Soundtracks 2015/09

Die Nibelungen (Pan Classic)


(nmz) -
Ein Stummfilm von 1924, der zum deutschen Filmerbe gehört wie „Metropolis“ oder „Nosferatu“: „Die Nibelungen“. „Dem deutschen Volk zu eigen“, wie es im Vorspann heißt. Richard Wagner und Fritz Lang haben das Bild dieses „nationalen Epos“ im 19. und 20. Jahrhundert geprägt wie keine Zweiten. „Ihr kennt die deutsche Seele nicht, Herr Etzel“, ein Zwischentitel, der sich eingebrannt hat in das nationale Gedächtnis seit der Weimarer Republik und der über 90 Jahre später noch immer so seltsam „aktuell“ klingt.
Ein Artikel von Viktor Rotthaler

Lange hat es gedauert, bis nun endlich auch der großartige Score von Gottfried Huppertz auf CD erschienen ist, mustergültig eingespielt vom hr-Sinfonieorchester unter der Leitung des Filmmusikspezialisten Frank Strobel, der wie kein anderer das Werk des „Metropolis“-Komponisten Huppertz kennt. Geschickt verarbeitet er in seinen „Nibelungen“ Wagner-Motive und verbindet diese mit seinem eigenen Material. Nach Versuchen als Opernkomponist ist Huppertz zum Kino gekommen.

Als Filmkomponist hat er in den Roaring Twenties die Standards gesetzt für das ganze Genre. Korngold, Waxman und später auch der „Star Wars“-Komponist John Williams sind in seine Fußstapfen getreten. Man kann durchaus sagen, dass über Huppertz Richard Wagner ins Spiel gekommen ist, der mit seiner Leitmotivik und seinem Gedanken vom „Gesamtkunstwerk“ die klassische Filmmusik wie kein Zweiter geprägt hat. Bei seiner Beschäftigung mit den Stummfilmpartituren aus den Zwanzigern ist das Frank Strobel besonders aufgefallen: „Ich finde, dass Musik und Film hier nahezu gleichberechtigt sind und sich gegenseitig so durchdringen, dass unterm Strich auch im Erlebnis für den Zuschauer ein gesamtes Kunstwerk, also ein Gesamtkunstwerk, wahrgenommen wird. Und das wäre, so glaube ich, durchaus im Sinne Richard Wagners.“

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