunde Kenner der Unterhaltungsszene dieser Zeit, präsentieren nicht nur Originalaufnahmen, sie informieren und kommentieren, oft auf unterhaltsame Weise. Mit dem Abschaffen der Sendung geht eine wichtige Geschichtsdokumentation verloren, nämlich die des Zusammenbruchs der deutschen Kultur mit dem Beginn der Herrschaft des Dritten Reiches. Künstler wie Paul Abraham, Werner Richard Heymann, Walter Jurmann, die Comedian Harmonists oder Weintraubs Syncopators geraten so erneut in Vergessenheit. Im Februar 2012 soll die letzte Sendung ausgestrahlt werden. Schönes bleibt nicht. Ein gutes Gefühl erst recht nicht. bl

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