Noten-Tipp 2016/02

Gustav Mahler: Klavierquartett a-Moll


(nmz) -
Von Gustav Mahler ist nur ein einziges Kammermusikwerk von 11 Minuten erhalten, geschrieben von dem 16-Jährigen während seiner Wiener Studienjahre. Peter Ruzicka hat die autographe Partitur 1973 in einer New Yorker Bibliothek aufgespürt und sogleich für einen Erstdruck (Sikorski 800) gesorgt.
Ein Artikel von Eckart Rohlfs

Seine anderen Kammermusiken wurden vom Komponisten leichtfertig vernichtet. Oder sind verloren gegangen. Doch „das Beste davon war ein Klavierquartett“, gestand er. Vielleicht war es genau dieses um 1876 entstandene Klavierquartett, das sich binnen Kurzem einen hervorragenden Repertoireplatz erobert hat. Aufgewachsen ist er in der spätromantischen Klangwelt eines Schubert, Schuman und Brahms. Konnte ihn während seiner Ausbildung etwas anderes stilistisch und formell mehr prägen? Dieser Kopfsatz eines vielleicht geplanten Quartetts ist von großer Leidenschaft, spannungsvoll, höchst dramatisch und farbenreich. Das Klavier hat über lange Strecken mit hämmernden Triolen nur eine Begleitfunktion, ehe es anspruchsvoll seine Führung durchsetzt, nimmt sich schließlich wieder zurück, gönnt der Geige mit drei Takten eine expressive Kadenz, um dann das Stück ersterbend ausklingen zu lassen. Ob man das hier  mitveröffentlichte Fragment, Skizzen eines Scherzos in a-Moll, tatsächlich in ursächlichem Zusammenhang mit dem Klavierquartett sehen kann, ist strittig, hat jedoch einige Musiker zum Versuch  angeregt, durch mutmaßliches Nachkomponieren das einsätzig gebliebene Klavierquartett für den Konzertsaal aufzuwerten. Alle diese Überlegungen kommentiert und diskutiert Christoph Flamm ausführlich in seinem Vorwort; Interpreten wird darüber hinaus angeraten, die ausführlichen Herausgeber-Bemerkungen zu fast jedem Takt zu konsultieren.

Gustav Mahler: Klavierquartett a-Moll. Herausgegeben von Christoph Flamm, Fingersatz der Klavierstimme von Klaus Schilde. Urtext Henle HN 1228 (2015), ISMN 979-0-2018-1228-1

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