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Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

Ruhrtriennale: Erik Saties „Socrate“ mit Barbara Hannigan und Reinbert de Leeuw

22.08.17 (Georg Beck) -
Ein bukolischer Frieden liegt über dieser Performance. Ein alter Mann am Klavier, ein Junge als Umblätterer, eine Sopranistin als Sokrates-Nachruferin. Alles glüht. Dazu ein milde gestimmter, freilich nicht unironischer Komponist. Mit Erik Saties „symphonischem Drama in drei Teilen“, charmante Übertreibung für eine zurück­genommene kammermusikalische Abschiedsmusik, kehrte in die Bochumer Jahrhunderhalle nach einer kräfteraubenden Debussy-Oper wieder die Stille ein.

Auf schwing dich Sopran, ins Klingsorland

30.06.17 (Georg Beck) -
Man hatte sich ein paar schöne Überraschungen ausgedacht. Hinterher war der Geschenktisch dann so voll, dass sich alles beinahe selber Konkurrenz machte und man das allerschöns­te Überraschungsei beinahe überlesen hätte, diese zwei locker auf Reim gewebten Fünfzeiler gleich beim Aufschlagen der Jubiläumsbroschüre. Klarer Fall, ein Gedicht. Eines, das tatsächlich „Auditivvokal“ überschrieben und auch genau so, im designten Ensemble-Halbfett, geschrieben war. Darunter der Name des Urhebers: Marcel Beyer. Daher also der Name! Nur, dass auf Nachfrage folgender Bescheid erging: Nein, genau andersherum sei es gewesen, nicht die Auditiven hätten „Auditivvokal“ in einem Marcel Beyer-Gedicht entdeckt, sondern Marcel Beyer habe Auditivvokal ein gleichnamiges Gedicht zum bestehenden Namen geschrieben und – geschenkt. Einfach so.

Leuchtend über allen Schützengräben

17.06.17 (Georg Beck) -
„Es waren nicht nur die Schreibmaschinen, die in Parade den Skandal gemacht haben.“ So Francis Poulenc, Augen- und Ohrenzeuge der Uraufführung: „Alles war neu – Botschaft, Musik, Bühne. Selbst die Kenner der Ballets Russes vor 1914 haben mit Erstaunen diesen kubistischen Vorhang von Picasso hochgehen sehen, selbst für sie absolut ungewöhnlich. Das war nicht mehr der Skandal in einem strikt musikalischen Sinn wie beim Sacre du printemps. Dieses Mal war jede Kunst widerspenstig.“

Das Auge hört mit

31.05.17 (Georg Beck) -
Natürlich sind Musikfeste auch solche für das Auge. Man vergisst es nur immer so leicht. Und doch baut ja jedes Konzert eine Welt – ganz unabhängig davon, welche Partituren gerade auf den Pulten liegen: alte, ältere, moderne, brandneue. Was einzig differiert, ist der Aufwand, der damit getrieben wird, also das Bewusstsein, das man dafür hat – oder nicht. Entsprechend gibt es die Mucken oder das Hochamt und es gibt ganz viel dazwischen, womit wir umstandslos modulieren können in die jüngste Aus­gabe des Klassikers Wittener Tage für neue Kammermusik, in diesem Jahr tatsäch­lich in seiner 49. Ausgabe zu erleben.

Musik zum Standhalten, nicht zur Weltflucht

01.05.17 (Georg Beck) -
Das war überraschend. So nicht planbar. Und doch schien dem Festival um- so mehr Plausibilität zuzuwachsen, je mehr es sich mit seiner Programmatik an der Wirk­lichkeit rieb. Mit einem Thema, das wie kein anderes in die Politik gehört, von dieser freilich nur mehr unwillig angefasst wird, da es als ziemlicher Stimmungskiller wirkt, was Politiker gar nicht mögen. Parallel mit dem ersten April-Wochenende, traditionell der Termin fürs Kölner Forum neuer Musik, waren in der Domstadt denn auch nicht nur die Frühblühter raus.

Bitte nicht diese Stacheldrahtmusik! – Die Düsseldorfer Tonhalle kuratiert sich ein „Schönes Wochenend“-Festival

23.02.17 (Georg Beck) -
Düsseldorf, im Februar – „Einfach fühlen“ empfiehlt das Logo der städtischen Tonhalle. Was man bei „Music. Mix. Mashup“ gefühlt hat, war vor allem eine tiefe Verunsicherung. Wie tief diese inzwischen sitzt, signalisiert ein chronisch gewordener Marketingsprech, mit dem dieser landeshauptstädtische Jahres­beitrag zur Deutung, Sichtung, Förderung der Gegenwartsmusik um Aufmerksamkeit heischt. Hauptsache, keinen Trend verpassen! Hauptsache, flott rüberkommen! Was natürlich nicht ohne Kollateralschäden abgehen kann. Damit der „Schönes Wochenende“-Music-Mixer ans Laufen kam, hatten Kunst, Kunstübung die Rolle des Futtermittel-Lieferanten zu übernehmen. Undankbar.

Komponiert, musiziert muss sie sein, die Utopie – Juan Allende-Blin kuratiert den Essener Kirchenraum

18.01.17 (Georg Beck) -
Modulation in Echtzeit. Gestern Zentrum, heute Peripherie. Vom Elbphilharmonie-Eröffnungsrauschen nach Essen-Rellinghausen, von den Novitäten eines Wahr- und Wunderzeichens an einen Ort, der gerade nichts hermachen will; einer jener Kirchbauten wie sie einem Vorkriegs-Protestantismus gefielen. Die Exzellenz überlassen wir anderen! Und dann gab es genau hier eines der exzellentesten Konzerte im Kirchenraum, die Wir in NRW in letzter Zeit so erlebt haben.

Verhältnisse umkehren, erkennbar machen

30.12.16 (Georg Beck) -
Das schönste Konzert des zurückliegenden Beethovenfestes hat Stefan Litwin gespielt. Kann man so nicht sagen? Kunst ist immer Geschmackssache? Einverstanden. Nur, dass wir dann darauf bestehen müssen, dass es von besonders gutem Geschmack zeugt, ein Programm vorzustellen, das das von Festivalchefin Nike Wagner ausgeru­fene „Revolutionen“-Motto so entschieden beim Wort nahm, dass Letzteres auf einmal wiedererkennbar war.

Ohne Mantel, ohne Degen und doch der ganze Cervantes – Hans Zender-Oper Don Quijote de la Mancha in Frankfurt

09.12.16 (Georg Beck) -
Es gibt sie noch, die Aufführungen, die mit Lust ans Werk gehen, die ihre Kraft in dasselbe legen, weil sie spüren: es braucht es, hat es verdient und meinen Einsatz bekomme ich sowieso zurück. So geschehen jetzt in Frankfurt als „Heimspiel“ von Ensemble Modern. Ab und an kooperiert man mit der Oper im Bockenheimer Depot, ab und an ist man solo unterwegs wie jetzt in der experi­mentallabormäßigen Kunst-Kooperative LAB: „Don Quijote de la Mancha“ als Opern-Eigenproduktion wahlweise als Exklusiv-Präsent zum 80. Geburtstag ihres Komponisten Hans Zender.

Theoretiker als Komponisten-Versteher

03.11.16 (Georg Beck) -
„sie hat gar keine gedancken. es kömmt nichts.“ Der Stoßseufzer eines Kompositions­lehrers. „Sie“, die „Scolarin“, zwar „magnifique“ als Harfenis­tin mit „unvergleichlichem gedächtnüß“, andererseits eine ziemliche Enttäuschung, was „das sezen anbelangt“. Gehe es ans „schreiben“, „Ennuirt sie sich gleich“. „ich habe es auf alle mögliche art mit ihr Probirt; unter andern kamm mir auch inn sinn, einen ganz simplen Menuett aufzu­schreiben, und zu versu­chen, ob sie nicht eine variation darüber machen könnte? – ja, das war umsonst.“ Keine Frage: An der Marie Adrienne de Bonnières de Guines, Tochter des Adrien-Louis Bonnières de Souastre, Comte de Guines hat sich Mozart die Zähne ausge­bis­sen.
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