Üben im Flow oder …

… wie üben Schüler mehr, als sie eigentlich vorhatten?


(nmz) -
Marburg. Jeder, der sich im Musikstudium schon mal die Lust am Musizieren weg geübt hat, weiß, was gemeint ist, wenn der Dozent Andreas Burzik eine bestimmte, andere Übe-Qualität beschreibt: „Üben im Flow fühlt sich nicht an wie Üben!“ Mit „Üben im Flow“ meint er ein spielerisch-lustvolles Herangehen, bei dem Tastgefühl, Gehör und Körpergedächtnis einbezogen werden. Wegen der dabei erlebten Kombination aus spielerischer Leichtigkeit und sinnlichem Entdecken ist das Gehirn höchst lernfähig und konzentriert. Davon konnten sich die Teilnehmer des Workshops, zu dem der DTKV Regionalverband Marburg in die Musikschule Marburg eingeladen hatte, überzeugen.
Ein Artikel von Silke Schepp

Andreas Burzik ist ausgebildeter Musiker und Psychologe. Die Methode des „Übens im Flow“ hat er sich nicht „ausgedacht“, sondern sie ist ihm nach seinem Studium „passiert“, als er beim Üben in einen Zustand geriet, in dem sich alles plötzlich vollkommen anders anfühlte. Mit viel Empathie, Humor und Scharfsinn führte er die Teilnehmer in die Thematik ein, indem er sich zunächst auf die Forschungsergebnisse des amerikanischen Psychologen Milhay Csikszentmihalyi berief, der in den 1970er Jahren kreative Prozesse untersuchte und dabei auf das Phänomen des Flow, des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit, stieß.

Anschließend unterrichtete er verschiedene Instrumentalisten vor der Gruppe. Dies führte zu vielen Aha-Momenten und ließ bei manchem sichtbar und hörbar mentale Knoten platzen, nicht nur bei den aktiv Teilnehmenden.

Konkret empfahl er mit einer reichen Bildersprache immer wieder ein „Erfühlen“, „Umkreisen“, „Erspielen“ und „Kneten“ einzelner Stellen in einem flexiblen Tempo, um mit diesen Erkundungen Sicherheit und Wohlklang entstehen zu lassen und viel Spaß beim Üben zu haben. Was auch die in der Überschrift gestellte Frage beantwortet: Anstelle eines mechanischen Übens geht es um eine körperliche Erfahrung durch variationsreiche Wiederholungen und sinnliche Entdeckungen in einer entspannten Haltung. Dies ermöglicht auch, dass das Erlernte tief ins Langzeitgedächtnis abgespeichert werden kann.

Die Fortbildung war ein großer Gewinn, die Autorin dankt der Musikschule Marburg, die den Raum zur Verfügung gestellt hat, dem DTKV Marburg und nicht zuletzt dem Dozenten, der mit fundiertem Wissen und viel Einfühlungsvermögen zur Verfügung stand und die Teilnehmenden im Anschluss per Mail mit weiterführenden Informationen versorgte.

 

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