unüberhörbar 2016/09

Empfehlungen von Mátyás Kiss und Hanspeter Krellmann


(nmz) -
Robert Fuchs: Trio für Violine, Viola und Klavier op.115; Sonate op. 86 & Fantasiestücke op. 117 für Viola und Klavier. Oliver Triendl, Klavier; Noah Bendix-Balgley, Violine; Máté Szücs, Viola. TYXart +++ Christian Jost: Berlinsinfonie, Lover-Skysong. Konzerthausorchester Berlin, Ivan Fischer; Deutsches Kammerorchester Berlin, Christian Jost. Neue Meister/Edel
Ein Artikel von Hanspeter Krellmann, Mátyás Kiss

Robert Fuchs: Trio für Violine, Viola und Klavier op.115; Sonate op. 86 & Fantasiestücke op. 117 für Viola und Klavier. Oliver Triendl, Klavier; Noah Bendix-Balgley, Violine; Máté Szücs, Viola. TYXart

Eine wie aus der Zeit gefallene Musik in der Brahms-Nachfolge schrieb der schon früh zum „Serenaden-Fuchs“ abgestempelte, als Lehrer einer Schar legendärer Komponisten bedeutenden Ruf genießende Robert Fuchs (1847–1927) gegen Ende seines Lebens. Ein Jahrhundert später können wir die Vorzüge seiner Kammermusik, derer sich Trüffelsucher Oliver Triendl schon seit längerem annimmt, endlich richtig schätzen. Die überaus sanglichen, quicklebendig dargebotenen Werke dieser CD rücken den warmen Klang der Bratsche in den Mittelpunkt des ungebrochen romantischen Geschehens. [Mátyás Kiss]

Christian Jost: Berlinsinfonie, Lover-Skysong. Konzerthausorchester Berlin, Ivan Fischer; Deutsches Kammerorchester Berlin, Christian Jost. Neue Meister/Edel

Eine klanggewordene Vision – wie Ravel in Wien (La Valse) und Vaughan Williams in seiner London Sinfonie – hat Jost von Berlin entworfen. Er hat den bei Nachtwanderungen durch seine Stadt erspürten Atem kompositorisch nachempfunden. Der turbulenten Zwanghaftigkeit Berlins hat er sich ausgesetzt und dabei tief eingelagerte, dramatisch geprägte Schichten ins nächtliche Lichtgefunkel gerückt. Josts Nachtgang verfällt nie in Melancholie, er macht sich die Vibrationen der Metropole zu eigen und übersetzt sie in seine Klangwelt. Vereinsamungseindrücke bestimmen das durchkomponierte Charakterbild. Wer dächte bei dem sich formal und inhaltlich zwingend anschließenden Lover-Skysong – mit der auflodernden Aggressionsschärfe im zweiten Teil und dem langen Verdämmern zum Ende – nicht an Josts jüngst verstorbene Ehefrau, die Sängerin Stella Doufexis. Das ihr nachgerufene Adieu setzt sich als unüberhörbar fest in beiden Stücken dieser CD . [Hanspeter Krellmann]

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