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Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

Von den Notwendigkeiten im Reich der Freiheit

14.12.09 (Georg Beck) -
Köln, im November – fünfzehn Spezialisten hören auf, Spezialisten zu sein. Ein Solistenensemble absolviert auf offener Bühne eine Gruppenimprovisation. Was ist das? Leichtsinn oder Tribut an verschüttete Gemeinschafts-Sehnsüchte? Ein Drahtseilakt? Eine Selbsterfahrung? Ein Zeichen von Midlifecrisis? – So viele Fragen.

Milch oder Blut? – Mit den Tagen Alter Musik geht Herne an die „Grenzen des Schicklichen“

17.11.09 (Georg Beck) -
Musik „erkunden“ an den „Grenzen des Schicklichen, des Verpönten, des politisch Ungewollten“. Festivalleiter Richard Lorber und seine Dramaturgin Sabine Radermacher haben die 34. Tage Alter Musik an „Tabus“ kratzen lassen. Kein Wunder, dass sowas auch mit Schmerzen verbunden sein kann.

Und sie bewegt sich doch

09.11.09 (Georg Beck) -
Mit Mose ist Willy Decker ganz nach oben gestiegen. Mit Mose musste er am Ende wieder herunter. Waren dem Propheten auf der Höhe des Sinai die Tafeln offenbart worden, so hatte Decker auf der Höhe von Schönbergs Meisteroper den Grundriss seiner ersten Festspielzeit gefunden. Derweil war unten der Tanz ums Goldene Kalb längst im Gange. Die Szene kommt einem bekannt vor. Wie das Volk am Fuße des Sinai sein ganz eigenes Kulturprogramm entwickelt – Gottesidee hin, Bilderverbot her –, so hielten es die Ruhrtriennale-Musiktheater-Autoren offenbar mit Deckers Ruhrtriennale-Konzept. Beschwor dieser die horizontöffnende Parallelität von religiösem und künstlerischem „Urmoment“, erhoffte sich „Spiegelungen von Transzendenz im Künstlerischen“ (nmz 8/09), verstanden dies die Einen als Gummiformel, Andere als Freibrief für eskapistischen Neofundamentalismus. Ob dies der Grund war, dass die künstlerische Ausbeute von Deckers erster Ruhrtriennale bescheiden ausfiel, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Doch eins ist sicher: Hätte es nicht diesen „Moses und Aron“ in Deckers eigener fulminanter Inszenierung gegeben (nmz online, oper&tanz 10/09) – am Ende wäre er (beinahe) mit leeren Händen dagestanden.

Gesicht und Stimme zurückgeben

04.11.09 (Georg Beck) -
Sie sahen sich als Deutsche – die verfolgten jüdischen Künstler um den Dirigenten Kurt Singer, die 1933 in Berlin den Kulturbund Deutscher Juden gründeten. Bis in den Herbst 1941 organisierten sie die historische Paradoxie eines jüdischen Musik- und Theater­betriebes mitten im Dritten Reich. Mit nicht weniger Selbstbehauptungs­willen als die exilierten jüdischen Künstler Nazideutschlands. Doch das Erinnerungs­loch, in das sie gefallen sind, ist ungleich schwärzer, tiefer.

Wer soll das bezahlen, was eh keiner will?

05.10.09 (Georg Beck) -
Als Paavo Järvi zur Fünften bittet, versteht man mit einem Mal auch die verborgenen Dimensionen des Festival-Mottos „Im Licht“. Um die Musiker der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen ein Kordon von Filmkameras; das Orchester getaucht in dramatisches Rotlicht. Hat die „Zukunft des Konzerts – das Konzert der Zukunft“, Titel des Symposiums beim Bonner Beethovenfest, schon begonnen?

Ohne weibliche Spiritualität geht nichts: Margarethe von Trottas Hildegard-Film „Vision“

23.09.09 (Georg Beck) -
Hildegard stirbt nicht. Zumindest nicht, wenn Margarethe von Trotta ihr Leben verfilmt. In der letzten Einstellung dieser mit modernen Mitteln erzählten Heiligenlegende lässt sie ihre Heldin noch einmal ganz neuen Aufgaben entgegenreiten. Bruder Volmar, Hildegard von Bingens einziger, emanzipationsphilosophisch gesehen, vorbildlicher Streiter unter all den traurigen Exemplaren einer durch und durch verkommenen Männergesellschaft, folgt ihr dann wie ein getreuer Sancho Panza.

Wie das Unsichtbare auf die Bühne kommt: Schönbergs „Moses und Aron“ bei der Ruhrtriennale

25.08.09 (Georg Beck) -
So frenetisch der Jubel am Ende, so ungläubig das anfängliche Staunen. Ironisch hochgezogene Augenbrauen im Premierenpublikum. Keine Bühne, kein Graben. Zwei Zuschauerpodeste, die aneinanderstoßen. Sonst nichts. Unsichtbarer Gott, unsichtbares Orchester. Und dann hebt es doch an – das Spiel von Wortpathos und Bildersehnsucht, von sprödem Geist und verführerischem Gold, von Tanz um den Popanz und dessen Kritik daran. Die Wände verschwinden, die Tribühnen bewegen sich, eine Theateroffenbarung rollt ab

Risiko ist Pflicht – Ruhrtriennale-Intendant Willy Decker im Gespräch

14.07.09 (Georg Beck) -
Frank Martins „Le vin herbé“, 2007 in der Duisburger Gebläsehalle, war für Willy Decker ein „Schlüsselerlebnis“. Publikum und Kritik waren sich selten einig. Eine Inszenierung, die der Höhe eines Kunstentwurfs gerecht geworden ist (nmz 11/07). Um so größer die Freude, aber auch die Erwartung, als die Nachricht kam, dass Decker nach Jürgen Flimm die Intendanz für die kommenden drei Triennale-Spielzeiten übernehmen würde mit Religion und Spiritualität als thematischem Zentrum.

Baglama für alle – nur wann?

08.07.09 (Georg Beck) -
Düsseldorf, 19. Mai. – Der größte runde Tisch Nordrhein-Westfalens steht im Landtag. Eine gute Adresse, um dort 80 Fachleute der musikalischen Bildung zu einem „Fachgespräch“ über „Musikalische Bildung und Interkultur“ zu versammeln. Was bei Zusammenkünften wie diesen nicht immer und unbedingt gelten muss – in diesem Fall gab es tatsächlich Gesprächsbedarf, so zumindest die Einschätzung von Christian Esch. Für den Leiter des einladenden NRW KULTURsekretariats steht schon seit langem fest, dass die Wahrnehmung der Musikkulturen der Einwanderer und Migranten verbesserungsbedürftig ist. Vor allem seitens der (kultur)politischen Entscheidungsträger, meint Esch, weshalb die Standortwahl auch nicht ohne Hintergedanken erfolgt war. Drei Arbeitsgruppen- und zwei Plenumssitzungen weiter, konnte das von WDR3-Musikchef Werner Wittersheim moderierte Treffen seine Empfehlungen dem Vorsitzenden des Landtags-Kulturausschusses gleich höchstpersönlich zur Kenntnis bringen.

Barockige Orchesterklänge im Jumpstyle

08.07.09 (Georg Beck) -
Wuppertal, 10. Juni. – Einer dieser Tage, die kommen und gehen wie die Regenwolken, die an diesem Vormittag im Eiltempo über die Stadt ziehen. Schauer, Sonne. Das übliche Programm. Ein gewöhnlicher Mittwoch also? – Nicht unbedingt. Vor allem nicht für die Schulklassen, die vor der Historischen Stadthalle, dem prachtvoll hergerichteten Konzerthaus und ganzen Stolz der Stadt, Aufstellung genommen haben. Grob geschätzt harrt ein halbes Bataillon Schüler im Umfeld der Pubertätsschwelle aufs 4. Schulkonzert der Wuppertaler Sinfoniker. Ein Versprechen soll eingelöst werden: „Barock rockt!“
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