Trommeln auch am Mittagstisch

nmz-Sonderpreisträgerin „Jugend musiziert“ Vanessa Porter


(nmz) -
Bereits im letzten Jahr wurde die Schlagzeugerin Vanessa Porter von der neuen musikzeitung mit einem Sonderpreis innerhalb des Bundeswettbewerbs „Jugend musiziert“ ausgezeichnet. Aufgewachsen im baden-würt­tembergischen Laupheim bewirbt sich die 18-jährige Künstlerin im Moment um Aufnahme an der Musikhochschule Stuttgart im Fach klassisches Schlagzeug und Mallets.
Ein Artikel von Ursula Gaisa

Es war nicht das erste Mal, dass Vanessa Porter einen Preis bei „Jugend musiziert“ erhalten hat. Schon als Zehnjährige nahm sie in der Kategorie Ensemble am Wettbewerb teil. Zusammen mit ihrer Schwes­ter Jessica, die bereits klassisches Schlagzeug in Stuttgart studiert, gewann sie 2009 als bestes Familienensemble auch den Sonderpreis der Sparkasse und den der Bundesapothekerkammer. Vanessas und Jessicas Vater Michael betreibt seit vielen Jahren eine Schlagzeugschule namens „Rhythmpoint“ in Laupheim. So war es nicht verwunderlich, dass beide Mädchen dort ebenfalls Unterricht nahmen. „Bei uns wurde immer getrommelt, manchmal auch am Mittagstisch …“, und sogar die Mutter hat sich jetzt anstecken lassen, zusammen mit ihrer Schwester lernt sie Marimbaphon. Die Marimba, beziehungsweise das Vibraphon ist Vanessas Hauptinstrument, vorher lernte sie mit acht Schlagzeug, als sie zehn Jahre alt war, kam die Pauke und mit vierzehn noch Percussion dazu.

Wie ist es als junge Frau in einer Männerdomäne? „Gerade wenn mal als Aushilfe für ein großes Orchester angefordert wird, dann gucken sie schon mal ein bisschen doof, vor allem wenn man das angebliche Männerinstrument auch noch ganz gut spielen kann“, erzählt Vanessa. Und auch Jungs in der Pubertät hätten manchmal im Unterricht – sie unterrichtet zurzeit fünf Tage die Woche in der Schule ihres Vaters – ein kleines Problem damit, dass ihnen eine junge Frau sagt: „Spiel das mal so …“ Im Großen und Ganzen würden sie aber akzeptiert, vor allem seit sie sich in Laupheim und Umgebung einen Namen gemacht hätten …

Vanessa ist in der Stadtkapelle Laup­heim und in der Kreisjugendkapelle Biberach groß geworden, ist Mitglied des symphonischen Blasorchesters Südwind und des Landesjugend-Percussionensembles Baden-Württemberg. Während ihre Schwester sich aber ganz der Klassik verschrieben hat, mag Vanessa auch andere Stilrichtungen, vor allem den Jazz. Das Mitwirken in der Jazzband ihres Vaters „Beauties Meet The Beats“ sieht sie als Herausforderung: „Da spielen nur echte Profis, da kann ich wirklich etwas dazu lernen, was großen Spaß macht.“ Die Jazz­skalen und die Grundsteine des Improvisierens lernte sie durch den Jazzklavierunterricht, der einer klassischen Musikausbildung am Zweitinstrument folgte. Doch ihre erste Liebe galt und gilt immer dem Schlagzeug.

Vorbild ist für die junge Künstlerin ihre Lehrerin Marta Klimasara, die in Stuttgart klassisches Schlagwerk und Mallets lehrt, „weil sie das Vorurteil, dass jemand, der ein toller Solokünstler ist, kein guter Lehrer sein kann, bricht. Sie deckt beides so gut ab, und jung ist sie noch dazu …“ Unter den bevorzugten Komponisten ist die japanische Komponistin und Marimbavirtuosin Keiko Abe „die absolute Göttin“. Wenn sie zusammen mit ihrer Schwes­ter auftritt, kommen aber auch Stücke ihres Vaters im Programm vor, da können sich beide „richtig austoben“. Im Moment ist das gemeinsame Proben etwas schwierig, das könnte sich in naher Zukunft aber ändern, wenn beide in Stuttgart studieren. Das Schwesternverhältnis war immer gut. „Natürlich kriegt man sich auch mal in die Haare, aber den Megazoff gab’s nie.“

In der Zukunft sieht sie sich vor allem als konzertierende Künstlerin, am meis­ten Spaß machen ihr dabei im Moment die Duoauftritte mit ihrer Schwester, auch wenn es hier viel mehr Absprachen und Gespräche braucht und man solo viel freier interpretieren könne. Das Unterrichten möchte sie auch beibehalten, aber auf ein, zwei Tage reduzieren. Man kann der mutigen jungen Frau nur alles Gute für die Zukunft mit den exotischen Instrumenten wünschen.

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