Unverhofft kommt gut

„Komponisten in Bayern“ – für Klavier und Viola


(nmz) -
Eigentlich war für den Konzerttermin im Kulturzentrum Einstein ein Liederabend geplant. Doch eine herbstliche Krankheitswelle machte den Künstlern und Organisatoren des Münchner Tonkünstler e.V. einen gehörigen Strich durch die Rechnung – sowohl die Sängerin als auch die Pianistin wurden krank. Nichtsdestotrotz kam das Publikum in den Genuss eines wunderbaren Konzerts mit Andreas Skouras am Klavier und Julia Rebekka Adler mit Viola und Viola d‘ Amore.
Ein Artikel von Kristina Gerhard

Gleich beim ersten Stück, den „Drei Liedern ohne Worte“ von Paul Ben-Haim, wurde deutlich, dass dies ein besonderer Abend werden würde. Denn ob im melancholischen „Arioso“, in der „Ballade“ mit teils perlend, teils vorantreibenden Klavierklängen und in der „Sephardischen Melodie“, die an eine „weinende“ Tango-Improvisation erinnerte – Julia Rebekka Adler schaffte es von Anfang an, mit ihrem wunderschönen warmen Bratschenton und einer ungewöhnlich präzisen wie organischen Art der Phrasierung, die Zuhörer zu verzaubern. Klanglich schwer und dramatisch war der erste Satz „Moderato“ der „Sonate B-Dur op. 107“ von Max Reger, tänzerisch-witzig der zweite, abwechselnd kantabel und expressiv das „Adagio“, graziös das „Allegretto con grazia“. Vor allem im „Moderato“, in dem sich dramatische und beinahe beiläufige Phrasen ablösen, kam das perfekte Zusammenspiel zwischen Bratsche und Klavier in Dynamik und Intensität besonders gut zur Geltung. Und nach der Pause konnte Andreas Skouras auch solistisch glänzen, mit der wohl neuesten Komposition an diesem Abend: „Cathedral I-III, a farewell to Berthold Hummel“ von Tobias PM Schneid. Wie der Titel bereits andeutet, türmen sich in den drei Stücken in unterschiedlichen Facetten vor allem akkordische Klänge groß und hallend zu regelrechten Klanggebäuden auf – eine mächtige und doch lichte Musik. Im Kontrast dazu war Wilfried Hillers „Für Julia“ für Viola d‘Amore solo eher eine Referenz an die italienische Renaissance. Deutlich modernere Klänge gab es wieder in der „Kleinen Sonate für Viola d‘Amore und Klavier op. 25 Nr. 2“ von Paul Hindemith, in der vor allem der erste, virtuose Satz überzeugte. Der zweite – kantabel und intensiv – und dritte Satz mit vielen Trillermotiven gerieten ein wenig lang. Für den Schluss hatte die Bratschistin noch einen echten Gassenhauer ausgewählt: den „Rosenkavalier- Walzer“ von Richard Strauss in der Fassung von Otto Singer. Julia Rebekka Adler hatte ihn selbst für Viola eingerichtet und musizierte dieses hochromantische Werk mit allen Finessen und dem notwendigen Schmelz, außerdem mit offensichtlich viel Spaß und Humor. Ein krönender Abschluss für das spontan zusammengestellte und äußerst hörenswerte Konzert!

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