Trio Coriolis

Musikalische Grenzgänge aus drei Jahrzehnten


(nmz) -
Was verbindet einen Interpreten mit einem Stück, das speziell für ihn geschrieben wurde? Dieser Frage geht die Gesprächskonzertreihe „Dedicated to...“ der Tonkünstler München in Kooperation mit Schwere Reiter Musik nach.
Ein Artikel von Anna Katharina Winkler

An diesem Abend gilt die Einladung dem Münchner Trio Coriolis: Seit seiner Gründung 2004 hat sich das Trio um den Cellisten Hanno Simons und den Bratscher Klaus-Peter Werani, beide auch bekannt als Mitglieder des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, der Aufführung Neuer Musik verschrieben. Ein besonderes Anliegen ist den drei Musikern – seit 2017 komplettiert der Geiger Thomas Hofer das Trio – die Förderung zeitgenössischer Komponisten, nicht zuletzt durch Aufträge für ihr Ensemble. Entsprechend groß ist die Auswahl an Stücken, aus der sich das Trio Coriolis an diesem Abend für „Werke aus drei Jahrzehnten“ entschieden hat – drei Kompositionen, die in ihrem Charakter sehr unterschiedlich sind und damit auch das Selbstverständnis des Ensembles unterstreichen: „Wir hoffen, dass wir nicht auf eine Richtung festgelegt sind und Neugier und Offenheit unser Programm auszeichnen“, erläutert Werani. Gleichwohl besteht zwischen den Werken eine Verbindung: Es sind allesamt musikalische Grenzgänge, in denen die Komponisten und mit ihnen auch die Interpreten formelle, instrumentale, rhythmische und philosophische Grenzen ausloten.

In Fredrik Zellers „Der Paganinikomplex“ liegt die Herausforderung vor allem in der komplexen Rhythmik und den technischen Anforderungen an die Interpreten. Diese Aufgabe meistert das Trio auf höchstem Niveau – die Melodien türmen sich zu filigranen Gebilden, wandern zwischen den Instrumenten, fragmentieren sich immer weiter, bis ihre Essenz, der einzelne Ton und schließlich die Stille, übrig bleibt.
Philosophisch wird es in Klaus K. Hüblers „Konzertparaphrase“. Hier können auch die Musiker über den Hintergrund nur spekulieren, doch habe ihnen der Komponist bestätigt, „auf einer heißen Spur“ zu sein: Hübler paraphrasiert in seinem Stück „Musik, die noch nicht da war“. Es ist quasi „eine Erfindung über eine Erfindung, die noch nicht genannt wird“, wie Werani es ausdrückt.

Nicht nur in diesem Moment zeigt sich der besondere Reiz des Veranstaltungsformates. Während im ersten Teil die Entwicklung und das Selbstverständnis der Musiker im Mittelpunkt steht, widmet sich der zweite Gesprächsteil den ausgewählten Werken. Johannes X. Schachtner ist ein kenntnisreicher Moderator, dessen aufmerksame Gesprächsführung neue Perspektiven auf die dargebotenen Werke und interessante Einblicke in das Selbst- und Musikverständnis der Interpreten ermöglicht.

Als „Schmelztiegel des Ensembles“ bezeichnet Cellist Hanno Simons die letzte Komposition des Abends, Nikolaus Brass’ drittes Streichtrio „Zeichen, Zeichnungen – drawings“. Ein virtuoses Stück, dessen Stimmführung an drei Soloinstrumente erinnert, die sich dennoch zu einer Gesamtheit fügen – wie das Trio Coriolis selbst: Jeder Musiker für sich ein herausragender Künstler und doch eine Einheit, die zu einer eindrucksvollen gemeinsamen Interpretation findet.

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