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Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

Jähes Erwachen aus dem Rausch der Oper

01.04.05 (Georg Beck) -

Am Schluss verkriecht sich Tobias unter die Bettdecke. Licht aus. Ende einer Drogenkarriere. „Kokain“, die zweite Musiktheater-Arbeit des Leipziger Komponisten und Pianisten Steffen Schleiermacher, protokolliert die letzten Stunden eines Suchtkranken. Die Musik erzählt, wie es dem von der Droge Durchgerüttelten ergeht. Bläser verschießen Signale, die sich zum zwölftönigen Stimmengewebe verdichten: Nadelstiche von allen Seiten. Der Getroffene reagiert mit stockendem Gesang. Das bohrende Verlangen nach der Droge als chromatisch aufwärts hetzende Quintolen; die Schwerelosigkeit im Rauschglück als vierstimmiger Chor mit gegeneinander verschobenen, leeren Quinten.

Experiment, Elan, E-Gitarren, Elektronik

01.04.05 (Georg Beck) -

Experimentierfreude beim „Forum neuer Musik“ auch in der Ausgabe 2005. Darin zehrt es noch unterm postmodern-neoliberalen Zeitgeist von der Tradition künstlerischen Aufbruchwillens, hält dessen Elan fest, bleibt zugleich reserviert gegenüber Verengungen. Der Standard „kompositorischer Techniken“ sei, so Frank Kämpfer zum Auftakt des von ihm zum vierten Mal kuratierten Märzfestivals im Deutschlandfunk-Sendesaal, „bekannt, erlernbar, anwendbar, auch: ignorierbar“. Ignorierbar ist jedenfalls nicht, dass der Deutschlandfunk Köln in Gestalt des einzigartigen „Forum neuer Musik“ seinem Kulturauftrag nachkommt – auch ohne große Namen, die Publikum und Feuilleton über Verwerfungen hinwegtrösten könnten. Statt neuer-alter Unübersichtlichkeit mit „stringenten“ Programmen entgegenzutreten, beharrte auch die Forum-Ausgabe 2005 auf der ihr eigenen Gratwanderung – mit bewegenden und verstörenden Eindrücken. Zwei Porträtkonzerte, ein Klavier-Recital, eine multimediale Performance beschrieben die differenten Bahnkoordinaten und Fluchtgeschwindigkeiten von Kunstentwürfen nach dem Urknall des Verbindlichkeitsverlustes.

Georg Katzers „Maschinenmensch“: das erste Kooperationsprojekt von Deutschem Musikrat und Bundeskunsthalle

01.02.05 (Georg Beck) -

„Im allgemeinen zwei- bis viermal“. Jedenfalls „so oft, daß es verstanden werden kann“, meinte Alban Berg auf die Frage, wie häufig ein neues Werk aufzuführen sei. So bescheiden war der Komponist im Krisenjahr 1918 als er sich daran machte, den Prospekt des „Vereins für musikalische Privataufführungen“ zu Papier zu bringen. Von solcher Utopie indes ist die Kunstgemeinde heute, sofern sie (noch) Interesse nimmt am aktuellen Kunstgeschehen, weiter entfernt denn je. „Zwei- bis viermal“? Schön wär’s.

Neue Musik auf dem west-östlichen Diwan

01.04.04 (Georg Beck) -

Das „Festival für neue Musik“ von DeutschlandRadio Berlin ist gerade verklungen („Vorstoß ins Unerhörte – Das Berliner Festival Ultra-Schall“, nmz 2/04), da zieht das Schwesterprogramm des Senders, Deutschlandfunk in Köln mit dem „Forum neuer Musik“ nach: Kleiner, ohne schicke Installationen und Klangkunstbilder, keine Angebote zum Abhängen in der Late Lounge, keine Debatten über „Vernetzung“ und „Vermittlung“, vor allem aber ohne die großen Namen der Szene, die so gern herumgereicht werden. Vier Konzerte mit lauter „Unbekannten“. – Initiiert vom ehemaligen Neue Musik-Redakteur Reinhard Oehlschlägel präsentierte sich das „Forum neuer Musik“ im Deutschlandfunk jetzt zum dritten Mal in der Verantwortung seines Nachfolgers Frank Kämpfer.

Der Avantgardist als Traditionalist?

01.04.04 (Georg Beck) -
An der Inschrift auf der Fassade, Wagners Meistersingern entlehnt – „Ehrt Eure deutschen Meister – Dann bannt Ihr gute Geister“ – wird es kaum gelegen haben, dass an diesem letzten Februar-Samstag tatsächlich ein voll besetztes Wiener Konzerthaus zu erleben war. Zweitausend ausverkaufte Plätze. Auf dem Programm kein Haydn, kein Mozart, vielmehr die Uraufführung des „Requiems“ von Friedrich Cerha - freilich auch ein Wiener Komponist.

Veränderungen, immer wieder Neues

01.03.04 (Georg Beck) -

Abseits der Metropolen des internationalen Festival- und Opernbetriebes hat sich im rheinischen Düsseldorf ein Treffpunkt experimentellen europäischen Musiktheaters etabliert. Die als Veranstalter firmierende „Europäische Vereinigung für Kammeroper und Musiktheater e.V.“ versteht sich freilich nicht als Standesorganisation. EVKM ist vielmehr Kürzel für den Zusammenschluss von Theaterliebhabern und Theatervisionären aus der freien Szene. Bereits zum vierten Mal ist es jetzt gelungen, ein wochenfüllendes Programm auf die Beine zu stellen. Vielfach in Koproduktion entstanden, präsentierten vom 9. bis 14. Februar Ensembles aus sieben Ländern fünf Ur- und Erstaufführungen – jede Produktion in einem eigenen Raum, an einem besonderen Ort. Die Suche nach dem Musiktheater der Zukunft hat mit „6 Tage Oper“ einen neuen Namen, eine gewichtige Adresse hinzu gewonnen.

Wo die Verhältnisse zum Tanzen kommen

01.12.03 (Georg Beck) -

Sven Thomas Kiebler spielte Lachenmanns „Schattentanz“ als wollte er tatsächlich die Verhältnisse zum Tanzen bringen. Die kleine Sekunde h-c in höchster Lage repetiert, brachte erst das benutzte Intervall zum Verschwinden, um dann die Nebengeräusche zur Hauptsache werden zu lassen. Der Hintergrund wurde Vordergrund. Gehört wurde nicht mehr ein Lied auf dem Klavier, sondern tatsächlich Klavier auf einem Lied wie Lachenmann selbst einmal über seine Entdeckungsreise ins Innere eines „allzuvertrauten Möbelstücks“ anmerkte. Ein entfesselter 6/8-Rythmus, ein gehetztes Siciliano schob alles, was normalerweise „dahinter“ ist nach vorn, schuf einen fluroeszierenden Hallraum, ließ die Verhältnisse tanzen.

Ein Drittes muss es einfach geben

01.10.02 (Georg Beck) -

Lateinamerikaner und Wahlkölner – wie Mauricio Kagel, dessen Werk er verbunden ist. Pianist und Komponist – wie Béla Bartók, den er als Vorbild nennt. Zugleich unzufrieden mit den Rollen, die das Musikleben anbietet. Als Interpret möchte Paulo Alvares nicht auf den ausführenden Automaten reduziert werden und als Komponist mehr sein als der Autor, der das „Werk“ hervorbringt. Was bleibt?

Salome möchte ganz schnell erwachsen werden

01.06.02 (Georg Beck) -

Zuerst die gute Nachricht. Schneiders „Salome-Prinzip”, zwanzig Jahre nach seiner Entstehung jetzt im Musiktheater Gelsenkirchen uraufgeführt, ist ein Stück, in dem klare Verhältnisse herrschen. Carolyn Sittigs Inszenierung operiert mit einfachen Bildern. Das klein besetzte Kammerorchester bewegt sich beinahe brechtisch mit den Akteuren auf ein- und demselben Bretterboden. Beim Szenenwechsel schiebt der musikalische Leiter Kai Tietje – wie seine Kollegen im Partylook sein Notenpult über die Bühne, um den nächsten Einsatz zu geben.

Durchs Leben hasten – dem Tod entgegen

01.06.02 (Georg Beck) -

Exposition. Mr. Emmet begegnen wir jeden Tag. Morgens sitzt er neben uns in der U-Bahn, den Aktenkoffer aus feinstem Vollrindleder auf den Knien, vertieft ins Studium von Dossiers, vollgeschrieben mit Zahlen und Tabellen. Sendboten des großen Geldes. Emmet kennt seinen Weg. Erst wenn die Bahn am Zielort ankommt und die Türen aufgehen, steht er auf. Nicht früher. Dann aber sehr entschieden, fast scheint er jetzt herauszustürmen. Termine! Bei nächster Gelegenheit treffen wir Mr. Emmet im Gang des Fernzugs. Er eilt in die Erste Klasse, wo er in aller Ruhe seine Lieblingszeitung und weitere Papiere ausbreiten kann. Im Vorbeigehen hinterlässt er eine Duftmarke; Kenner registrieren ein erlesenes Herrenparfum. Noch bevor er die Abteiltür öffnet, klingelt sein Handy.

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