Noten-Tipps 2015/07

Leoš Janácek, Dora Pejacevic und B. Ostermeier/G. Voit


(nmz) -
Leoš Janácek (1854–1928): Mládí (Die Jugend), Suite für Blasinstrumente. Herausgegeben von Jirí Zahrádka (JW 7/10). Stimmen (Flöte/Piccolo, Oboe, Klarinette, Horn, Fagott, Bass-Klarinette). Urtext Henle +++ Dora Pejacevic (1885–1923): Canzonetta für Violine und Klavier (1899), op. 8. EB 121 R257-G und Sonata D-Dur für Violine und Klavier (1909), op. 26. EB 121 R252-G. Beide herausgegeben von Tomislav Butorac. Ed. Butorac +++ B. Ostermeier/G. Voit: Klezmer für Klarinette und Klavier. Bärenreiter
Ein Artikel von Eckart Rohlfs

Der 70-Jährige erinnert sich seiner goldenen und vielleicht nicht nur heiteren Jugendzeit. Ein bisschen Wehmut wird überdeckt von ausgelassener Heiterkeit: Spritzig witzige Einfälle, neckische Klecksereien, aphoris­tische Motive über folkloristischen Tanzrhythmen sind dem Sextett in Zunge und Finger geschrieben, nicht ganz fern von Originalität und Klangfarbenspektrum französischer Bläsermusik der Generation um Albert Roussel.

Janáceks einzige Bläserkammermusik von 1924 in der originellen Mixtur eines traditionellen Bläserquintetts plus Bassklarinette wurde zum anspruchsvollen, zugleich unterhaltsamen Bravourstück, Spieldauer 17 Minuten. Der jetzt neu herausgegebene Stimmensatz im aufwendig klaren Notenbild trägt mehr oder weniger berechtigt den Stempel „Urtext“ – doch mit Fragezeichen, weil zu viele verschiedene Fassungen und Quellen irritieren. Deshalb ist an dieser Neuausgabe besonders bemerkenswert , dass der Herausgeber, der Musikologe und Janácek-Archivar Jirí Zahrádka (der auch die neue Ausgabe der Oper „Das schlaue Füchslein“ besorgt hat), den komplizierten Entstehens-Weg dieses Spätwerks  Janáceks in seinem Begleittext minutiös nachzuzeichnen bemüht ist und die diversen Vorlagen kritisch abwägt: Autographen, Abschriften, verwirrende Korrekturversionen, Einzeichnungen in den Interpretationsvorlagen der ersten Aufführungen 1924 in Prag und Brünn, Umarbeitung und geänderte Stichvorlagen vor der Drucklegung 1925 – was ist letztlich autorisiert?

Etliche dieser hier dokumentierten Korrekturen fehlen noch in der bei Bärenreiter als Teil der Janácek-Gesamtausgabe aufgeführten Partitur (BA 6854, TP 528) – derzeit vergriffen.

Dora Pejacevic (1885–1923): Canzonetta  für  Violine und Klavier (1899), op. 8. EB 121 R257-G und Sonata D-Dur für Violine und Klavier (1909), op. 26. EB 121 R252-G. Beide herausgegeben von Tomislav Butorac. Ed. Butorac, München

Dora Pejacevic, einem alten ungarisch-kroatischen Adelsgeschlecht aus Nasice (Slawonien) entstammend, pflegte als hochgebildete Persönlichkeit intensive Verbindungen in die intellektuelle Gesellschaft der Zeit. Sie war anerkannt als wohl erste komponierende Kroatin, ausgebildet in Agram, Dresden und München, und verstand es, sich auf ihren Reisen durch Europa positiv darzustellen. Nur für eine weitere Ausstrahlung war ihr Leben zu kurz, ihr Opus allzu knapp. Gewiss verbirgt sich dahinter eine Ausnahmeerscheinung, die erst in jüngster Zeit ein verdientes Comeback erfährt. Vor allem ihre späteren instrumentalen und vokalen Werke, komponiert in einer „Trance der Besessenheit“, lassen zunehmend ein eigenes Profil erkennen. Dass sie in der Tonwelt zwischen Schumann und Grieg, Wagner und Brahms  aufgewachsen ist, spürt man in der noch bescheiden wirkenden, Empfindsamkeit ausstrahlenden Canzonetta der 14-Jährigen, aber dann umso mehr  in der nach klassischen Formen gestrickten, hochromantisch aufbrausenden Violin-Sonata op. 25 von 1909, zwei Jahre danach in Dresden uraufgeführt und bei H. Bock verlegt.
Eckart Rohlfs

B. Ostermeier/G. Voit: Klezmer für Klarinette und Klavier. Bärenreiter BA 10 616

Eine bunte Sammlung mit 8 Stücken, Tonumfang bis e3, Klarinettenstimme technisch gut ausführbar, Schwierigkeitsgrad Unterstufe 2/Mittelstufe, der Klavierpart ebenfalls von Schülern gut ausführbar. Die Kreativität der Ausführenden ist gefordert, da es viele Varianten zum Beispiel in Dynamik, Artikulation und Agogik auszuschöpfen gilt. Dieser Band reiht sich sinnvoll in das bestehende Angebot ein. Für die Ausbildung sowie „Jugend musiziert“ empfohlen. [Frank Klüger]

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