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Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

Einfach mal performativ denken

29.11.18 (Georg Beck) -
Essen, Ende Oktober − Günter Steinke, der kuratierende Kopf beim Essener NOW!-Festival, ist vom Fach, ist Komponist, ist Kompositionsprofessor, ist Autor. Nichts Zeitgenössisches ist ihm fremd. Wenn musikalische Zellen keimen, wenn sie sich aufspalten, ineinander übergehen, sich verformen − dann ist genau dies sein Metier. „form per form“, das Thema der zurückliegenden achten NOW!-Ausgabe, ist ihm deswegen auch kein Rätselwort, sondern lingua franca, Verkehrssprache. So sprechen wir, wenn wir über „Neue Musik“, wenn wir in einem „Festival für Neue Musik“ sprechen!

Zukünftiges erinnern, Vergangenes ahnen

29.11.18 (Georg Beck) -
Drei Konzerte wie Perlen auf der Kette. Und, jedes Mal, mit diesem selten gewordenen Hörerleben, diesem Dabeibleibenwollen, dieser Neugierde, die uns diese eine Frage ganz automatisch auf die Lippen legte: Ja, ist Zimmermann denn kein bisschen gealtert? Offenbar nicht. Sicher, er ist ein Klassiker. Als solcher wird er hier und jetzt, pünktlich zum Hundertsten, rauf und runter gefeiert. Nur, dass man ihn eben nicht als Klassiker hört, womöglich als Schöpfer von Schlüsselwerken mit schönen Stellen und dergleichen. Andersherum wird ein Schuh daraus. Die Musik dieses 1970 abgrundtief verzweifelt aus dem Leben geschiedenen Komponisten hat ihre Zukunft, nicht anders haben wir es gehört, noch vor sich oder, um es in Zimmermanns ureigenem dialektisch-prophetischem Idiom zu sagen: Sie erinnert uns an Zukünftiges und lässt uns Vergangenes erahnen.

Lebensmut haben, Brücken bauen

21.11.18 (Georg Beck) -
Berlin, Konzerthaus am Gendarmenmarkt, im Juni – Samuel Adler hat Humor. Und Freude daran, ihn mit anderen zu teilen. Sicher, da sind diese bitteren Erfahrungen, die mit seiner Emigration aus Nazideutschland zusammenhängen. So weit das alles zurückliegt, es ist präsent, abrufbar. Wie jetzt, beim Gesprächskonzert des Berliner Geschichtsvereins musica reanimata, zu dem er als Ehrengast geladen ist. Ein hervorragend besuchter Abend, ein abwechslungsreiches Programm, exzellente Ausführende und ein Samuel Adler, Jahrgang 1928, der von der Schule erzählt, in die er nicht mehr gehen durfte, von seinem jüdischen Geigenlehrer, der ihn jeden Tag unterrichtete, weil er Hunger hatte. Diese Dinge.

Zwischenzeiten bringen nicht nur Ungeheuer hervor

31.10.18 (Georg Beck) -
Bochum, im August/September. – Wo fängt die Kunst an? Mit einem Blick auf die Welt, auf den aktuellen Zustand der Gesellschaft; da genau beginnt sie, dort muss sie beginnen, sagt Stefanie Carp. Es ist das Zeitdiagnostische, das für die neuberufene, damit erste Intendantin der Ruhrtriennale wie für ihren Musikkurator Matthias Osterwold am Anfang stehen. „Eine Zwischenzeit ist angebrochen, laut, lärmend, lähmend und stag-nierend zugleich – eine diffuse Zeit.“ 33 Projekte, 120 Aufführungen, ein „Festival der Künste“, das Gegenwärtigkeit, das Wachheit, Wachsamkeit reklamiert – dies der Anspruch ihrer gemeinsamen, auf drei Jahre angelegten Programmplanung.

Zusammen schaffen wir was

28.09.18 (Georg Beck) -
Nottuln/Westfalen, im August. – Alle nennen ihn hier Mo. Klarname Mohammed. Wie Mohammad, den es hier auch noch gibt, kommt Mo aus Syrien, wo er eigentlich gut und gerne gelebt hat. So lange bis es nicht mehr ging. Dann mussten die Alfayads weg. Drei Jahre ist das jetzt her. Mo ist 14, als er einen Bus besteigt, der ihn in den Libanon bringt. Von dort geht es auf ein Schlauchboot. Ziel: türkische Küste. Ticketpreis: 3.000 Euro. Ja, sagt der sympathische, erstaunlich erwachsen wirkende Junge, er wisse, dass das kriminelle Fluchthelfer gewesen seien. Nur, was hätte er machen sollen? „Wäre ich geblieben, wäre ich heute tot.“ Wie die Familie die horrende Summe aufgebracht hat? – „Wir waren reich.“

Auch letzte Dinge brauchen alle Kraft

26.09.18 (Georg Beck) -
Die eigentliche Entdeckung dieser Produktion ist ihr Spielort. Ökonomiegebäude und Orangerie der ehemaligen Deutschordenskommende gehören zu jener verschwinden­den Sorte Architektur, die groß ist, ohne angeberisch sein zu müssen.

Boykott ist nicht die Sprache der Kunst

04.09.18 (Georg Beck) -
So viel Ahnungslosigkeit war selten. Von „BDS“, Kürzel für die israelfeindliche Bewegung „Boycott, Divestment, Sanctions“, habe sie bis zur Einladung an das Hip-Hop-Trio Young Fathers noch nie gehört. Ein Aufschlag der Ruhrtriennale-Intendantin Stefanie Carp, der gleich zu Beginn der Podiumsdiskussion „Freedom of Speech/Freiheit der Künste“ im Netz landete. Ein Statement, das offenbarte, weshalb die Ruhrtriennale, das mit NRW-Landesgeldern ermöglichte „Festival der Künste“ erstmals seit seinem Bestehen ernsthaft ins Gerede gekommen ist. Zugleich aber auch ein Statement, das in seiner Ehrlichkeit, seiner Naivität bestürzte. Mehrheitlich jedenfalls.

Wenn die Königin Hof hält

31.08.18 (Georg Beck) -
„Jetzt klingt es so, und du denkst, es geht so weiter – aber es geht anders weiter. Es wird eine Zukunft entworfen.“ (Gerd Zacher, 2005) | Essen, im Juni. – 1968, als die Evangelische Kirchgemeinde Essen-Rellinghausen bei der Berliner Orgelbau­werk­statt Prof. Karl Schuke eine „große Kammerorgel“ bestellt, gilt Ornament noch als Verbrechen. Kirchen sind „Gottesdienststätten“ und werden, wie die Orgeln, „in Dienst gestellt“. Dass man dazu nüchtern zu erscheinen hat, haben protes­tantische Orgelprospekte immer schon verinnerlicht. Auch die Schuke-Orgel im Essener Süden macht da keine Ausnahme. Umso überraschender die gesteigerte Aufmerksamkeit im 50-Jahr-Jubiläum: Festschrift, Festgottesdienst, Festkonzerte, dazu ein „Kompositionsworkshop für Kinder“. Eine Blütenlese.

Die Kentridge-Produktion „The Head And The Load“ zur Eröffnung der Ruhrtriennale

12.08.18 (Georg Beck) -
Ein Theaterabend, der uns kalt erwischt, der uns an ein Schuldenkonto erinnert, von dem wir bis dato noch nicht einmal wussten, dass wir sie hatten, diese Hypothek. Eine, die wir offenbar noch immer abstottern müssen: die Afrika-Politik der europäischen Kolonialmächte im Ersten Weltkrieg. Ein Hintergrund, eine Blutspur, die William Kentridge, renommierter südafrikanischer Zeichner, Filme­macher, Installationskünstler, in ein Stück verwandelt hat, weder um den Ereignissen den Prozess zu machen, noch den Reportage-Zeigefinger zu heben. Wie aber dann? – Sie bühnenwirksam machen mit Hilfe von Collage und Dekonstruktion, so Kentridge.

Lebe dein Leben und deine Musik

13.06.18 (Georg Beck) -
Wer sich ihren Terminkalender, ihre Repertoireliste anschaut, glaubt ihr „neue musik leben“, diesen schönen, diesen redenden Titel für ihren brandneuen Podcast sofort. Irene Kurka lebt in der Neuen Musik, lebt für sie.
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