Popklassiker und irische Folksongs

Zwei neue Songbücher für Gitarre bringen frischen Wind ins Repertoire


(nmz) -

Peter Bursch’s Songbuch für Gitarre (mit CD), Voggenreiter Verlag 2002, ISBN 3-8024-0366-5

Ein Artikel von Stephan Schmidt

Das neueste Songbuch von Peter Bursch enthält 29 Rock- und Popsongs, die überwiegend aus dem „goldenen Zeitalter“ der sechziger und siebziger Jahre stammen. Popklassiker wie „Hotel California“, „Proud Mary“ oder „Imagine“ werden auch heute noch sehr gern gesungen, sei es in der Ski-Hütte, beim Grillfest, am Lagerfeuer oder bei anderen geselligen Anlässen. Dies zeigt auch ein Blick in die neuen, erfolgreichen Liederbücher wie „Das Ding“ (400 Popsongs, Edition Dux) oder „Querbeet“ (Ketteler Verlag). Während in diesen modernen Liedersammlungen im Gegensatz zu früher die Griffe bereits über allen Textstrophen stehen, geht Peter Bursch in seinem „Songbuch für Gitarre“ (ohne Noten) noch einige Schritte weiter. Zu den ausgewählten Songs wird nahezu alles geboten, was man als Gitarrenspieler wissen und können möchte.

Die Anschlagstechniken und Begleitmuster für die rechte Hand sind so ausführlich und genau beschrieben, dass man mit etwas Übung schon bald die Zuhörer auf einer Party mit dem Originalsound beeindrucken kann. Bei einem folkloristischen und getragenen Titel wie „Mull of Kintyre“ geht das natürlich leichter als bei „While my guitar gently weeps“ oder „Lola“. Bei einigen Songs wie „Get back“ und „Leben, so wie ich es mag“ gibt es zwei Begleitvarianten zur Auswahl: zunächst ein einfaches Schlagmuster, das man Takt für Takt wiederholt, und dann eine differenzierte Begleitung in der Rock ’n’ Roll Technik, wobei jeweils zwei benachbarte Saiten im Achtelpuls angeschlagen werden. Für den Chuck Berry Hit „Johnny B. Goode“ ist eine Rock ’n’ Roll Begleitung dann natürlich unverzichtbar. Bei romantischen Balladen wie „Words“ und „Leaving on a Jet Plane“ werden die dazugehörigen Zupfmuster in übersichtlicher Tabulaturschreibweise vorgestellt und durch einen begleitenden Text erläutert. Auch Einleitungen, Übergänge, Bassläufe und sonstige Effekte lassen sich anhand der entsprechenden Tabulatoren originalgetreu nachspielen.

Eine weitere, große Hilfe beim Üben ist die beiliegende CD, deren Wert man nicht hoch genug einschätzen kann. Mit einer wahren Engelsgeduld singt und spielt Peter Bursch alles so extrem langsam vor, dass jeder sofort mitmachen kann. Mit dieser benutzerfreundlichen CD ist der Herausgeber sozusagen als Privatlehrer rund um die Uhr im Wohnzimmer der Lernenden verfügbar. Gesang und Begleitung lassen sich mit dem Stereo-Balance-Regler wahlweise ausblenden, so dass man den jeweiligen Part selbst übernehmen kann. Ideal ist es, wenn das CD-Gerät auch eine Repeat-Funktion hat. Die Tonarten hat der Herausgeber, falls es nötig war, so verändert, dass die Melodien auch für Normalmenschen gut singbar oder im Zweifel eher zu tief sind.

Patrick Steinbach: Irish Songs forever – For Guitar (mit CD), AMA Verlag 2002, ISBN 3-89922-001-3

Lieder aus Irland sind hierzulande durch Gruppen wie „The Dubliners“, durch Folk-Festivals und durch die zahlreichen irischen Pubs in deutschen Städten populär geworden. Das beliebte Trinklied „Wild Rover“ beispielsweise kam 1982 in einer deutschen Version („An der Nordseeküste“) sogar in die Hit-Paraden. Dass die moderne Pop-Musik generell gern aus den Quellen der traditionellen Volksmusik schöpft, zeigen Hits wie „Scarborough Fair“ und „Mull of Kentyre“. Schon allein deswegen ist es wichtig, die ethnischen Traditionen auch einmal unverstellt kennen zu lernen. Steinbach bringt als Sohn einer irischen Mutter (und eines deutschen Jazzmusikers) wohl die besten Voraussetzungen mit, uns die Lieder seines „Mutterlandes“ authentisch zu vermitteln. Im Vorwort verweist er darauf, dass irische Musik nicht zu trennen ist von irischer Geschichte: Hungersnot, Auswanderung, Rebellion, Krieg und die unstillbare Sehnsucht nach Freiheit gehören ebenso zur Themenpalette wie die beliebten Trink- und Liebeslieder.

Gleich zu Anfang begegnet uns mit „Whisky in the Jar“ eines der bekanntesten irischen Trinklieder, das aber auch der Kategorie „Roving Song“ zugeordnet werden kann, weil darin ein räuberischer Vagabund im Mittelpunkt steht. Interessante Hintergrundinformationen dieser Art gibt es zu jedem der 14 ausgewählten Lieder und zwar in deutscher und englischer Sprache. Ebenfalls zweisprachig sind die Erläuterungen zum Gitarrenspiel. Der Einführungsteil bietet einen allgemeinen Überblick über die wichtigsten Schlagmuster für die Akkordbegleitung. Passende Zupfmuster werden dann (in Noten und Tabulatur) direkt beim betreffenden Lied vorgestellt. Unter den Noten der Liedmelodie (mit Akkordsymbolen) ist wie üblich die erste Strophe abgedruckt, die weiteren Strophen folgen dann als Textblöcke – leider ohne Akkordsymbole.

Hier hilft allerdings die beiliegende CD weiter, auf der alle Songs jeweils von der ersten bis zur letzten Strophe vorgesungen werden. Die recht abwechslungsreichen Arrangements verbreiten mit ihrem sehr flotten Tempo eine lockere Pub-Atmosphäre. Auf mehreren Instrumenten hat der Herausgeber die Begleitung im Studio selbst eingespielt und damit seine musikalische Vielseitigkeit auch vielsaitig unter Beweis gestellt: Nylon- und Steelstring-Gitarre, Banjo und Mandoline. Während man sich also die Melodien der Lieder anhand der CD ganz gut aneignen kann, sind die im Buch vorgeschlagenen Begleitmuster zwischen Banjo, Mandoline und Schellenring nicht herauszuhören. Unberücksichtigt blieb auf der CD auch noch etwas: Die Bearbeitungen der 14 Songs für Solo-Gitarre, die im Buch erfreulicherweise in paralleler Notation (Noten/TAB) gut lesbar präsentiert werden. Alles in allem bringt dieses Gitarrenbuch etwas frischen Wind von der grünen Insel ins heimische Gitarrenrepertoire und informiert sehr lebendig über die Geschichte eines Landes, in dem immerhin ein Musikinstrument zum Nationalsymbol geworden ist.

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