Wechselspiel auf grünem Grund


(nmz) -

Bayreuths Festspielhaus wirkte ja schon immer ein wenig so, als habe ein Ziegelwerk die Raumnutzungsverordnungen der Stadt durch Bestechung der Gemeinderäte schnöde umgangen. „Hier gilt’s der Kunst“ musste man da schon extra auf die Tafel schreiben. Daran hielt man sich aber nicht und häufig in den letzten Jahren avancierten die Festspielaufführungen zu den höchstbezahlten Stunden schlecht gepflegter Langeweile.

Ein Artikel von Reinhard Schulz

Bayreuths Festspielhaus wirkte ja schon immer ein wenig so, als habe ein Ziegelwerk die Raumnutzungsverordnungen der Stadt durch Bestechung der Gemeinderäte schnöde umgangen. „Hier gilt’s der Kunst“ musste man da schon extra auf die Tafel schreiben. Daran hielt man sich aber nicht und häufig in den letzten Jahren avancierten die Festspielaufführungen zu den höchstbezahlten Stunden schlecht gepflegter Langeweile.Hier galt es was zu ersinnen und was ist da geeigneter als Eltern-Kind-Zerwürfnisse, abgrundtiefe Feindschaften, Lügen und Diffamierungen? Aus solchen Konflikten hatte ja auch schon der Großvater den Klebestoff seiner Musikdramen hergestellt. Jetzt wird es wieder spannend: Starrköpfigkeit hier, Nachfolgegerangel dort, Verweise auf unhaltbare Zustände, Pochen auf vertraglich Festgeschriebenes. Wolfgang will seine Frau Gudrun, sonst sitzt er seine Stelle bis zum Tode aus, der Stiftungsrat favorisiert die Tochter Eva, die intellektuelle Nike stichelt von außen hinein, Bayerns Kunstminister Hans Zehetmair droht drastische Maßnahmen (Geld für Wechsel?) an und der deutsche Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin erklärt die Affäre zur Chefsache. Wenn das kein Aufriss ist! Angesichts solcher Schlachtaufstellungen kann man schon vergessen, um was es eigentlich geht. Das wissen auch die Protagonisten nicht, denn nach Plänen befragt, offenbaren sie Ratlosigkeit. Im Grunde geht es auch um nichts. Etwa ein Dutzend Wagneropern wird immer wieder umgewälzt und mit eher langsam wechselnden Besetzungslisten ausgestattet – und keiner will oder darf daran was ändern. Ein Computer der Einsteigerklasse könnte das mühelos bewältigen, vielleicht sollte der Stiftungsrat einmal in diese Richtung überlegen? Aber der Grüne Hügel ist nun einmal ein Ort der großen dramatischen Aufrisse. Und so einen inszeniert die Familie Wagner jetzt mit selbstzerstörerischer Lust. Ob am Schluss wie im „Ring“ das Festspiel-Walhall in Flammen aufgeht? Wäre ja auch eine Lösung.

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