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Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

Theoretiker als Komponisten-Versteher

03.11.16 (Georg Beck) -
„sie hat gar keine gedancken. es kömmt nichts.“ Der Stoßseufzer eines Kompositions­lehrers. „Sie“, die „Scolarin“, zwar „magnifique“ als Harfenis­tin mit „unvergleichlichem gedächtnüß“, andererseits eine ziemliche Enttäuschung, was „das sezen anbelangt“. Gehe es ans „schreiben“, „Ennuirt sie sich gleich“. „ich habe es auf alle mögliche art mit ihr Probirt; unter andern kamm mir auch inn sinn, einen ganz simplen Menuett aufzu­schreiben, und zu versu­chen, ob sie nicht eine variation darüber machen könnte? – ja, das war umsonst.“ Keine Frage: An der Marie Adrienne de Bonnières de Guines, Tochter des Adrien-Louis Bonnières de Souastre, Comte de Guines hat sich Mozart die Zähne ausge­bis­sen.

Das politische Festival als moralische Veranstaltung

28.10.16 (Georg Beck) -
Von den drei großen Musiktheaterproduktionen dieser Ruhrtriennale hat Intendant Johan Simons zwei selbst in Szene gesetzt: Christoph Willibald Glucks „Alceste“-Oper sowie die Theateradaption nach dem Buch „Der Fall Meursault – eine Gegendar­stellung“ von Kamel Daoud, genannt „Die Fremden“. Die dritte Musiktheaterproduktion „Earth Diver“ brachte mit den „Chorszenen für ein Musiktheater“ von Nikolaus Brass die einzige musikalische Uraufführung – eine, die Johan Simons komplett als Geschenk in den Schoß fiel.

Spagat auf der Rasierklinge – Uraufführung von „Nacht mit Gästen“ von Stefan Litwin an der Hochschule für Musik Saar

27.10.16 (Georg Beck) -
Saarbrücken, im Oktober – Als Höhepunkt der Premierenfeier gab's noch das Lob von Gunilla Palmstierna-Weiss. Die freundliche alte Dame, angereist aus Stock­holm, fand die wärmsten Worte für Sänger-Darsteller, Regie, Komposition, ausdrücklich für die Kostüm- und Bühnenbilder. Was Letzteres angehe, spreche natürlich die Bühnen- und Kostümbildnerin, allgemein der „Bühnenaffe“ in und aus ihr. Das war nett gesagt, man mochte spontan unterschreiben. Ein dunkles Stück Musiktheater nach einem Theaterstück von Peter Weiss hatte soeben eine glänzende Uraufführung erlebt – an einer bundesdeutschen Musikhochschule.

Bitte keine Ausreden, wenn es um die Zukunft geht

05.10.16 (Georg Beck) -
„So also fand ich die Vorzeit, in mühsamer Untersuchung.“ – Zurückgehen, hartnäckig sein, sich nicht abwimmeln lassen: Tugenden, die für jede Spurensuche nötig sind. Umso mehr, wenn es um Großes geht wie bei diesem Kunstaufbruch der „Budelt­janins“, der „Zukünftler“ wie sie sich selber nannten; nicht viel später ausgelöscht von stalinistischer Reaktion, verschüttet von der Renegaten-Panik sowjetischer Kultur­bürokratie.

Ist Kunst, kann trotzdem weg

28.09.16 (Georg Beck) -
Die Exekutive hat sich festgelegt. Kunst oder nicht, egal. „Kammerphilharmonie Amadé“, eingetragener Verein, Sitz in Köln, Freundeskreis in Münster – kann weg, nach Lage der Dinge muss man sagen: soll weg. Ein nordrhein-westfäli­sches Orchester der freien Szene im freien Fall. Der vermeintliche „Sachzwang“ der „Fakten“, womit eine kommunale Kulturverwaltung operiert, ist falscher Schein. Belastendes wird potenziert, Entlastendes negiert.

Starke Gruppenbildung für 12 bis 15 Instrumente

22.09.16 (Georg Beck) -
Freiburg, im Juli. – Eigentlich haben sie gar keine Zeit, alte Ensemble-Akten zu wälzen. Anderer­seits: Dreißig Jahre Aventure sind mehr als ein einziger Aventurler im Kopf behalten kann. Weswegen man am Gang durch die Ensemble-Geschichte, und sei er noch so kursorisch, gar nicht vorbeikommt, allein schon, um die jetzt im Jubiläumsmonat gehäuft auftretenden Festredner, Grußwortspender, Porträt­schreiber entsprechend zu munitionieren.

Der Nachwuchs lässt die Muskeln spielen – Komische Oper im Doppelpack am Theater Aachen

29.06.16 (Georg Beck) -
Die Stimmen wie die Gesichter. Auf der Bühne, im Graben, sogar im Parkett die Welt zwischen Zwanzig und Dreißig. So gewollt, so praktiziert am Theater Aachen seit 20 Jahren. Seitdem kooperiert man mit der Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Aachen. Die letzte Opernpremiere der Spielzeit, dies der Deal, gehört den Gesangsstudenten und dem Hochschulorchester.

Der Berg, der immer weiter wächst

12.06.16 (Georg Beck) -
Ein außergewöhnliches Leben, ein kaum zu überblickendes Werk. Hansjörg Pauli, der beides aus dem Effeff kannte, hat gerade deshalb gewusst, dass eine verläss­liche Scherchen-Biographie selber ein Titanenwerk wäre. Bis heute steht sie aus. Die Stationen nur anzuschauen, könnte einen schwindlig machen. Zwischen Berlin-Schöneberg, wo Scherchen am 21. Juni 1891 als Sohn eines Gastwirts zur Welt kam und Florenz, wo er am 12. Juni 1966 nach dem Dirigat von Gian Francesco Malipierios „L‘Orfeide“ gestorben ist, liegt die Welt.

Interreligiös auf doppelter Ebene

06.06.16 (Georg Beck) -
Ob das Schöne im Hässlichen gedeiht, gedeihen kann, ist eine alte Frage. In Köln hat man sie jetzt noch einmal aufgeworfen, unfreiwillig. Vermutlich war es einmal mehr Gedankenlosigkeit, mit der man die Uraufführung des in jeder Hinsicht anspruchs­vollen Requiems von Christina Messner zusammen mit drei weiteren Kammermusik-Aufführungen in einen Disco-Schuppen verlegt hatte.

Provinz lebt, wenn sie schöne Nebenwege hat

31.03.16 (Georg Beck) -
Immer im Februar besinnt sich Trier, die Stadt mit dem 2000-Jahre-Erbe auf dem Buckel, auf das Gegenwärtige – in der Kunst. In Kooperation mit der „Gesellschaft für aktuelle Klangkunst Trier e.V.“ veranstaltet man im städtischen Kulturzentrum TUFA ein Festival auf der Grenze von notierter, improvisierter, installativer Musik, ein „internationales Festival für aktuelle Klangkunst“. Dieses Jahr in der 16. Ausgabe: zehn Konzerte, eine Klangkunstausstellung, Workshops für Schüler – ein dicht gepacktes Wochenende.
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