„Singen mit Kindern“ – viel Gutes in Bewegung

Die Landesmusikakademie Berlin beschreitet mit Partnern neue Wege


(nmz) -
Im Bereich „Singen mit Kindern“ hat sich innerhalb der letzten fünf Jahre in Deutschland viel bewegt und entwickelt. Eine reiche Angebotskultur ist entstanden, die sowohl Multiplikatoren in Kita, Schule und Chören, als auch Kinder über Musikprojekte direkt anspricht. Ob Fort- und Weiterbildungsstätten, Verbände, Vereine oder Kulturinstitutionen wie Oper und Orchester: Es existiert ein vielseitiges Programm, das mit dem Profil des Anbieters und der jeweiligen lokalen Bedarfslage verknüpft ist.
Ein Artikel von Nathalie Schock

Doch trotz dieser überbordenden Vielfalt und steigenden Qualität existieren im Fortbildungsbereich „Singen mit Kindern“ Angebotslücken. Denn, wenn wir die Fortbildungs-Angebote genauer betrachten, fällt auf, dass vorrangig Anfänger- oder Grundlagenangebote existieren. Der Weiterbildungszeitraum ist  mit circa drei Tagen kurz für pädagogische Aneignungsprozesse bemessen.  Die Inhalte sind auf ein spezifisches Thema fokussiert. Dies ist auch notwendig und sinnvoll. Doch besonders  bei komplexeren Unterrichtssituationen, wie dem Leiten eines Kinderchores, fehlen dann die vielschichtigen  methodischen und inhaltlichen Verschränkungen in Theorie und Praxis. In Berufsbegleitenden Lehrgängen  werden methodisch-didaktische Inhalte zwar komplex aufgegriffen, doch  die Inhalte werden meist in einer „künstlichen Lehr-Situation“, ohne Kinder, gelehrt und ausprobiert. Nur über  Reflektionen in Folgephasen Berufsbegleitender Lehrgänge finden Verschränkungen zwischen neuem Kurswissen und Praxis statt. Die wenigen längerfristig angelegten Angebote, in denen die Kursteilnehmenden auch in „Echtsitua-tionen“ unterstützt werden, sei es über Tandem-Unterricht oder die Beobachtung vor Ort, sind rar und der zeitliche Rahmen dafür sehr kurz. Nicht als Alternative, denn die bestehenden Weiterbildungen sind mit ihrem Fokus und ihren Settings sinnvoll und wichtig, sondern als Ergänzung zu bestehenden Weiterbildungen hat die Landesmusikakademie Berlin in Kooperation mit dem Landesmusikrat Berlin und dem Rundfunkchor Berlin ein neues Weiterbildungsangebot entwickelt. Anliegen ist es, ein  Jahres-Angebot ins Leben zu rufen, das die Komplexität der Kinderchorleitung in „Echtsituation“ aufgreift, eine nachhaltige Kompetenzentwicklung bei den Teilnehmenden, das System Grundschule und die Heterogenität der Kursteilnehmenden berücksichtigt und zusammenführt. Herausgekommen ist die Weiterbildung „Kinderchor-Coaching – Praxis, Feedback und Reflexion“ (Konzeption: Nathalie Schock). Sie richtet sich an alle, die im Beruf stehen und ihre Fertigkeiten weiterentwickeln möchten, ebenso aber an Quereinsteiger mit musikalischer Vorerfahrung, die ihr Berufsfeld erweitern möchten – wie Sänger/-innen, Gesangslehrkräfte oder Leiter/-innen von Erwachsenenchören. An einer Brennpunktschule in Berlin-Kreuzberg wurde dazu ein Kinderchor gegründet, der sowohl ein  willkommenes Angebot für die Schule als auch aufregendes Praxisfeld für die Teilnehmenden darstellt. Nach einer für alle Kursteilnehmenden verbindlichen Einführungsveranstaltung starteten die Chorproben innerhalb des Schulalltags wöchentlich um 13:30 Uhr als AG-Angebot. Heike Linke (fachliche Leitung) führt als Chorleiterin die Chorproben mit den Kindern durch und ist gleichzeitig Dozentin für die Kursteilnehmenden. Sie ist die Bezugsperson und das Bindeglied für Kinder und Teilnehmende.

Die Proben sind als offenes Angebot für die Teilnehmenden konzipiert. Sie erscheinen entsprechend ihrer Interessenlage und zeitlichen Kapazität. Als Kommunikationsforum dient ein Onlinetool, worin alle Themen oder Teilnahmen eingespeist  werden. Zu jeder „Kurseinheit Chorstunde“ gehören jeweils 15–30 Minuten Vor- und Nachbereitungszeit. Ob Kinderstimme, Dirigat, Methodik, Literatur oder Kommunikation: Nach Absprache leiten einzelne Teilnehmende zu bestimmten Themen Chor-abschnitte selbst an. Die anderen beobachten die Probe und bringen sich in der anschließenden Analyse- und Reflexionsphase mit Fragen und Überlegungen ein. So lernen die Teilnehmenden kontinuierlich von- und miteinander und können an den Entdeckungen, Schwierigkeiten und Lösungen aller teilhaben. Im April 2014 findet zum Abschluss des Lehrgangs ein Konzert statt, bei dem ein Zertifikat vergeben wird. Eine umfassende Auswertung, die die Konzeption sowie Erfolge und Nöte in der Umsetzung unter die Lupe nimmt und Konsequenzen benennt, wird in eine Handreichung münden. Der schönste Ausblick vorab: Die Schule ist vom Chorsingen so begeistert, dass sie den Chor mit eigenen Mitteln weiterführen wird.

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