Nachrichten 2012/05


(nmz) -
Online-Petition gegen die Fusion der SWR-Orchester – Diskussion bei „SWRdirekt“ +++ Berlin-Szenen +++Auf der Frankfurter Musikmesse wurden Instrumente aus Karbon vorgestellt +++ Leichter Rückenwind, aber keine Trendwende +++ Spielstand GEMA vs. YouTube 2:1 +++ Verein Jean Paul 2013 schreibt Kompositionswettbewerb aus +++ Deutscher Musikschultag am Tag der Musik
Ein Artikel von (nmz-red)

Wächst das Orchester-Rettende auch? – Online-Petition gegen die Fusion der SWR-Orchester – Diskussion bei „SWRdirekt“

20.000 „Orchester-Retter“ – beim Erscheinen der vorliegenden nmz-Ausgabe dürfte die gleichnamige Internetseite diese Zahl an Unterzeichnern in etwa erreicht haben. Die jeweiligen Freunde- und Förderer-Vereine des Radio-Sinfonieorchesters Stuttgart und des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden/Freiburg hatten zusammen mit dem Landesmusikrat Baden-Württemberg Anfang April die Seite „OrchesterRetter.de“ gestartet, auf der eine Online-Petition zum Erhalt der beiden Orchester in der derzeitigen Konfiguration unterzeichnet werden kann. Neben vielen Prominenten des Musiklebens im In- und Ausland (einige hatten sich außerdem in den vergangenen Wochen öffentlich zu Wort gemeldet) sind es offenbar vor allem zahllose „ganz normale“ Musikfreunde, Radiohörer und Konzertbesucher, die sich mit den beiden Klangkörpern solidarisieren.

SWR-Hörfunkdirektor Bernhard Hermann bestätigte unterdessen in einem Interview mit SWRinfo am 15. April noch einmal die Entschlossenheit, den Protesten zum Trotz zu handeln. Die Geschäftsleitung habe einen Lösungsweg, für den sie sich entschieden habe. Dieser werde nach einer weiteren Diskussion in den zuständigen Gremien (am 14. Juni) umgesetzt, wenn kein anderer tragfähiger Plan auf den Tisch gelegt werde. „Dann wird es zu einer Fusion kommen“, so Herrmann.

Auf den in der April-Ausgabe veröffentlichten offenen Brief der neuen musikzeitung hat der SWR bisher nicht geantwortet, lud aber zu einer „SWRdirekt“-Sendung zum Thema ein. Am Montag, den 30. April, ab 18.00 Uhr, diskutieren im Fernseh-Studio Baden-Baden SWR-Intendant Peter Boudgoust, Hörfunkdirektor Bernhard Hermann, Alexander Dick, Kultur-Ressortleiter der Badischen Zeitung, Götz Thieme, Kultur-Redakteur der Stuttgarter Zeitung, und nmz-Herausgeber Gerhard Rohde. 

Die Sendung wird unter www.swr.de/direkt (dort sind auch Eintrittskarten erhältlich) live zu sehen sein. Interessierte können sich, so der SWR, per Mail, über Facebook und Twitter an der Diskussion beteiligen.

Das SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg wiederum wird im Vorfeld der Bundesligapartie des (vor dem Abstieg in die Zweitklassigkeit geretteten) SC Freiburg gegen den 1. FC Köln auftreten (Samstag, 28. April). Kultur und Sport seien keine Konkurrenten, sondern passten hervorragend zusammen, so die Botschaft der Aktion. jmk

 Berlin-Szenen

Die Deutsche Oper Berlin schreibt in Kooperation mit der HfM „Hanns Eisler“ erstmals den Internationalen Kompositionswettbewerb „Neue Szenen“ aus. www.deutscheoperberlin.de

„Unempfindlich und nahezu unzerstörbar“ – Auf der Frankfurter Musikmesse wurden Instrumente aus Karbon vorgestellt

Eine neue Reihe an Streichinstrumenten aus Karbon stellte die Firma mezzo-forte aus Werther (NRW) auf der Frankfurter Musikmesse 2012 der Öffentlichkeit vor. Eine Neuheit sind Streichinstrumente aus Karbon nicht – es hat immer wieder Versuche gegeben, dieses sehr leichte und schwingfähige Material auch für den Geigenbau zu nutzen. In der Regel musste dafür jedoch ein Aufwand betrieben werden, der die jeweiligen Instrumente für die Serienproduktion und somit für den Markt ungeeignet erscheinen ließ. Um diese Hürden zu beseitigen, nutzt mezzo-forte moderne Fertigungsverfahren und Know-how einer Spezialfirma aus Baden-Württemberg. 

Das Ergebnis einer dreijährigen Entwicklungsdauer sind handgefertigte Streichinstrumente, die mit überschaubarem Aufwand gebaut werden können und für den durchschnittlichen Amateur- oder Profimusiker bezahlbar bleiben. 

Die Serie besteht derzeit aus zwei Violinmodellen, die sich in der Korpusform leicht unterschieden, aus zwei Bratschen mit den Korpuslängen 38,5 und 42 Zentimeter sowie einem Violoncello. Die Entwicklung eines Kontrabasses ist für 2012 geplant. Alle Instrumente zeichnen sich laut Angaben des Herstellers durch leichte Spielbarkeit, präzise Ansprache und einen ausgewogenen Ton aus. Hinzu kämen die Vorteile des Werkstoffs Karbon: Völlige Unempfindlichkeit gegenüber klimatischen Einflüssen wie Temperatur und Luftfeuchtigkeit, ein nahezu unzerstörbares Korpus, Kratzfestigkeit und einfache Pflege. 

Das Angebot richte sich an Amateurmusiker sowie Profis, die ein solides Zweitinstrument für Reisen oder hohe Belastungen benötigen. 

Nähere Informationen unterwww.mezzo-forte.de

Leichter Rückenwind, aber keine Trendwende – Der „Bundesverband der Musikindustrie“ stellte die Zahlen für 2011 vor

„Deutscher Musikmarkt 2011 sogar leicht im Plus“ – mit dieser Schlagzeile stellte der „Bundesverband der Musikindustrie e.V.“ seine Jahrespressekonferenz in Berlin. Die Fahrt auf der Achterbahn der Musikindustrie scheint nun die lange Phase der Konsolidierung zu erreichen. Auf dem halben Niveau ihrer besten Zeit. So bricht der Verkauf physischer Tonträger nicht vollkommen zusammen. Immer noch werden circa 83 Prozent der Verkäufe vom Verkauf „harter“ Tonträger erbracht (CD allein 73,8 Prozent – 1,098 Milliarden Euro). Digitale Musikverkäufe legten dagegen um 22,1 Prozent zu (247 Millionen Euro) zu. 

Das Angebot für legale Downloads ist mit 70 Anbietern außerordentlich umfangreich. Verstärkt im Markt platzieren sich auch neue Streaming-Angebote mit zurzeit wenigstens neun Anbietern. Nationale Produktionen sind gefragt wie nie: Mittlerweile umfassen sie knapp 55 Prozent des Marktes. Im Jahr 2002 waren es gerade mal 36 Prozent.

Das Hauptproblem für die Zukunft ist aber, so Dieter Gorny, Vorstandvorsitzender des Bundesverbandes Musikindustrie (Foto), die Durchsetzung des Urheberrechts und Wertschätzung kreativer Arbeit. Man sei „von einer echten Trendwende immer noch weit entfernt, solange die legalen Musikangebote weiterhin mit den massenhaften illegalen Umsonstangeboten im Netz konkurrieren müssen.“ Er wirft der Politik vor, sich vor diesem Problem wegzuducken und sich chaotisch zu verhalten. Während eine Studie im Bundeswirtschaftsministerium zu dem Ergebnis komme, ein Verwarnsystem für Urheberrechtsverletzungen sei sinnvoll und praktikabel, schließe dies das Bundesjustizministerium offenbar kategorisch aus. Die Politik moderiere den Diskurs um diese Fragen nicht, sagt Gorny. mh Foto: Martin Hufner

Musikindustrie in Zahlen 2011 – Fakten und Trends: www.musikindustrie.de

Spielstand GEMA vs. YouTube 2:1

Das Landgericht Hamburg hat in ers-ter Instanz in sieben von zwölf Fällen einer Klage der GEMA gegen YouTube stattgegeben. Danach ist es YouTube untersagt, sieben von der GEMA genannte Werke, die sie als Verwertungsgesellschaft vertritt, weiterhin zugänglich zu halten. Mit dieser Entscheidung dürfte wieder Leben an den Verhandlungstisch zwischen GEMA und YouTube kommen. Seit 2009 kämpfen GEMA und YouTube um Lizenzgebühren für die Nutzung urheberrechtlich geschützten Materials – bislang ergebnislos. 

Die Richter verhängten bei Zuwiderhandlung ein Ordnungsgeld von im Einzelfall bis zu 250.000 Euro oder Ordnungshaft von höchstens sechs Monaten. mh

Lesen Sie zum Thema auch das Interview mit Enjott Schneider auf S. 23

Wär ich ein Ton – Verein Jean Paul 2013 schreibt Kompositionswettbewerb aus

 

Anlässlich des 250. Geburtstags Jean Pauls am 21. März 2013 schreibt Jean Paul 2013 e.V. den Kompositionswettbewerb „Wär ich ein Ton. Jean Paul 2013“ aus. Der Verein kooperiert dabei mit dem Institut für zeitgenössische Musik in Frankfurt, Klangspuren Schwaz Tirol, Tage für Neue Musik Zürich, hr2-kultur, Ensemble Phoenix Basel und Bayern 2. 

Der Wettbewerb richtet sich an Komponisten ohne Altersbeschränkung in den Sparten Ensemble, Stimme und Radiophone Klangkunst. Ausgewählte Kompositionen letzter Kategorie sollen im hr2-kultur-Programm Verwendung finden, andere Werke auf den Festivals Klangspuren Schwaz und Tage für Neue Musik Zürich aufgeführt werden. Basieren sollen die Stücke auf Zitaten Jean Pauls, woraus das Motiv des Wettbewerbs ersichtlich wird, die Interdisziplinarität im Werk des Jubilars widerzuspiegeln und einen Dialog zwischen Literatur und Neuer Musik zu erzeugen. In der Jury wird unter anderem Komponist Hans Zender vertreten sein. 

Die Preise sind je nach Platzierung und Kategorie mit 300 bis 5.000 Euro dotiert. www.jean-paul-2013.de/

Deutscher Musikschultag am Tag der Musik – Auf dem 1. Niedersächsischen Kooperationsfestival stellen sich vom 15. bis 17. Juni „Wir machen die Musik“-Projekte vor

Der Tag der Musik – eine Initiative des Deutschen Musikrats – findet vom 15. bis 17. Juni 2012 mit Veranstaltungen im gesamten Bundesgebiet statt und ist eine Plattform für die musikalische Vielfalt in Deutschland. Alle Musizierenden in Deutschland sind aufgerufen, sich mit eigenen musikalischen Veranstaltungen einzubringen und so ein Zeichen für unser Musikland zu setzen. 

Unter dem Motto „Musikschule – Bildung mit Zukunft!“ findet am 16. Juni der Deutsche Musikschultag im Rahmen des bundesweiten Tages der Musik statt. Der Landesverband der niedersächsischen Musikschulen stellt aus diesem Anlass sein erstes Niedersächsisches Kooperationsfestival vor, bei dem sich Musikschulen des ganzen Landes mit ihren jeweiligen Kooperationsprojekten im Rahmen des niedersächsischen Musikalisierungsprogramms „Wir machen die Musik!“ beteiligen. Unser Bild (Foto: Gerd Westdörp) zeigt eine Bläserklasse der städtischen Musik- und Kunstschule Osnabrück, die mit über 90 Prozent der allgemeinbildenden Schulen und Kindertagesstätten in Osnabrück kooperiert. www.tag-der-musik.de, www.musikschulen.de

Das könnte Sie auch interessieren: