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Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

Neue Musik auf dem west-östlichen Diwan

01.04.04 (Georg Beck) -

Das „Festival für neue Musik“ von DeutschlandRadio Berlin ist gerade verklungen („Vorstoß ins Unerhörte – Das Berliner Festival Ultra-Schall“, nmz 2/04), da zieht das Schwesterprogramm des Senders, Deutschlandfunk in Köln mit dem „Forum neuer Musik“ nach: Kleiner, ohne schicke Installationen und Klangkunstbilder, keine Angebote zum Abhängen in der Late Lounge, keine Debatten über „Vernetzung“ und „Vermittlung“, vor allem aber ohne die großen Namen der Szene, die so gern herumgereicht werden. Vier Konzerte mit lauter „Unbekannten“. – Initiiert vom ehemaligen Neue Musik-Redakteur Reinhard Oehlschlägel präsentierte sich das „Forum neuer Musik“ im Deutschlandfunk jetzt zum dritten Mal in der Verantwortung seines Nachfolgers Frank Kämpfer.

Der Avantgardist als Traditionalist?

01.04.04 (Georg Beck) -
An der Inschrift auf der Fassade, Wagners Meistersingern entlehnt – „Ehrt Eure deutschen Meister – Dann bannt Ihr gute Geister“ – wird es kaum gelegen haben, dass an diesem letzten Februar-Samstag tatsächlich ein voll besetztes Wiener Konzerthaus zu erleben war. Zweitausend ausverkaufte Plätze. Auf dem Programm kein Haydn, kein Mozart, vielmehr die Uraufführung des „Requiems“ von Friedrich Cerha - freilich auch ein Wiener Komponist.

Veränderungen, immer wieder Neues

01.03.04 (Georg Beck) -

Abseits der Metropolen des internationalen Festival- und Opernbetriebes hat sich im rheinischen Düsseldorf ein Treffpunkt experimentellen europäischen Musiktheaters etabliert. Die als Veranstalter firmierende „Europäische Vereinigung für Kammeroper und Musiktheater e.V.“ versteht sich freilich nicht als Standesorganisation. EVKM ist vielmehr Kürzel für den Zusammenschluss von Theaterliebhabern und Theatervisionären aus der freien Szene. Bereits zum vierten Mal ist es jetzt gelungen, ein wochenfüllendes Programm auf die Beine zu stellen. Vielfach in Koproduktion entstanden, präsentierten vom 9. bis 14. Februar Ensembles aus sieben Ländern fünf Ur- und Erstaufführungen – jede Produktion in einem eigenen Raum, an einem besonderen Ort. Die Suche nach dem Musiktheater der Zukunft hat mit „6 Tage Oper“ einen neuen Namen, eine gewichtige Adresse hinzu gewonnen.

Wo die Verhältnisse zum Tanzen kommen

01.12.03 (Georg Beck) -

Sven Thomas Kiebler spielte Lachenmanns „Schattentanz“ als wollte er tatsächlich die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Die kleine Sekunde h-c in höchster Lage repetiert, brachte erst das benutzte Intervall zum Verschwinden, um dann die Nebengeräusche zur Hauptsache werden zu lassen. Der Hintergrund wurde Vordergrund. Gehört wurde nicht mehr ein Lied auf dem Klavier, sondern tatsächlich Klavier auf einem Lied wie Lachenmann selbst einmal über seine Entdeckungsreise ins Innere eines „allzuvertrauten Möbelstücks“ anmerkte. Ein entfesselter 6/8-Rythmus, ein gehetztes Siciliano schob alles, was normalerweise „dahinter“ ist nach vorn, schuf einen fluroeszierenden Hallraum, ließ die Verhältnisse tanzen.

Ein Drittes muss es einfach geben

01.10.02 (Georg Beck) -

Lateinamerikaner und Wahlkölner – wie Mauricio Kagel, dessen Werk er verbunden ist. Pianist und Komponist – wie Béla Bartók, den er als Vorbild nennt. Zugleich unzufrieden mit den Rollen, die das Musikleben anbietet. Als Interpret möchte Paulo Alvares nicht auf den ausführenden Automaten reduziert werden und als Komponist mehr sein als der Autor, der das „Werk“ hervorbringt. Was bleibt?

Salome möchte ganz schnell erwachsen werden

01.06.02 (Georg Beck) -

Zuerst die gute Nachricht. Schneiders „Salome-Prinzip”, zwanzig Jahre nach seiner Entstehung jetzt im Musiktheater Gelsenkirchen uraufgeführt, ist ein Stück, in dem klare Verhältnisse herrschen. Carolyn Sittigs Inszenierung operiert mit einfachen Bildern. Das klein besetzte Kammerorchester bewegt sich beinahe brechtisch mit den Akteuren auf ein- und demselben Bretterboden. Beim Szenenwechsel schiebt der musikalische Leiter Kai Tietje – wie seine Kollegen im Partylook sein Notenpult über die Bühne, um den nächsten Einsatz zu geben.

Durchs Leben hasten – dem Tod entgegen

01.06.02 (Georg Beck) -

Exposition. Mr. Emmet begegnen wir jeden Tag. Morgens sitzt er neben uns in der U-Bahn, den Aktenkoffer aus feinstem Vollrindleder auf den Knien, vertieft ins Studium von Dossiers, vollgeschrieben mit Zahlen und Tabellen. Sendboten des großen Geldes. Emmet kennt seinen Weg. Erst wenn die Bahn am Zielort ankommt und die Türen aufgehen, steht er auf. Nicht früher. Dann aber sehr entschieden, fast scheint er jetzt herauszustürmen. Termine! Bei nächster Gelegenheit treffen wir Mr. Emmet im Gang des Fernzugs. Er eilt in die Erste Klasse, wo er in aller Ruhe seine Lieblingszeitung und weitere Papiere ausbreiten kann. Im Vorbeigehen hinterlässt er eine Duftmarke; Kenner registrieren ein erlesenes Herrenparfum. Noch bevor er die Abteiltür öffnet, klingelt sein Handy.

Wer zuhören will, muss still werden

01.04.02 (Georg Beck) -

Das Altern der Neuen Musik wurde schon früh bemerkt. Unsanft hatte
Adornos Diagnose die sich gerade erst formierende Nachkriegs-Avantgarde wachgerüttelt. Seitdem steht sein Wort als Menetekel auch über jedem Festival: Was ist neu? Was gibt sich nur so? Der Kurator des „Forum neuer Musik“ beim Deutschlandfunk in Köln, Frank Kämpfer, bestätigte jetzt noch einmal die Berechtigung jenes älteren Befundes. „Man muss das Geschaffene immer wieder zerbrechen.“ Den Glaubens-, besser wohl Produktionsgrundsatz des 1990 verstorbenen Komponisten Luigi Nono wandelte er zum Motto eines dreitätigen Konzert- und Diskussionswochenendes im Sendesaal des Kölner Funkhauses. Gegen die Versuchung, die Erfolge von gestern zu kopieren, beschwor Nono – und mit ihm der neu berufene Redaktionsleiter für Neue Musik – das „Moment des Konflikts“.

Pariser Himmel voller Hymnen

01.03.02 (Georg Beck) -

Paris als Stockhausen-Heimspiel. Zumindest an diesem Konzertabend fliegen ihm die Herzen zu. Ganz anders bekanntlich als zu Hause. Dort hat man ihm unlängst – noch ist es gut in Erinnerung – den Teppich unter den Füßen weggezogen. In Hamburg im traurigen Monat September war’s. Das Attentat von New York ein „Kunstwerk Luzifers“? Soviel Verschrobenheit war zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr durch demokratische Errungenschaften wie Kunstvorbehalt und Meinungsfreiheit abgedeckt.

Mikroharmonische Megatoccata

01.11.01 (Georg Beck) -

Ungewohnte Klänge im Vortragssaal des Städtischen Museums Heilbronn. Ungewohnt auch für das Avantgardeerfahrene Publikum beim Internationalen Pianoforum „antasten“. Das kleine, chronisch mit Finanzierungssorgen geschlagene Festival, widmete sich in seiner fünften Ausgabe der Mikrotonalität. Was die großen Festival-Dinosaurier unter allen Umständen leisten (müssen) – sich voneinander unterscheiden nämlich – und wozu sie immer häufiger die Hilfe der Designer wie der ganz großen Geldgeber benötigen, bewirken in Heilbronn (mehrheitlich noch) die Ideen und die Kontakte eines künstlerisch konzipierenden Festivalleiters, des Komponisten Ernst Helmuth Flammer.

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