Spiegel-Eier


(nmz) -

Zwei Seiten im „Spiegel“ über, sagen wir mal, Musikwirtschaft: und sofort ein echtes Gipfeltreffen. Auf der Macher-Seite Andreas Mölich-Zebhauser, Intendant und Geschäftsführer des Festspielhauses Baden-Baden. In lumpigen fünf Jahren hat es dieser Tausendsassa des Musik-Managements vermocht, aus der mentalen und baulichen Investitionsruine mitteleuropäischer Konzertsaal-Megalomanie eine offensichtlich rentable Kultur-Veranstaltungsstätte zu zimmern. Auf der anderen Seite Deutschlands begabtester Musikjournalist: Klaus Umbach. Der Zauberkünstler verworteter Klangsprache.

Ein Artikel von thg

Treffsicherster Adjektiv-Fabrikant, wenn es um die Charakterisierung von Maestri, Kompositeuren oder Ann-Sophie Mutter geht. Ein Gigantenmeeting, das uns in Zeiten des Subventions-Abbaus, der Raub-Kopie, der Pisa-Katastrophe und des superstaresken musikalischen Werteverfalles Erhellung verspricht über den künftigen Werdegang der Musen, über ihre Ernährungslage, ihr Schicksal. Was dürfen wir erfahren? Fünf oder sechs Opernhäuser sind so überflüssig wie Gewerkschaften im erfolgreichen Kunstschaffen.

Russische Musiker erweisen sich als die billigsten, schon weil wir ihre Ausbildung nicht bezahlen mussten. Große Namen ziehen nach wie vor ein kapitalkräftiges Publikum, die Übernahme ferner Festival-Konzeptionen verhindert, dass das Rad noch mal erfunden werden muss und private Sponsoren sichern jenes Hohe, das unsere Gesellschaft zu finanzieren sich nicht mehr in der Lage sieht. Das Heil liegt im Walkürenritt über den Schuldenberg. Merkt Euch das, Deutscher Musikrat, Weimarer Nationaltheater, Berliner Opernhäuser und nordrhein-westfälische Musikpädagogen. Vor ein paar Jahren durfte Hans-Günther Bastian mal im „Spie-gel“ schreiben, dass Musik intelligent macht. Das ist vielleicht lange her…

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