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Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

Wer zuhören will, muss still werden

01.04.02 (Georg Beck) -

Das Altern der Neuen Musik wurde schon früh bemerkt. Unsanft hatte
Adornos Diagnose die sich gerade erst formierende Nachkriegs-Avantgarde wachgerüttelt. Seitdem steht sein Wort als Menetekel auch über jedem Festival: Was ist neu? Was gibt sich nur so? Der Kurator des „Forum neuer Musik“ beim Deutschlandfunk in Köln, Frank Kämpfer, bestätigte jetzt noch einmal die Berechtigung jenes älteren Befundes. „Man muss das Geschaffene immer wieder zerbrechen.“ Den Glaubens-, besser wohl Produktionsgrundsatz des 1990 verstorbenen Komponisten Luigi Nono wandelte er zum Motto eines dreitätigen Konzert- und Diskussionswochenendes im Sendesaal des Kölner Funkhauses. Gegen die Versuchung, die Erfolge von gestern zu kopieren, beschwor Nono – und mit ihm der neu berufene Redaktionsleiter für Neue Musik – das „Moment des Konflikts“.

Pariser Himmel voller Hymnen

01.03.02 (Georg Beck) -

Paris als Stockhausen-Heimspiel. Zumindest an diesem Konzertabend fliegen ihm die Herzen zu. Ganz anders bekanntlich als zu Hause. Dort hat man ihm unlängst – noch ist es gut in Erinnerung – den Teppich unter den Füßen weggezogen. In Hamburg im traurigen Monat September war’s. Das Attentat von New York ein „Kunstwerk Luzifers“? Soviel Verschrobenheit war zu diesem Zeitpunkt auch nicht mehr durch demokratische Errungenschaften wie Kunstvorbehalt und Meinungsfreiheit abgedeckt.

Mikroharmonische Megatoccata

01.11.01 (Georg Beck) -

Ungewohnte Klänge im Vortragssaal des Städtischen Museums Heilbronn. Ungewohnt auch für das Avantgardeerfahrene Publikum beim Internationalen Pianoforum „antasten“. Das kleine, chronisch mit Finanzierungssorgen geschlagene Festival, widmete sich in seiner fünften Ausgabe der Mikrotonalität. Was die großen Festival-Dinosaurier unter allen Umständen leisten (müssen) – sich voneinander unterscheiden nämlich – und wozu sie immer häufiger die Hilfe der Designer wie der ganz großen Geldgeber benötigen, bewirken in Heilbronn (mehrheitlich noch) die Ideen und die Kontakte eines künstlerisch konzipierenden Festivalleiters, des Komponisten Ernst Helmuth Flammer.

Peter und die namenlosen Wölfe

01.10.01 (Georg Beck) -

„Acanthe“ ist der Bärenklau, ein auch unter Franzosen nicht sehr geläufiges Wort. Im Lexikon steht es gleich hinter „académie“ und „Acadie“. Als 1978, im zweiten Jahr des Sommerkurses, damals noch in Aix-en-Provence, ein neuer Name gesucht wurde – Stockhausen hatte im Gründungsjahr 1977 mit etwas zuviel persönlichem Stallgeruch vom „Centre Sirius“ gesprochen – ließ sich der eingeladene Composer in Residence Iannis Xenakis kurzerhand das Wörterbuch reichen. Bei „acanthe“ blieb der Finger stehen („Klingt hinreichend ungewöhnlich, auch ein bisschen griechisch“) und der Kurs für junge Komponisten und Interpreten der neuen Musik hatte seinen Namen.

Schöne alte Welt

01.07.01 (Georg Beck) -

Düsseldorf, 1983. Schauplatz Robert-Schumann-Hochschule, Abteilung Instrumentalausbildung. Für einen kurzen Moment legen einige Studenten ihre Instrumente zur Seite und stecken dafür etwas intensiver die Köpfe zusammen. Da ist diese leidige Frage, die sie seit geraumer Zeit umtreibt, auf die keiner, außer Achselzucken und mahnenden Hinweisen zur Übedisziplin, bisher eine vernünftige Antwort bekommen hat: Wir studieren Musik im 20. Jahrhundert, doch die Musik des 20. Jahrhunderts kommt in der Ausbildung überhaupt nicht vor!? Einzelunterricht? Gruppenunterricht? Angebote zu A wie Antheill bis Z wie Zimmermann? – Fehlanzeige. Was tun? Vielleicht einmal den Kompositionsprofessor Günther Becker konsultieren...

