Personalia


(nmz) -

Die neue musikzeitung hat ihre interaktiven Tätigkeiten ausgeweitet. Mit dem Kulturinformationszentrum stellen wir die engagierte Diskussion in das Zentrum der Aktivitäten im Netz. An dieser Stelle können Fragen gestellt, Informationen verbreitet und die Arbeiten anderer kultureller Initiativen zur Darstellung gebracht werden.

Siemens-Musikpreis 2003
Für den Komponisten Wolfgang Rihm

Der Komponist Wolfgang Rihm erhält in diesem Jahr den Ernst von Siemens Musikpreis 2003. Die Bayerische Akademie der Schönen Künste wird ihm die Auszeichnung am 22. Mai 2003 bei einem Festakt im Münchner Cuvilliéstheater überreichen. Die Laudatio hält der Musikwissenschaftler Reinhold Brinkmann, der 2001 den Siemens-Musikpreis erhielt. In der Begründung der Jury heißt es unter anderem: Wolfgang Rihm ist einer der fruchtbarsten und vielseitigsten Komponisten der Gegenwart. Mit unerschöpflicher Phantasie, vitaler Schaffenslust und scharfer Selbstreflexion hat er ein an Facetten reiches Œuvre geschaffen, das schon heute über vierhundert Kompositionen aus allen musikalischen Gattungen umfasst. In Rihms Musik manifestiert sich der Glaube an die unzerstörbare Existenz des schöpferischen Individuums, das seine Kraft und Würde gegen alle äußeren Gefährdungen zu behaupten vermag.
Die Musikpreis-Stiftung vergibt auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Förderpreise in Höhe von insgesamt 1.150.000 Euro. Drei Komponisten-Preise gehen an die in Amerika lebende Israelin Chaya Czernowin sowie an die beiden Deutschen Christian Jost (Berlin) und Jörg Widmann (Freiburg). Neben anderen Institutionen, Orchestern, Editionen, Festivals oder Stiftungen erhalten die Donaueschinger Musiktage in diesem Jahr einen Zuschuss von 100.000 Euro. Weitere Förderungen für 2005 und 2006 sind in Aussicht gestellt.

Wieder einmal: Ab nach Kassel?
Das Hessische Staatstheater in Kassel sucht nach einem neuen Intendanten von der Spielzeit 2004/2005 an. Aus der üblichen Vielzahl der Bewerbungen haben sich, wie zu hören ist, zwei potentielle Kandidaten herausgeschält: Klaus Pierwoß, derzeit Generalintendant in Bremen, und Peter Sauerbaum aus Berlin. Pierwoß ist als Theaterleiter das, was man einen „alten Hasen“ nennt. In Bremen hat er sehr gute Arbeit geleistet, was die Hansestadt traditionsgemäß mit wachsender Knauserigkeit bei den Subventionen honoriert – Theaterpolitik in Bremen war schon für Kurt Hübner ein Kreuz. Peter Sauerbaums „Karriere“ wirkt daneben wie ein Fleckerlteppich: kommissarischer Leiter des Berliner Ensembles, Geschäftsführer bei der Rundfunk-Orchester und Chöre GmbH, Geschäftsführer des Jüdischen Museums Berlin, Controller am Deutschen Theater, im Augenblick noch in Verwaltungsfunktion an der Deutschen Oper und so fort: Er hatte sich auch als Intendant für das Theater des Westens beworben und auch das ruinierte Metropoltheater war einmal im Blickfeld.
Wenn das Kasseler Theater sich auf seine bessere Vergangenheit besinnen möchte, auf die Zeiten, als Dohnanyi, Ulrich Melchinger, Ulrich Brecht als Intendant für überregionales Aufsehen sorgten, dann wäre ein Intendant Sauerbaum für Kassel vermutlich ein erhebliches Risiko. Pierwoß bedeutete sicher die verlässlichere Lösung, die dem Kasseler Theater die notwendige künstlerische Neubestimmung vorgeben könnte. Ganz so unwichtig wäre eine künstlerische Revitalisierung des Kasseler Theaters für die deutsche Theaterlandschaft nicht. Mit einem flotten Entscheid à la „Ab nach Kassel“ wäre niemandem gedient. G.R.

Protagonist in Sachen Europa
Aus gesundheitlichen Gründen ist Rolf Pasdzierny (geboren 1944) zu Beginn dieses Jahres von seinem Amt als Generalsekretär des Arbeitskreises Musik in der Jugend (AMJ) zurückgetreten. Seit 1991 war er in diesem Amt tätig und er hat in diesen zwölf Jahren maßgeblich die Konturen des AMJ neu bestimmt. Pasdzierny ist einer der großen Initiatoren auf musikalischem Sektor, die ihr Amt als Verantwortung, nicht als bloße Verwaltung eines Ressorts verstehen. Musik wurde von ihm als eingebunden in ein sich fortwährend wandelndes soziales Umfeld verstanden. So nennt er, der seit 1991 ebenfalls als ehrenamtlicher Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände (ADC) wirkt, drei Bereiche, denen er seine Arbeit in ganz besonderem Maße widmete, die gewissermaßen zur Herzensangelegenheit wurden. So hat er angesichts der Tatsache, dass zwischen Chormusik und zeitgenössischem Komponieren eine immer größere Kluft entstand, das AMJ-Projekt „Komponisten schreiben für Kinder- und Jugendchöre“ ins Leben gerufen und die bislang erzielten Ergebnisse, die zweifelsohne noch auszubauen sind, machten Mut, öffneten das Denken hin auf neue Perspektiven und bauten Berührungsängste auf beiden Seiten ab. Begegnung, dieser Begriff stand und steht immer im Zentrum von Pasdziernys Aktivitäten. So wurde er zu einem der großen Protagonisten in Sachen europaweiten kulturellen Austauschs. Bei Reisen von Jugendchören, etwa nach Israel oder in den Osten Europas, stellte er nicht nur das musikalische Tun in den Mittelpunkt, sondern bemühte sich um Verständnis für gesellschaftspolitische Strukturen, um Austausch von Gemeinsamkeiten und Differenzen. „Eurotreffs“ führten Jugendliche aus ganz Europa zusammen und für die Unerschrockenheit dabei und für das Setzen von neuen Akzenten wurde Pasdzierny 2000 mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. Als dritten Schwerpunkt schließlich nennt Pasdzierny das Zusammenführen der Chorszenen von Ost- und Westdeutschland, wo nach der Wiedervereinigung große Ressentiments auf beiden Seiten herrschten. rs

Goritzki geht – kommt Contratto?
Wenn im Sommer des nächsten Jahres die aktuelle Spielzeit der Deutschen Kammerakademie Neuss am Rhein zu Ende geht, endet auch die Ära des bisherigen Chefdirigenten Johannes Goritzki, der das Ensemble vor einem Vierteljahrhundert gegründet hat. Matthias Gawriloff wird als Intendant der Deutschen Kammerakademie für das kommende Jahr sieben Künstler einladen, die sich die musikalischen Aufgaben teilen werden. In der Saison 2003/2004 wird sich das Orchester dann eine/n neue/n Chefdirigentin/en erwählen. Den Reigen eröffnete die Schweizerin Graziella Contratto mit dem traditionellen Neujahrskonzert in der Neusser Stadthalle.

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