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Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

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Verstörende Gegenwärtigkeit

02.01.18 (Georg Beck) -
Die Vorgeschichte dieses ungewöhnlichen Jubiläums-Festivals lässt sich auf zweierlei Weise erzählen. Die ernste Version geht so: Wo das Verbrechen beschwiegen wird, wo der Mord ungesühnt bleibt, wo die Hilfe unterlassen, verweigert wurde, kann die Kunst nicht schweigen.

Bitte umsichtiges Verhalten am Berg !

31.10.17 (Georg Beck) -
So ist das bei guten alten Bekannten. Man freut sich einfach, wenn man sie sieht. Wie neulich beim Beethovenfest. Immer, wenn sich Vladimir Tarnopolski, dieser grundsympathische Kunstfreund, der in Moskau mit seinem „Studio für neue Musik“ so mutig die Stellung hält, sich mit einer neuen Arbeit ankündigt, ist man erwartungsfroh gestimmt. Das war so 2006 mit seiner den „Fernseh- und Computerabhängigen“ ins Stammbuch geschriebenen Multimedia-Oper „Jenseits der Schatten“, das war so 2016 mit seinem Ensemblestück „Cassandra“ und das war nicht anders als Tarnopolski jetzt sein neuestes Auftragswerk vorgestellt hat.

Eine Welt schaffen aus Kohle und Staub

28.09.17 (Georg Beck) -
Nein, neue Lieder hat es keine mehr gegeben in dieser finalen Simons-Runde. Was uns gesungen, gesagt, bedeutet wurde, hat nichts hinzugefügt, aber auch nichts weggenommen von dem, was wir nicht schon kannten aus den beiden vorangehenden Ausgaben dieses „Internationalen Festes der Künste“. Was also bleibt – vor allem, wenn wir aufs künstlerische Resultat schauen von Ruhrtriennale-Musik und -Musiktheater unter der Intendanz des Johan Simons?

Neues von der Zeitoper im Zeitalter des Cyberspace – „Homo instrumentalis“: Multimediales Musiktheater bei der Ruhrtriennale

24.09.17 (Georg Beck) -
Man kennt sie, die Lieblinge des zeitgenössischen Musiktheaters. Was ein Salvatore Sciarrino, ein Helmut Lachenmann liefern, erfreut sich des intensivsten Zuspruchs. Ohne, dass daraus schon regelrechte Renner hervorgegangen wären. Jedenfalls nicht, wenn man es am Hype bemisst, den der griechisch-französische Komponist Georges Aperghis mit Machinations ausgelöst hat.

Ruhrtriennale: Erik Saties „Socrate“ mit Barbara Hannigan und Reinbert de Leeuw

22.08.17 (Georg Beck) -
Ein bukolischer Frieden liegt über dieser Performance. Ein alter Mann am Klavier, ein Junge als Umblätterer, eine Sopranistin als Sokrates-Nachruferin. Alles glüht. Dazu ein milde gestimmter, freilich nicht unironischer Komponist. Mit Erik Saties „symphonischem Drama in drei Teilen“, charmante Übertreibung für eine zurück­genommene kammermusikalische Abschiedsmusik, kehrte in die Bochumer Jahrhunderhalle nach einer kräfteraubenden Debussy-Oper wieder die Stille ein.

Auf schwing dich Sopran, ins Klingsorland

30.06.17 (Georg Beck) -
Man hatte sich ein paar schöne Überraschungen ausgedacht. Hinterher war der Geschenktisch dann so voll, dass sich alles beinahe selber Konkurrenz machte und man das allerschöns­te Überraschungsei beinahe überlesen hätte, diese zwei locker auf Reim gewebten Fünfzeiler gleich beim Aufschlagen der Jubiläumsbroschüre. Klarer Fall, ein Gedicht. Eines, das tatsächlich „Auditivvokal“ überschrieben und auch genau so, im designten Ensemble-Halbfett, geschrieben war. Darunter der Name des Urhebers: Marcel Beyer. Daher also der Name! Nur, dass auf Nachfrage folgender Bescheid erging: Nein, genau andersherum sei es gewesen, nicht die Auditiven hätten „Auditivvokal“ in einem Marcel Beyer-Gedicht entdeckt, sondern Marcel Beyer habe Auditivvokal ein gleichnamiges Gedicht zum bestehenden Namen geschrieben und – geschenkt. Einfach so.

Leuchtend über allen Schützengräben

17.06.17 (Georg Beck) -
„Es waren nicht nur die Schreibmaschinen, die in Parade den Skandal gemacht haben.“ So Francis Poulenc, Augen- und Ohrenzeuge der Uraufführung: „Alles war neu – Botschaft, Musik, Bühne. Selbst die Kenner der Ballets Russes vor 1914 haben mit Erstaunen diesen kubistischen Vorhang von Picasso hochgehen sehen, selbst für sie absolut ungewöhnlich. Das war nicht mehr der Skandal in einem strikt musikalischen Sinn wie beim Sacre du printemps. Dieses Mal war jede Kunst widerspenstig.“

Das Auge hört mit

31.05.17 (Georg Beck) -
Natürlich sind Musikfeste auch solche für das Auge. Man vergisst es nur immer so leicht. Und doch baut ja jedes Konzert eine Welt – ganz unabhängig davon, welche Partituren gerade auf den Pulten liegen: alte, ältere, moderne, brandneue. Was einzig differiert, ist der Aufwand, der damit getrieben wird, also das Bewusstsein, das man dafür hat – oder nicht. Entsprechend gibt es die Mucken oder das Hochamt und es gibt ganz viel dazwischen, womit wir umstandslos modulieren können in die jüngste Aus­gabe des Klassikers Wittener Tage für neue Kammermusik, in diesem Jahr tatsäch­lich in seiner 49. Ausgabe zu erleben.

Musik zum Standhalten, nicht zur Weltflucht

01.05.17 (Georg Beck) -
Das war überraschend. So nicht planbar. Und doch schien dem Festival um- so mehr Plausibilität zuzuwachsen, je mehr es sich mit seiner Programmatik an der Wirk­lichkeit rieb. Mit einem Thema, das wie kein anderes in die Politik gehört, von dieser freilich nur mehr unwillig angefasst wird, da es als ziemlicher Stimmungskiller wirkt, was Politiker gar nicht mögen. Parallel mit dem ersten April-Wochenende, traditionell der Termin fürs Kölner Forum neuer Musik, waren in der Domstadt denn auch nicht nur die Frühblühter raus.
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