Vergessene Moderne wird ins Repertoire zurückgeholt

01.03.01 (Georg Beck) -

Die Rubrik „Zukunftswerkstatt“ ist eine der Neuerungen, die die Redaktion der neuen musikkzeitung im 50. Jahrgang einführte. Ebenfalls ins 50. Jahr kommt dieses Jahr die Jeunesses Musicales Deutschland (JMD), deren Verbandszeitung die nmz bereits war, als sie sich noch „Musikalische Jugend“ nannte. Thema dieser „Zukunftswerkstatt“ ist der neue Wettbewerb „Verfemte Musik“, den der JM Landesverband Mecklenburg-Vorpommern initiierte. Für die Zukunft sei, so Thomas Rietschel, Geschäftsführer der JMD in Weikersheim, gemeinsam mit dem Bundesverband der JMD, eine internationale Ausweitung dieses Wettbewerbs geplant: „Verfemte Musik gab es nicht nur im Nationalsozialismus, sondern auch aus den Diktaturen Lateinamerikas und Südostasiens und anderen Teilen der Welt. Überall dort sind Komponisten vertrieben oder unterdrückt worden, weil ihre Arbeit den jeweiligen Machthabern nicht ins Konzept passte.“ Der Wettbewerb soll sich auch in Zukunft speziell an junge Musiker richten, die sich über diesen Wettbewerb künstlerisch mit widerständiger, unterdrückter Musik auseinander setzen. Dabei geht es letztlich auch um das alte Thema Musik und Politik. Wie die Premiere des Wettbewerbs in Schwerin über die Bühne ging, berichtet Georg Beck.

Berlin – Jerusalem – Berlin:

01.12.00 (Georg Beck) -

Am 18. September 1910 in Pinne bei Posen geboren, in Berlin aufgewachsen und ausgebildet, in Jerusalem zu Hause. Josef Tal – im israelischen Musikleben engagiert und involviert – ist sich seiner europäischen Wurzeln stets bewusst geblieben. Auf Empfehlung von Boris Blacher wird er 1969 Mitglied der Akademie der Künste. Namhafte Bühnen zeigen seine Opern: 1971 „Ashmedai“ (Hamburg), 1976 „Die Versuchung“ (München), 1987 „Der Turm“ (Berlin), 1988 „Der Garten“ (Hamburg), 1996 „Josef (Rostock). Doch Wurzeln geschlagen hat das umfangreiche, alle Gattungen umfassende Oeuvre dieses Komponisten hier zu Lande kaum. Die national-identifikatorischen Wunschbilder seiner israelischen Heimat hat Josef Tal vermutlich ebenso oft enttäuscht wie die konventionell-europäischen Erwartungen an einen jüdischen Komponisten. Auch einer trendsetzenden Darmstädter Ästhetik musste eine Musik, die zwischen Bibel und moderner Literatur, Symphonik und Elektronik, Judentum und Zwölfton vermittelt, bestenfalls unverständlich bleiben. Georg Beck traf den Komponisten in seiner Wohnung in Jerusalem zu einem Gespräch, das die Grundlage für seinen folgenden Text bildet.

Perspektiven für die Operntheorie

01.11.00 (Georg Beck) -

Wenn in Berlin über ein Haus der Geschichte nachgedacht wird und gleichzeitig über Sparpläne, was die Opernlandschaft der Stadt angeht, dann wird dabei vergessen: Auch Opernhäuser sind Häuser der Geschichte. Und die sollte man nicht kaputt sanieren. Wenn schon sparen, dann beim teuren name dropping. Wie man mit Teamwork bessere Ergebnisse erzielen kann als mit ausgeprägtem Starkult macht derzeit die mit Ehrungen überhaufte Staatsoper Stuttgart vor. Die Pläne von Berlins Kultursenator Christoph Stölzl zur Erhaltung der drei Berliner Opernhäuser sind jedenfalls auf scharfe Kritik der deutschen Opernintendanz und ihres Vorsitzenden und Generalintendanten der Deutschen Oper, Götz Friedrich, gestoßen. Die Zukunft der Berliner Häuser ist weiter ungewiss. Was die Kulturwissenschaft zur Zukunft der Oper sagt, berichtet Georg Beck für die nmz von einer Tagung in Essen.

Ein Kompendium mit Engpässen

01.10.00 (Georg Beck) -

nmz 2000/10 | Seite 21
49. Jahrgang | Oktober

Das Unberechenbare regt die Fantasie an

01.04.00 (Georg Beck) -

Die Motive für seine fotografischen Arbeiten findet er auf Konzertreisen und Streifzügen in Berlin. Manche haben die Tendenz, wiederzukehren. Grabsteine zum Beispiel. Die mittelalterlich-jüdischen wie sie zahlreich in die Spandauer Zitadelle eingemauert waren oder die vom jüdischen Friedhof Berlin-Weißensee. Jeffrey Burns schaut darauf mit den Augen eines Fotografen, der die Zeichen dokumentiert und zugleich die Distanz zwischen sich und dem Geschehen hinter diesen Zeichen aufheben will. Das Resultat dieser Anverwandlung ist eine sachlich-atmosphärische Schwarz-Weiß-Fotografie. Intensive Dunkelkammerarbeit hat die Konturen aufgebrochen, die Motive aus ihren konventionellen Schwerpunkten und Kraftlinien herausgelöst.

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