Noten-Tipps 2012/10

Von Eckart Rohlfs, Julian Schunter und Dietrich Schmidt


(nmz) -
Christmas Music. Volume III for Two Violins, Viola and Cello +++ Ludwig van Beethoven: Sextett Es-dur Opus 71, Marsch WoO 29 für zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte +++ Klaus Uwe Ludwig (*1943): Engel und Hirten, 21 Choralvorspiele zu volkstümlichen Weihnachtsliedern für Orgel +++ Nino Rota: Elegia für Oboe und Klavier +++ Camille Saint Saëns: Oboensonate +++ Martin Keller: Trio-Juwelen, für zwei Violinen und Klavier
Ein Artikel von Dietrich Schmidt, Eckart Rohlfs, Julian Schunter

Christmas Music. Volume III for Two Violins, Viola and Cello. Herausgegeben von Graham Bastable. Partitur und Stimmen, IMC 3668.

Den Bänden I und II ließ die International Music Company New York jetzt  noch diesen dritten Band folgen, der weitere neun Arrangements weihnachtlicher Musik für Streichquartettbesetzung, leicht bis herausfordernd, enthält, Bearbeitungen originaler Chormusik von Hassler, Praetorius, Vivaldi bis Tchaikovsky und Lvovsky (1830-1894), zwei Übertragungen aus wenig bekannten Oratorien von Saint-Saëns und Berlioz und schließlich, durch sein Klanggewebe im Zusammenspiel besonders anspruchsvoll, der Versuch einer Quartettfassung von „Auf eine Christblume“ (Möricke), eines der tiefsinnigsten Lieder von Hugo Wolf.

Ludwig van Beethoven: Sextett Es-dur Opus 71, Marsch WoO 29 für zwei Klarinetten, zwei Hörner und zwei Fagotte. Herausgegeben von Egon Voss. Partitur und Stimmen, Urtext, Henle HN 992, ISMN 979-0-2018-0992-2

Dieses 1810 erstmals gedruckt erschienene, wohl um 1796 geschriebene „schöne Beethovensche Sextett aus Es“ hat gleichwohl bei der mutmaßlichen Erstaufführung in der „Allgemeinen musikalischen Zeitung“ vom 15. Mai 1805 lobende Würdigung erfahren, der nichts hinzuzufügen ist: „eine Komposition, die durch schöne Melodien, einen ungezwungenen Harmoniefluss und einen Reichthum neuer und überraschender Ideen glänzt“. Im Zusammenspiel leben diese vier frischen Sätze, serenadenhaft angelegt, von reichen klangfarblichen Mischungen, Fagott und Klarinetten glänzen durch melodische Aufgaben. Angefügt ist die Bläserfassung eines Klavier-Marsches, vielleicht eine Zugabe, die aber mit dem Sextett keinen ursächlichen Zusammenhang hat. Das klare, einladende Notenbild mit seinen Auszeichnungen versteht sich als Urtext-Fassung; der Begleittext gibt weitergehende Erläuterungen.

Klaus Uwe Ludwig (*1943):  Engel und Hirten, 21 Choralvorspiele zu volkstümlichen Weihnachtsliedern für Orgel, Ed. Breitkopf 8837 (2012), ISMN 979-0-004-184011

Kein süßliches Pastorale, sondern eine interessante, ausgesprochen expressive Komposition eigenen Charakters des zuletzt in Wiesbaden wirkenden Organisten, der offensichtlich die französische Orgel-Spätromantik liebt und kräftig in die Tasten greift. Mit den klanglichen Möglichkeiten und farbigen Reizen, die (nur) das Orgelinstrument liefert, umspielt er Melodien und fängt die Stimmung wohlbekannter weihnachtlicher Volkslieder improvisationsartig ein. Er verbindet recht eigenwillig zum Teil ungewohnt mutige Klangmischungen mit originellen rhythmischen Motiven ohne Scheu vor harten Reibungen und Lösungen. Meditationsartig klingt vertrautes Liedgut an: das Klöpfelspiel, wie die Hirten kommen, Nachtigallen aufwachen oder wie himmlisches Rauschen die Stille Nacht verkündigt, und wie das Wiegen auch im 5/8-Takt Ruhe ausstrahlt. Für diese 21 Lieder sucht Ludwig in seinen jeweils nur 20 bis 40 Takte umfassenden Präludien durch seine differenzierten kompositorischen Techniken die jeweils passende Stimmung, von fröhlich bis zärtlich, energisch bis besinnlich. Das Schriftbild des Heftes, Tempo- und Registrierungshilfen inklusive, zur Hälfte manualiter, möglichst auf zwei Manualen zu spielen, lässt die Realisierung zunächst leichter erscheinen, als sie den Orgelspieler wirklich fordert. Dann aber wird er sich diese gerne zu eigen machen.

Eckart Rohlfs 


Nino Rota: Elegia für Oboe und Klavier, Alphonse Leduc, A.L. 21 646.

Der italienische Komponist Nino Rota lebte von 1911 bis 1979 und hat unter anderem viel Filmmusik geschrieben. Dieses schöne, melodische Stück ist für beide Spieler einfach und für die Musikschule sehr geeignet.

Camille Saint Saëns: Oboensonate Op. 166, Urtext, G. Henle Verlag, Nr. 964

Sehr schöne Ausgabe dieser herrlichen Sonate für fortgeschrittene Spieler. Das Vorwort von Peter Jost ist sehr informativ.

Dietrich Schmidt


Martin Keller: Trio-Juwelen, für zwei Violinen und Klavier, Musikverlag Martin Keller, MVK 171708, Bamberg 2012

Der Bamberger Musikverlag Martin Keller hat sich ganz der Weltmusik verschrieben. Seit nunmehr einem halben Jahrzehnt veröffentlicht er traditionelle Melodien und Tänze aus den verschiedensten Gegenden der Welt, arrangiert für unterschiedliche Duo- und Triobesetzungen mit Streichinstrumenten, Klavier, Querflöte, Klarinette, Gitarre und Akkordeon. Das aktuelle Heft des Musikverlags trägt den Titel „Trio-Juwelen“ und birgt gleich zwei runde Zahlen: Es ist der zehnte Notenband des Verlags und erscheint zu dessen fünfjährigem Jubiläum. Für diesen Jubiläumsband hat Martin Keller ganz im Sinne der Verlagsphilosophie traditionelle Stücke aus Spanien, Korsika, Russland/Ukraine, Griechenland und Anatolien für zwei Violinen und Klavier arrangiert und mit „Tango angélico para Angélica“ obendrein eine (argentinisch inspirierte) Eigenkomposition beigesteuert. Seine Liebe und Begeisterung für diese Musik und ihre Stimmungen sind dabei deutlich zu spüren, und das macht Lust, sich auch selbst den verschiedenen, hier vorgestellten Kulturen musikalisch zu nähern. Die beiden Violinstimmen liegen dem Klavierband als Einlegebände bei und sind so gesetzt, dass die Stücke auch ohne Klavier als Violin-Duette funktionieren. Viel Spaß beim Entdecken!

Julian Schunter

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