Soundtracks 2011/11


(nmz) -
A Dangerous Method, Sony Classical +++ The Thing, Varese/Colosseum
Ein Artikel von Viktor Rotthaler

A Dangerous Method, Sony Classical

Neues von Howard Shore. Nein, nicht der gefühlte 39. Teil von „Der Herr der Ringe“ soll hier besprochen werden, sondern sein Soundtrack für den neuesten Cronenberg-Film „A Dangerous Method“, der bei uns den merkwürdigen Titel „Eine dunkle Begierde“ bekommen hat. Mit diesem Wien-Film über C.G. Jung & Freud ist Howard Shore zu seinen Wurzeln zurückgekehrt und zu seinem treuesten Fan: David Cronenberg, dem großen kanadischen Horrorfilmregisseur der vergangenen drei Jahrzehnte, der sich inzwischen immer mehr vom Genre entfernt hat. Fast alle Cronenberg-Klassiker wurden seit den späten Siebzigern von Shore orchestriert: „Scanners“, „Videodrome“, „Dead Zone“, „Die Fliege“, „Die Unzertrennlichen“ oder „Naked Luch“ (mit einem großartigen Auftritt von Ornette Coleman). Für „A Dangerous Method“ hat der Meister einen kongenialen, sehr düsteren, „wienerischen“ Kammermusikscore komponiert. Ein Highlight der Kinosaison und des Soundtrack-Jahres.

The Thing, Varese/Colosseum

Schon zum zweiten Mal gibt es im Kino ein Remake des Howard-Hawks-Klassikers „Das Ding aus einer anderen Welt“ aus den frühen Fifties. Schon in den Achtzigern hatte John Carpenter mit Kurt Russell ein modernes Remake davon gedreht und nun hat Matthijs Heijingen erneut das „Ding“ wiederbelebt. Filmmusikalisch gesehen ist das recht spannend, denn für jede Verfilmung hat ein Komponist seiner Zeit den Score geliefert: Dimitri Tiomkin eine sehr klassische „golden age“-Partitur für Hawks, Ennio Morricone orchestrierte die Carpenter-Phantasie im typischen Italo-Sound und Marco Beltrami („Scream“) komponierte für die neueste Version eine sehr düs­tere, „antarktische“ Musik, die sehr sorgfältige orchestriert wurde. Und jeder dieser Scores erzählt etwas über die Zeit – und die musikalische Experimentierfreudigkeit jener Epoche – in der die jeweilige „The Thing“-Version entstanden ist.

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