Üppige Landschaften

Ein Duo für Violine und Klavier


(nmz) -
Wolfgang, Gernot: Rolling Hills and Jagged Ridges, für Violine und Klavier. D.19970. Doblinger, Wien 2011.
Ein Artikel von Antonia Bruns

 

Üppig-grüne Landschaften zur Haydn-Sinfonie, Beethoven in Verbindung mit einer felsigen Anhöhe oder romantische Wälder bei Bruckner – wenn es um die Gestaltung eines CD-Covers geht, setzen Klassik-Labels nach wie vor gern auf Naturimpressionen. Das scheint immer zu passen, wirkt künstlerisch, aber nicht zu festgelegt. Ganz anders das Coverfoto für die Notenausgabe von Gernot Wolfgangs Komposition „Rolling Hills & Jagged Ridges“: Die sanften grünen Hügel mit der schneebedeckten Gebirgskette dahinter sind nicht Illustration, sondern das zentrale Programm des Stücks. Wolfgang hat sich von eben dieser Landschaft zu seinem zwölfminütigen, anspruchsvollen Duo für Violine und Klavier inspirieren lassen. Das Stück beginnt mit Nebelschwaden über den Hügeln.

Die Violine stellt ihr verträumtes „Hills“-Thema vor. Dann reißt mit einem Mal die Wolkendecke auf, und im Hintergrund erheben sich eindrucksvoll die schroffen Felsen des Hochgebirges. Expressiv springt die Geigenstimme hin und her zwischen pizzicato-Stellen, energiegeladenen Jazzrhythmen und schnellen virtuosen Passagen. Der Klavierpart bleibt dabei ökonomisch und lässt den solistischen Vortritt der Violine, deren Solokadenz an Bach erinnert. Sie mündet in eine fetzige „Groove-Section“, den Höhepunkt des Stücks. Am Ende wird der Nebel wieder dichter, die Gebirgskette verschwindet. Sanfte Flageoletttöne liegen über einem stimmungsvollen Klavierostinato.

Eine letzte energische Rekapitulation des Gebirgsmotivs, dann versinkt die Landschaft entgültig in der Stille. Dass diese Komposition stark an Filmmusik erinnert, ist kein Zufall. Gernot Wolfgang schrieb unter anderem den Soundtrack für die TV-Serie „Spartacus“ sowie für Spielfilme wie „Scenes of the Crime“ oder „The Process“. Auch seine musikalischen Wurzeln, den Jazz, spürt man in „Rolling Hills & Jagged Ridges“. Bevor Wolfgang in die USA übersiedelte, lehrte der geborene Österreicher Jazzkomposition an der Musikhochschule in Graz. Heute lebt er als freiberuflicher Komponist, Arrangeur und Orchestrator in Los Angeles. Auf seiner CD „Short Stories“ (Albany Records) gibt’s „Rolling Hills & Jagged Ridges“ übrigens auch zum Anhören.

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