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Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

Wer die Sehnsucht kennt

12.05.21 (Georg Beck) -
Wie dankbar man war! – Gefühlt lag es ja eine kleine Ewigkeit zurück, da man im Konzert war, in Präsenz, mit den Ohren im Orchester, nicht am Lautsprecher, vor irgendwelchen High-End-Geräten, dank derer uns die Simulation allmählich zur zweiten Natur geworden ist. Neulich kam’s anders. Eine Ausnahmeregelung im NRW-Coronaschutzverordnungs-Verhinderungs-Kulturleben hatte sich aufgetan. Und so wurde es möglich, ein „Stück über uns und mit uns, aber für Euch!“ – als Pressevorführung. Die allein war übrig geblieben.

Muss selbst den Weg mir weisen

Folgt man Luis Buñuel, dem Liebhaber von Wagner, von de Sade, von Heringen in Öl, von Klöstern, Bars, Alkohol, Tabak und dergleichen Rauschdrogen mehr – folgt man diesem genialen Neuschöpfer, Wiederbeginner, habe sein und Dalís surrealistischer Skandalfilm „Un chien andalou“ gleich zwei Mal zu Fehlgeburten geführt. Kann man glauben, muss man nicht glauben. Was aber klar ist: Es gehörte Mut dazu, Traumbilder in Filmbilder übersetzen zu wollen. Buñuel träumte: eine Wolke durchschneidet den Mond, eine Rasierklinge ein Auge. Ameisen krabbeln über meine Hand! ergänzte Dalí. Das war neu – im Jahr 1929.

Wieviel Dream ist im Stream?

23.09.20 (Georg Beck) -
Corona hat es an den Tag gebracht. Seitdem liegen die Widersprüche offen. Und auch dies: wie unbekümmert wir ihnen gegenüberstehen, ja, wie sehr sie uns zur zweiten Natur geworden sind. Einmal mehr: infiziert, ohne zu wissen, dass. Ein Schadensbild, das nicht nur für den Gutachter daran ablesbar ist, wie selbstverständlich wir in der Zeit der Gespenster­konzerte den Reflexen nachgegeben haben: Kann das Publikum nicht zum Konzert kommen, dann bringen wir das Konzert eben zum Publikum.

„Fidelio“ als Rettungsgeschichte 44 – Adam Fischer in Düsseldorf

10.09.20 (Georg Beck) -
Himmlisches und Irdisches war in dieser Fidelio-Produktion ganz nah beisammen. Alles mit klar perforierten Reißlinien, weswegen die Wertstofftrennung nicht allzu schwerfällt. Um mit der guten, der sehr guten Nachricht anzufangen: Es wurde hinreißend musiziert, fabelhaft gesungen. Immer wenn Adam Fischer am Pult steht, sitzen die Düsseldorfer Symphoniker auf der Stuhlkante. Wie jetzt, da es darum ging, einen „Herzenswunsch“ ihres „Principal Conductors“ zu erfüllen wie der von Tonhallen-Intendant Michael Becker eigens für Adam Fischer geschaffene Titel lautet.

So könnte sie klingen, unsere Musik der Zeit

21.04.20 (Georg Beck) -
Vom Werk wollte er nicht lassen – nur anders als offen konnte er es sich nicht vorstellen. Am Autor hat er festgehalten – nur weit wollte er ihn verstanden wissen. Kunst und Musik waren ihm Lebenselexier – nur dass es ihm unvorstellbar war, sie romantisierend zu überhöhen, sie einzuschließen in bürgerliche Innigkeit. Was auch nicht gepasst hätte zum unehelichen Sohn eines Unterhaltungsmusikers, als der Bruno Maderna am 21. April 1920 in Sant’Anna di Chioggia bei Venedig zur Welt kommt.

Doppelstern über Bredeney

29.03.20 (Georg Beck) -
Ansprachen, Komponistengespräch, Konzert. Auf den ersten Blick der normale Ablaufplan. Und doch gingen wir bereichert am Ende dieser Buchpräsentation. Nicht, weil es eine der letzten Musikveranstaltungen geworden ist, die im Ruhrgebiet noch stattgefunden hat. Letzteres war ja nicht zu ahnen. Und schon gar nicht war zu erahnen, in welches Loch wir fallen würden.

Die Provinz lebt, wenn sie schöne Nebenwege hat

28.02.20 (Georg Beck) -
Trier ist anders. Wer von außen kommt, spürt das. Vorausgesetzt, er oder sie hat Distanz zu den Metropolen, die ihre Settings gern als Standards besprechen: So macht man das! – Was aber macht man, wenn man wie die beiden Opening-Kuratoren Bernd Bleffert und Thomas Rath nichts von dem in der Hand hat, worüber normale Veranstalter verfügen?

Eine Geschichte, die sich vom Ende her erzählt

12.02.20 (Georg Beck) -
Alles andere als leicht, nicht ohne Beklemmen schreibt sich eine Laudatio wie diese, zu einem Thema wie diesem, in einem Umfeld wie diesem. Antisemitische Attacken an der Tagesordnung. Neurechte Rhetorik, Hate ­Speech im Internet, Sachbeschädigungen, Friedhofsschändungen, Körperverletzungen, ja Tötungsdelikte, Mordabsichten gegen Juden – all dies gibt es wieder. Ein übler Beigeschmack, der alles komplizierter, bedrückender macht als es ohnehin schon ist, fehlt besagtem Thema doch von sich aus jede Unbeschwertheit. Notge­drungen fehlt sie. Es hatte sie von Anfang nicht, konnte sie nicht haben. Auch die Geschichte des Gideon Klein erzählt sich eben von ihrem Ende her.

Was im Orbit so alles passiert

03.01.20 (Georg Beck) -
Augenhöhle in der Medizin, Umlaufbahn in der Astrophysik, Menge der Zustände, die ein dynamisches System einnimmt in der Mathematik – all dies ist der „Orbit“. Und in der Kunst? Sind es Höhle und Bahn und System in einem. Zumindest, wenn das Ganze „Orbit Schönberg“ heißt, was der schöne Name ist für ein mutiges Unternehmen: Vier Abende, an denen das Kölner Asasello Quartett im Museum für Angewandte Kunst der Domstadt alle vier Streichquartette Arnold Schönbergs mit Klassikern einerseits kombinierte, mit Auftragswerken zeitgenössischer Komponisten andererseits. Eine Tat. In mehr als nur einer Hinsicht. Es gibt Neues zu berichten!

Nur Musiktheater ist ihnen zu wenig

07.10.19 (Georg Beck) -
Ob es eine Krise der Ruhrtriennale ist, können wir offen lassen. Die Krise der Musiktheater-Produktionen dieser zweiten Stefanie Carp-Intendantinnenrunde jedenfalls ist mit Händen zu greifen. Allenthalben Ratlosigkeit, freilich virtuos überspielt. Ratlosigkeit über den Zustand der Welt (was man sehr gut verstehen kann), vor allem aber (was man nur schwer verstehen kann) über die Kunstform, die man sich gewählt, die einem niemand aufgezwungen hatte: Heiner Goebbels nicht, Christoph Marthaler nicht, David Marton nicht. Musiktheater, das sich auf eine eigentümliche Weise selbst fremd geworden scheint.
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