Rückblende 2018/06

Vor 100 und vor 50 Jahren: Opernregie und fünf Jahr „Jugend musiziert“


(nmz) -
Vor 100 Jahren: „Neue Wege der Opernregie“ +++ Vor 50 Jahren: „Aufwand – Ertrag und Wirkung“ Siegfried Borris zieht Bilanz zu fünf Jahren „Jugend musiziert“
Ein Artikel von nmz-red

Vor 100 Jahren

„Neue Wege der Opernregie“: (…) Und wo nur das Theater ernsthaft das Wahre, und nicht das Wirkliche sucht, da ist ein Mittelpunkt gegeben, von dem alles Aeußerliche, Kitschige,Unerträglich-Sentimentale und alles alte Gerümpel zusammenfällt, da ist eine neue Mission entdeckt, der der Kampf mit der widerspenstigen Wirklichkeit auf der Bühne drinnen und im Leben draußen als vornehmste Aufgabe zufällt. Von den ungeahnten verschiedensten Ausstrahlungen, die von dieser neuen Erkenntnis ausgehen (…), von dem geistlichen Ernst dieser einer jungen Generation heiligen Aufgabe wird nun auch jede Einzelheit des Betriebes, jede Kleinigkeit erfaßt. Man kommt sogar für die Gliederung des Bühnenraumes, für die Gestaltung des Bühnenbildes, zu Lösungen, die nach der neuen Richtung zielen; ja aus der Nutzanwendung der neuen Lehre ergeben sich grundsätzlich verschiedene Möglichkeiten. Wenn die Sucht nach wirklicher natürlicher Darstellung auf dem Theater überwunden und als unwesentlich, ja gefährlich abgetan ist, so wahren sich demnach die Bühnenvorgänge eine parallele Realität: das gesprochene Drama hat nun das Prinzipielle des Menschlichen zum Inhalt, das Musikdrama das Symbolische. Und damit erhebt sich die Oper insbesondere, die schon im Dämmerzustand einer versunkenen Romantik zu versinken drohte, auch wieder zu neuer Bedeutung und zu innerer Berechtigung.

Prof. Dr. W. Nagel, Neue Musik-Zeitung, 39. Jg., Nr. 16, 23. Mai 1918

Vor 50 Jahren

„Aufwand – Ertrag und Wirkung“ Siegfried Borris zieht Bilanz zu fünf Jahren „Jugend musiziert“: Der Streit um die Frage, ob das Prinzip des Wettbewerbs, das sich seit jeher im Sport bewährt hat, sich auch auf künstlerische Bereiche übertragen läßt, ohne daß diese in ihrem Wesen und ihrer Würde Schaden litten, ist längst abgeklungen. Die bisherigen vier Wettbewerbe brachten den eindeutigen Beweis, daß Kinder und Jugendliche diesem Aufruf von „Jugend musiziert“ mit spontaner Begeisterung und mit rückhaltlosem Ernst zur Sache gefolgt sind. (…) Trotzdem wäre es verfehlt, daraus den Schluß zu ziehen, daß das Unternehmen mit seiner gut funktionierenden Institutionalisierung eine risikolose Zukunft besitze. (…)

Um hierbei nicht ins Uferlose zu geraten, sollen vier Aspekte hervorgehoben werden, die fast überall entscheidende Motive für das Gefühl der Ungeklärtheit und der Fragwürdigkeit bilden:

1. die Funktion von Ehrgeiz und Prestige, 2. die Gültigkeit der angewendeten Maßstäbe, 3. die Bedeutung der gewünschten Literatur, 4. die Relation zwischen Aufwand und Ertrag. (…)

Schwerwiegender noch als dies ist der an sich ganz berechtigte Vorstoß, den die Verbände der sogenannten „Volksinstrumente“, Akkordeon, Gitarre, Mandoline, Zither usw. unternommen haben, ebenfalls an den Wettbewerben teilzunehmen. (…)

Keine der beiden heute noch getrennten Gruppen von „Jugend musiziert“ wünscht eine Lösung dieses Problems im Sinne eines gestaffelten Wettbewerbs erster und zweiter Klasse. Aber eine Verschmelzung zu einem einheitlichen Wettbewerb ergäbe ein Mammutprogramm, das für die heutigen Trägerverbände des Wettbewerbs ein Debakel herbeiführen würde.

Musikalische Jugend, XVII. Jg., Nr. 2, Juni/Juli 1968

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