Sven Ferchow: Alles ist Pop

Tonträger-Bilanz 2018 – der persönliche Jahresrückblick der nmz-Phonokritiker


(nmz) -
Rap, Emo-Rock, Grunge, Riff-Rock und Radio-Ramsch. Besonders hervorzuheben sind daher folgende Veröffentlichungen im Jahr 2018:
Ein Artikel von Sven Ferchow

Dashboard Confessional, eine amerikanische Rockband, die es nochmal ziemlich göttlich und romantisch versucht. Zuckersüße Refrains, dazu glasig geschwitzte Gitarren. Mit „Crooked Shadows“ melden sich Dashboard Confessional charmant zurück. Und Mastermind Chris Carrabba hat nichts von seiner Poesie eingebüßt. Jeder Song reißt Löcher ins Herz. Deswegen sollte dieses Album auf jeder Playlist des Jahres 2018 einen festen Platz haben. (Fueled By Ramen)

Ähnlich herzzerreißend ist ein weiteres „Lebenszeichen“-Album. Die Stone Temple Pilots (STP) beleben sich mit gleichlautendem Album wieder. Nach dem Tod ihres Sängers Scott Weiland macht der „Neue“, Jeff Gutt, seine Sache wirklich prima. Die STP versuchen gar nicht erst, die alten Zeiten wiederzubeleben. Sie machen Musik im Jahr 2018. Erdig und ehrlich. In manchen Phasen sogar richtig verkommen. Scott Weiland, der verstorbene Sänger, kann natürlich nicht ersetzt werden, aber die STP machen das trotzdem ganz liebenswert. (Rhino)

Unerlässlich im Jahresrückblick: die beiden Alben der amerikanischen Rockband Greta Van Fleet. Mitte des Jahres kam das erste Album „From The Fires“, Ende des Jahres bereits der Nachfolger „Anthem Of The Peaceful Army“. Was diese Teens da aus ihren Hälsen, Gitarren und Verstärkern zaubern, ist schlicht umwerfend. Frische Riffs, die selbst Led Zeppelin wiederauferstehen lassen könnten. Schmutzige Gitarren, die dennoch glasklar durch die Ohren pflügen. Und obendrauf ein Organ, das die Bezeichnungen „Stimme und Gesang“ verdient. Mal leihen sie sich den Blues und jammen extrem lässig, dann wird es düster und charismatisch ohne gleich in den Trübsinn einer Deep-Purple-Nummer zu verfallen. Greta Van Fleet sind die Entdeckung der letzten zehn Jahre. (Republic Records)

Shawn Mendes und sein gleichnamiges Album waren an sich keine Überraschung. Dass der Bursche gut ist, wird auch jenen klar, die „solche profane“ Popmusik eher nicht hören. Doch dieses Album ist sehr genial ausgefallen. Was nicht nur an der richtigen Mischung aus Rock, Soul, Pop und einem ausgeklügelten Songwriting liegt. Shawn Mendes macht Musik zu einer großartigen Nebensache, deren Brillanz erst sichtbar wird, wenn man sie nicht mehr hört. Sicherlich ein hörenswerter Ausreißer in den sonst so Rock dominierten Pop-Neuvorstellungen. (Island)

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