Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.

Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

So poetisch können Orakel sein

01.04.08 (Georg Beck) -

Stimmt der Fingerzeig von NRW Kultursekretariat und Kunststiftung NRW, so liegt in der Neube­stimmung des Verhältnisses von Text, Musik, Szene ein Zukunftsmoment des Musiktheaters. Dessen künstlerischer Mehrwert steht und fällt, so die Annahme, mit dem Bündnis, das Autor, Komponist, Regisseur schließen können und wollen. In Kooperation mit dem Theater Bonn erlebte das jüngste Förderungsprojekt des „Fonds Experimentelles Musiktheater“ jetzt seine Uraufführung – zum letzten Mal, so Generalintendant Weise, im Forum der Bundeskunsthalle. Auch bonn chance! ein Opfer von Mittelkürzungen?

Heldenverehrung in den Hüpfburgen des Anekdotischen

01.04.08 (Georg Beck) -

„Wie schwer ist es, zu diesem krönenden Geburtstag nur wenige Gedanken auszusprechen.“ Die Verlegenheit Yehudi Menuhins zu Karajans 80. Geburtstag ist geblieben. Was noch sagen, wo alles gesagt, die Superlative ausgereizt, Titel und Würden verliehen, kopiert, wieder eingefügt sind? Heribert Ritter von Karajan, geboren am 5. April 1908 in Salzburg – war er nur im Nebenberuf Kapellmeister, eigentlich aber: das Wunder Karajan, der Dirigent des Wirtschaftswunders, der Generalmusikdirektor Europas, der kontrollierte Ekstatiker, der Maestro der Millionen? Die Auswahl ist ebenso üppig wie unvollständig, wobei im Metaphern­gestöbe, das jetzt zu „Karajan 100“ noch einmal durch die Windkanäle der Feuilleton-Redaktionen und Marketing-Institutionen geschickt wird, sich vergleichsweise rar macht, was Menuhin vorschwebte: Gedanken zu Herbert von Karajan.

Gefühlssturm im U-Bahnhof

01.02.08 (Georg Beck) -

Für die Schlagzeilen sorgten andere. Charme hatten sie alle. Unter den zum NRW-Theaterfestival „Impulse“ eingeladenen Produktionen der freien Szene gefiel auch die einzige Musiktheater-Produktion dieses Festival-Jahrgangs. Obwohl bereits im Herbst 2005 in den Berliner Sophiensälen uraufgeführt, ist die mit Thomas Bernhard aufbereitete Purcell-Adaption erst jetzt in den Impulse-Fokus geraten. Eine Nachlese.

Mehr von diesem Zaubertrank

01.11.07 (Georg Beck) -

„Le vin herbé“, das aus den Spielplänen verschwundene Meisterwerk Frank Martins war der Zaubertrank der zu Ende gegangenen RuhrTriennale. Getragen von der Jungen Deutschen Philharmonie unter Friedemann Layer, einem handverlesenen, hochkarätigen Sänger- und Schauspieler-Ensemble sorgten Regisseur Willy Decker und sein Ausstatter Wolfgang Gussmann für den Theater-Höhepunkt dieser Saison. Nach Festival-Schluss wurde Decker zum künftigen RuhrTriennale-Intendanten proklamiert. Der Zauber könnte vorhalten.
„ Un beau conte d’amour et de mort?“ – „Ein Lied von Liebe und Tod?“ Die Frage des Chors kommt aus dem Pechschwarzen. Musik, die aus dem Dunkeln aufsteigt wie eben das uralte Lied von Tristan und Königin Iseut. Distinkter Chorgesang, seraphische Streicherklänge, die nicht den Sehsinn, der die Oberflächen abtastet, bedienen. Was es auf der von Wolfgang Gussmann eingerichteten Bühne zu sehen gibt, wenn sich das Flügeltor schließlich hebt, kommt ohne grelle Farben aus, besticht durch eine archaisch-klare Formensprache.
Kreis und Linie, Krone und Boot, Kugel und Schwert. Letzteres senkt sich von der Decke der alten Gebläsehalle dieser umfunktionierten Duisburger Industriekathedrale, ohne doch die Liebenden, die da unten eingeschlafen sind, trennen zu können. Am Schwert können sie nicht zugrunde gehen. Sie sind geborgen in ihrer Liebe. Nur an ihr werden sie sterben. Liebe, stärker als der Tod. Eine Plattitüde? Nicht unbedingt, bedenkt man die Entstehungszeit dieses „weltlichen Oratoriums“.

Interview mit Christian Esch, Direktor des NRW-Kultursekretariats, über die Bonner „Freax“-Uraufführung

01.10.07 (Christian Esch) -
„Freax“ von Moritz Eggert war nicht nur ein Auftragswerk von Theater Bonn und Beethovenfest Bonn, sondern auch gefördert aus dem Fonds Neues Musiktheater des NRW Kultursekretariats und vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen. Sich ausschließlich mit einer traditionellen Uraufführungskritik in die Stimmen zur Bonner Uraufführung des Eggert-Schlingensief-Skandals einzureihen, erschien der Redaktion der neuen musikzeitung redundant. Wir wollten einen Blick hinter die Kulissen werfen und führten ein Gespräch mit Christian Esch, dem Direktor des NRW Kultursekretariats.

Diese Sonne brennnt der Sonne entgegen

01.06.07 (Georg Beck) -
Beklemmend das Ende. Vierzehn Gesangssolisten, die sich aus dem Bühnenhintergrund lösen, nach vorn treten und eine Nähe herstellen wie sie dem Kleinen Haus am MIR, dem Gelsenkirchener Musiktheater im Revier per architectonem eingeschrieben ist. Unprätentiös, unmittelbar, unverstellt. So sollte es zugehen an einem der spektakulärsten Theaterbauten der Nachkriegszeit, konzipiert und realisiert vor beinahe einem halben Jahrhundert von Werner Ruhnau. Anlässlich dessen 80. Geburtstages ist im MIR jetzt eine Ausstellung zum Lebenswerk des Architekten zu sehen. Vergangenheit, die beerbt sein will. Etwa in dem Sinn, dass die Akteure an der Rampe auf die Knie gehen, um ein verzweifeltes Trommeln mit den Fäusten zu entfesseln, den Theaterboden Dröhnen machen.

Frische Brise aus Nordost

01.06.07 (Georg Beck) -

Ein Sibelius-Problem? Für einen Moment ist Paavo Järvi irritiert. „A funny way of putting it“, meint er und lacht über diese „amüsante“ Perspektive auf einen Komponisten, den er von der Moderne höchst ungerecht behandelt sieht. Das sei doch der klassische Fall von Selbst­blockade. „Man muss diese Musik nicht mögen, aber sie nicht zu kennen, ist Verarmung.“ Alles selbstverschuldet also? Eine kleine Schweigesekunde später gewinnt ein bis dahin freundlich dahinplä­tscherndes Gespräch über Dirigentenqualitäten im allgemeinen, Dirigiervorlieben im besonderen an Tiefe, wird doch mit einem Mal klar, dass die Kontinentalplatten eines globalisierten Klassik-Verständnisses in Bewegung sind. An ihren Bruchkanten wird Reibungsenergie frei.

Avantgarde mit sozialer Erdung

01.05.07 (Georg Beck) -

Jeweils für ein Wochenende im März lockt das Forum neuer Musik die Freun-
de einer sich neu definierenden Avantgarde in den Kammermusiksaal des Deutschlandfunk. Im Kreis der um Weiterentwicklung und Neuentdeckung sich mühenden Veranstalter ist das Kölner Festival eine wichtige Adresse geworden, obwohl die Programme ganz bewusst einen Bogen machen um Moden, Events und zugkräftige Prominenz. So auch beim diesjährigen „Focus Balkan“. Eine im Windschatten des allgemeinen Interesses stehende Komponisten- und Interpretenszene konfrontierte mit neuen unbekannten Namen und ungewöhnlichen Konzepten – ein Festivalbericht aus fokussierter Perspektive.

Wie viel Utopie braucht der Mensch?

01.12.06 (Georg Beck) -

Auch die Festivallandkarte zur Neuen Musik wird fortgeschrieben. Im Umkreis von Mekka und Medina, Donaueschingen und Witten sind neue Unterzentren entstanden. Fast unbemerkt hat sich in den letzten zehn Jahren auch in einer Stadt wie Mülheim an der Ruhr, überregional bisher vor allem für ihre Theatertage bekannt, ein kleines, aber feines Musikfestival etabliert. Angefangen hat es damit, dass sich ein Kirchenmusiker nach zehnjähriger Berufstätigkeit fragte: Soll das alles gewesen sein? Solches Unbehagen an der Kultur, am kulturellen Status quo, hat ein Festival im Kirchenraum entstehen lassen, das jenseits von Gospel und Musical den Anschluss sucht an die Tradition der Moderne: „Utopie jetzt!“

Neubeginnen. Wiederanknüpfen. Querstehen.

01.11.06 (Georg Beck) -

Wir sind mit ihnen aufgewachsen und sind an ihnen gewachsen. Am Schluss, nach 25 Jahren, waren es rund 100 Ausgaben. Einhundert Mal Nachdenken über Komponisten. Jedes der sandfarbenen Bändchen (gern haben wir sie angefasst – gut lagen sie in der Hand) schien auf seine Weise den „Zwielicht“-Schlussvers verinnerlicht zu haben: Hüte dich, sei wach und munter. „Musik-Konzepte“, herausgegeben von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn, eine andere Form, der Moderne zu huldigen. – Es war einmal. Mit Heft 120/21/22 „Bruckners Neunte im Fegefeuer der Rezeption“ ist diese Geschichte an ihr Ende gekommen. text + kritik, der alte Münchner Verlag seit dem Gründungsjahr 1977, hat eine Kündigung verschickt. Warum genau, bleibt bis heute einigermaßen im Dunkeln.

Inhalt abgleichen

Das könnte Sie auch interessieren: