Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.

Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

Fixsterne am Nachthimmel und andere Leuchtkörper

01.07.08 (Georg Beck) -

Begehbare Skulpturen, ein Museum für bildende Kunst, ein künstlich angelegter Flussumlauf. Architektur, Literatur, Musik in einer renaturierten niederrheinischen Park- und Terassenlandschaft. Dazu ein repazifizierter Natostützpunkt – Museum Insel Hombroich hat viele Facetten. Das Lebens­reformerische des Entwurfs ist spürbar an allen Ecken und Enden. Auch ein pfingstliches, im Biennalerhythmus organisiertes Musikfest hat daran Anteil. Eindrücke von, Einschätzungen zu einer Insel-Exkursion.

Wie viel Wirklichkeit darf es denn sein?

01.05.08 (Georg Beck) -

Nicht nur, was auf einem Festival geschieht, zuweilen bewegt auch, was mit ihm geschieht. Dem Forum neuer Musik, das der Kölner Deutschlandfunk traditionell an einem Frühjahrswochenende ausrichtet, ist dies jetzt passiert. Anlass bot das Schluss­konzert mit dem kanadischen Streichquartett Bozzini, ganz unabhängig davon, dass dessen Diskurs über „Lüge und Identität“ die Eintritts­schwelle neuer Musik merklich unterlief. Das im Niemandsland zwischen Jazz, Pop und Folklore operierende Québecer Komponisten-Gespann Joane Hétu und Jean Derome ließ seine Instrumentalisten auf dem Podium herum­spazieren, spielender- wie sprechender­weise. Anders als Goethe es einst beobachten konnte, unterhielten sich die Vier jedenfalls weniger mit sich und untereinander als jeder mit sich selbst und einem allgegen­wärtigen „bande sonore“, dem Zuspielband.

Zweiterkundungen pianistischer Lava

01.05.08 (Georg Beck) -

Unter allen Komponisten-Vulkanen der Gegenwart zählt Wolfgang Rihm bekannter­maßen zu den aktivsten. Allein die pianistische Lava, die so ein Berg von sich wirft, hat in beinahe vier Jahrzehnten mittlerweile selbst landschaftsbildend gewirkt. Da liegen sie nun – die tonnenschweren Findlinge wie etwa das wild zerklüftete Klavierstück Nr. 5 (Tombeau) aus der Sturm- und Drang-Zeit des Komponisten und, nur ein paar Schritte weiter (da muss sich der Steinfeld­wanderer und Geröllhalden­experte schon bücken, um sie richtig in den Blick zu nehmen) die verhaltenen, so ganz in sich gekehrten „Zwiesprachen“, eigen­tümliche Miniaturen, mit denen sich Rihm auf seine Weise von seinen verstorbenen Freunden und Weggefährten verabschiedet hat.

So poetisch können Orakel sein

01.04.08 (Georg Beck) -

Stimmt der Fingerzeig von NRW Kultursekretariat und Kunststiftung NRW, so liegt in der Neube­stimmung des Verhältnisses von Text, Musik, Szene ein Zukunftsmoment des Musiktheaters. Dessen künstlerischer Mehrwert steht und fällt, so die Annahme, mit dem Bündnis, das Autor, Komponist, Regisseur schließen können und wollen. In Kooperation mit dem Theater Bonn erlebte das jüngste Förderungsprojekt des „Fonds Experimentelles Musiktheater“ jetzt seine Uraufführung – zum letzten Mal, so Generalintendant Weise, im Forum der Bundeskunsthalle. Auch bonn chance! ein Opfer von Mittelkürzungen?

Heldenverehrung in den Hüpfburgen des Anekdotischen

01.04.08 (Georg Beck) -

„Wie schwer ist es, zu diesem krönenden Geburtstag nur wenige Gedanken auszusprechen.“ Die Verlegenheit Yehudi Menuhins zu Karajans 80. Geburtstag ist geblieben. Was noch sagen, wo alles gesagt, die Superlative ausgereizt, Titel und Würden verliehen, kopiert, wieder eingefügt sind? Heribert Ritter von Karajan, geboren am 5. April 1908 in Salzburg – war er nur im Nebenberuf Kapellmeister, eigentlich aber: das Wunder Karajan, der Dirigent des Wirtschaftswunders, der Generalmusikdirektor Europas, der kontrollierte Ekstatiker, der Maestro der Millionen? Die Auswahl ist ebenso üppig wie unvollständig, wobei im Metaphern­gestöbe, das jetzt zu „Karajan 100“ noch einmal durch die Windkanäle der Feuilleton-Redaktionen und Marketing-Institutionen geschickt wird, sich vergleichsweise rar macht, was Menuhin vorschwebte: Gedanken zu Herbert von Karajan.

Gefühlssturm im U-Bahnhof

01.02.08 (Georg Beck) -

Für die Schlagzeilen sorgten andere. Charme hatten sie alle. Unter den zum NRW-Theaterfestival „Impulse“ eingeladenen Produktionen der freien Szene gefiel auch die einzige Musiktheater-Produktion dieses Festival-Jahrgangs. Obwohl bereits im Herbst 2005 in den Berliner Sophiensälen uraufgeführt, ist die mit Thomas Bernhard aufbereitete Purcell-Adaption erst jetzt in den Impulse-Fokus geraten. Eine Nachlese.

Mehr von diesem Zaubertrank

01.11.07 (Georg Beck) -

„Le vin herbé“, das aus den Spielplänen verschwundene Meisterwerk Frank Martins war der Zaubertrank der zu Ende gegangenen RuhrTriennale. Getragen von der Jungen Deutschen Philharmonie unter Friedemann Layer, einem handverlesenen, hochkarätigen Sänger- und Schauspieler-Ensemble sorgten Regisseur Willy Decker und sein Ausstatter Wolfgang Gussmann für den Theater-Höhepunkt dieser Saison. Nach Festival-Schluss wurde Decker zum künftigen RuhrTriennale-Intendanten proklamiert. Der Zauber könnte vorhalten.
„ Un beau conte d’amour et de mort?“ – „Ein Lied von Liebe und Tod?“ Die Frage des Chors kommt aus dem Pechschwarzen. Musik, die aus dem Dunkeln aufsteigt wie eben das uralte Lied von Tristan und Königin Iseut. Distinkter Chorgesang, seraphische Streicherklänge, die nicht den Sehsinn, der die Oberflächen abtastet, bedienen. Was es auf der von Wolfgang Gussmann eingerichteten Bühne zu sehen gibt, wenn sich das Flügeltor schließlich hebt, kommt ohne grelle Farben aus, besticht durch eine archaisch-klare Formensprache.
Kreis und Linie, Krone und Boot, Kugel und Schwert. Letzteres senkt sich von der Decke der alten Gebläsehalle dieser umfunktionierten Duisburger Industriekathedrale, ohne doch die Liebenden, die da unten eingeschlafen sind, trennen zu können. Am Schwert können sie nicht zugrunde gehen. Sie sind geborgen in ihrer Liebe. Nur an ihr werden sie sterben. Liebe, stärker als der Tod. Eine Plattitüde? Nicht unbedingt, bedenkt man die Entstehungszeit dieses „weltlichen Oratoriums“.

Interview mit Christian Esch, Direktor des NRW-Kultursekretariats, über die Bonner „Freax“-Uraufführung

01.10.07 (Christian Esch) -
„Freax“ von Moritz Eggert war nicht nur ein Auftragswerk von Theater Bonn und Beethovenfest Bonn, sondern auch gefördert aus dem Fonds Neues Musiktheater des NRW Kultursekretariats und vom Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen. Sich ausschließlich mit einer traditionellen Uraufführungskritik in die Stimmen zur Bonner Uraufführung des Eggert-Schlingensief-Skandals einzureihen, erschien der Redaktion der neuen musikzeitung redundant. Wir wollten einen Blick hinter die Kulissen werfen und führten ein Gespräch mit Christian Esch, dem Direktor des NRW Kultursekretariats.

Diese Sonne brennnt der Sonne entgegen

01.06.07 (Georg Beck) -
Beklemmend das Ende. Vierzehn Gesangssolisten, die sich aus dem Bühnenhintergrund lösen, nach vorn treten und eine Nähe herstellen wie sie dem Kleinen Haus am MIR, dem Gelsenkirchener Musiktheater im Revier per architectonem eingeschrieben ist. Unprätentiös, unmittelbar, unverstellt. So sollte es zugehen an einem der spektakulärsten Theaterbauten der Nachkriegszeit, konzipiert und realisiert vor beinahe einem halben Jahrhundert von Werner Ruhnau. Anlässlich dessen 80. Geburtstages ist im MIR jetzt eine Ausstellung zum Lebenswerk des Architekten zu sehen. Vergangenheit, die beerbt sein will. Etwa in dem Sinn, dass die Akteure an der Rampe auf die Knie gehen, um ein verzweifeltes Trommeln mit den Fäusten zu entfesseln, den Theaterboden Dröhnen machen.

Frische Brise aus Nordost

01.06.07 (Georg Beck) -

Ein Sibelius-Problem? Für einen Moment ist Paavo Järvi irritiert. „A funny way of putting it“, meint er und lacht über diese „amüsante“ Perspektive auf einen Komponisten, den er von der Moderne höchst ungerecht behandelt sieht. Das sei doch der klassische Fall von Selbst­blockade. „Man muss diese Musik nicht mögen, aber sie nicht zu kennen, ist Verarmung.“ Alles selbstverschuldet also? Eine kleine Schweigesekunde später gewinnt ein bis dahin freundlich dahinplä­tscherndes Gespräch über Dirigentenqualitäten im allgemeinen, Dirigiervorlieben im besonderen an Tiefe, wird doch mit einem Mal klar, dass die Kontinentalplatten eines globalisierten Klassik-Verständnisses in Bewegung sind. An ihren Bruchkanten wird Reibungsenergie frei.

Inhalt abgleichen

Das könnte Sie auch interessieren: