Noten-Tipps 2017/09

Mozart: Streichquartette Band IV [Urtext]


(nmz) -
Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquartette Band IV: Hoffmeister Quartett D-Dur KV 499, Preußische Quartette D-Dur KV 575, B-Dur KV 589, F-Dur KV 590, hrsg. v. Wolf-Dieter Seiffert. Stimmen, Henle HN 1123 (2016), ISMN 979-0-2018-1123-9
Ein Artikel von Eckart Rohlfs

Der Cello spielende König Friedrich Wilhelm II von Preußen hat Mozart  keinen Wunsch erfüllt, ihm keinen Auftrag gegeben, doch fühlte sich Wolfgang Amadeus beim König in besonderer Gnade zu stehen. Das inspirierte, für diesen Monarchen Quartette zu komponieren und sie ihm zu dedizieren. „Habe ich mich zu sehr vom Gelde entblößt, so dass ich augenblicklich Geld vonnöthen habe“, schreibt er in dieser Zeit an einen Gönner. Eigentlich sollte es wieder ein Zyklus von sechs Quartetten werden, doch die Kraft reichte ihm in den Jahren 1789/90 nur für diese drei Kompositionen; denn zeitgleich beschäftigte ihn auch „Così fan tutte“. Mozart wurde enttäuscht, der König hat nicht reagiert. Als „Preußische Quartette“ gingen die drei Quartette mit ihren durchweg virtuos und konzertant geführten Quartettstimmen bald nach Mozarts Tod beim Verlag Artaria Ende 1791 in Druck. Das Streichquartett D-Dur KV 499 dagegen, 1786, zeitnah zu „Le Nozze di Figaro“ entstanden, hat der Verleger Hoffmeister als Einzelstück bzw. als provisorischen Vorab-Druck „gegen ein Spottgeld“ veröffentlicht.

Die in dieser neuen Henle-Urtextausgabe zusammengefassten vier Quartette aus Mozarts letzter Lebensphase gehören zum Standard-Repertoire unserer Streichquartette. Dafür sind viele Ausgaben unterwegs. Henle liefert nicht nur die neueste, sondern auch die nach jüngsten Erkenntnissen wissenschaftlich abgesicherte Edition. Sie kommt mit ihrem besonders klar und licht angeordneten, lesefreundlichen Stimmenmaterial dem Praktiker entgegen: Er erhält eine Notenausgabe, die zur Beschäftigung mit diesen Werken animiert. Im sorgsam erstellten Vorwort und im Editionsbericht des Herausgebers werden Werkgeschichte, Quellenlage, die frühen Drucke et cetera dezidiert kommentiert. Mit dem Konzept dieser Edition würdigen Verlag und Herausgeber zugleich des Komponisten „mühsame Arbeit“ und geben für die sachgemäße Interpretation denkbar günstige Voraussetzungen.

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