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Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

Großer Mensch am kleinen Instrument

08.09.15 (Georg Beck) -
Wann immer man ihm begegnete, schaute man in ein freundliches Gesicht. Eines, das den Schalk nicht verleugnen wollte. Gelegenheiten gab es zuhauf. Bernd Wiesemann, dieser entschiedene Fürsprecher einer neuen Musik, ging nun einmal gern und oft auch in klassische Konzerte, Alte Musik eingeschlossen. Also traf man sich heute bei Cage und Kagel, morgen bei Bach und Mahler, tauschte sich aus, schätzte solcherart unerwartete Begegnungen. Und freute sich an seiner Offenheit, an der Zugewandtheit, der immer ein Moment von Stille eingeschrieben war. Ein Wesenszug, der ihn vielleicht am klarsten mit John Cage verbunden hat, diesem für ihn nach Mauricio Kagel sicher wichtigsten Komponisten. Den wohl aufrechtesten Anwalt, den sich Cage in Bezug auf die Musikszene der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt denken konnte, hatte der amerikanische Übervater in Bernd Wiesemann.

Ist das jetzt Hochkultur oder tut sie nur so ?

08.09.15 (Georg Beck) -
Salzburg hat seine Festspiele, wir in NRW haben die Ruhrtriennale. Und mit Johan Simons einen neu bestellten Lenker, Denker, Weichensteller, der sich auf die Geschichte mit den umfunktionierten Arbeitsstätten schon unter Gerard Mortier seinen ganz eigenen Reim gemacht hatte. Einen, der der sozialdemokratisierten Theater­seele in jedem Fall aus derselben spricht. Niemand soll sich ja ein schlechtes Gewissen machen müssen, wenn der Glaube an die „Hochkultur“ verloren, der Wunsch nach Theater aber geblieben ist.

Die große Freiheitserzählung

29.07.15 (Georg Beck) -
Ein Jahrhundert-Künstler, der sich gegen seine Verdenkmalung wehrt – geht das? Mikis Theodorakis, Jahrgang 1925, letzter Universal-Musiker mit ziemlich erweitertem Kunstbegriff, macht es vor. Nachzuschauen auf YouTube. Zwei Minuten, die selbst dann erkenntnisfördernd wirken, wenn man des Griechi­schen nicht mächtig ist.

Der billige Triumph des Formalismus

30.06.15 (Georg Beck) -
Einzigartig war es in jedem Fall. Wo und wann kommt es schon vor, dass ein Orchester Gegenstand ist in der Plenarsitzung eines Landtages? In der 87. Sitzung des Landtags von Nordrhein-Westfalen war es soweit. Drucksache 16/9015: Mündliche Anfrage der FDP-Abgeordneten Ingola Schmitz an das zuständige Ministeri­um für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. Thema: „Orchester­förderung in Nordrhein-Westfalen – Weshalb wird der Kammerphilharmonie Amadé eine ihrem Rang angemessene institutionelle sowie projektbezogene Förderung verweigert und der mögliche Konkurs eines Spitzenorchesters damit billigend in Kauf genommen?“

Partiturstudium unter Wölfen – Hélène Grimaud Preisträgerin Klavier-Festival Ruhr 2015

03.06.15 (Georg Beck) -
‚Kennst du nicht?’ ‚Keine Ahnung, bin nicht so firm in der Szene.’ ‚Aber das ist doch die, die mit dem Wolf tanzt!’ – Kleiner Besucherdialog neulich in der Essener Philharmonie. Ein Zufallsfund im großen Gewusele des National-Bank gesponserten Hélène Grimaud-Konzerts mit Verleihung des Preises Klavier-Festival Ruhr an Hélène Grimaud.

Szene: Dänemark

01.06.15 (Georg Beck) -
Anfangen muss man mit Anne und Anna Berit. Wenn sie reden, was insgesamt wenig ist, dann mit leisen Stimmen. Reden müssen sie auch nicht groß. Gefragt sind die beiden vor allem bei den Begrüßungen vor den Konzerten, was dann alles sehr improvisiert wirkt, grundsympathisch, dänisch. Dass der Umgangston dieses Festivals für „contemporary music and sound art“ unter den sonst üblichen Verlaut­barungsschwellen bleibt, hat mit dem Stil von Anne und Anna Berit zu tun, aber auch mit den Veranstaltungsorten.

Die Frage konkret gestellt – gar nicht so einfach

01.06.15 (Georg Beck) -
Schon bevor das Ende naht, ist Schluss. Der Dirigent verlässt das Podium, das Orchester stellt das Musizieren ein, die Lichtregie legt den Schalter auf halbe Kraft. Im Moment flackert es schummrig, als ob sich die Birnen verabschieden wollten. Wie auch schon zuvor immer dann, wenn Heiner Goebbels alte Musik hat ausführen lassen. Jetzt lässt er musikFabrikler, Concerto Köln und Dirigent Pierre-André Valade zu fernöstlichen Klangschalen greifen, damit sie selbige bereiben. Immer schön im Kreis herum. Das ergibt zwar keinen Ton, aber eine hypnotisierende Grundierung, auf der Marco Blaauw, meis­terlich wie wir es von ihm gewohnt sind, ein Trompeten­solo draufsetzen kann: Was bleibt, ist der Jazz. Davor war alte Musik. Davor war neue Musik. Alles Geschichte.

Spuren von Partituren, aus dem Geröll gehackt

01.06.15 (Georg Beck) -
Nach Witten kommen, hat immer etwas von Ankommen. So lang man Witten denken konnte (und gab es wirklich eine Zeit, da dies nicht der Fall war?), ist es diese sehr spezielle Witten-Willkommens­kultur, die transportiert, was heute fast zum Luxusgut geworden ist. Wer immer sich als Freund einer neuen Musik durch gewisse neuere Entwicklungen dieser neuen Musik aufgestört oder gar verstört fühlt – in Witten findet er vertrautes, weitgehend verschiebungs­freies Gelände vor. Wofür schon das Entree in den städtischen Saalbau sorgt. Musik – das (so die stumme Botschaft zu Festival­zeiten) sind doch die Partituren! Hier, so rufen sie uns zu, begegnest du des Pudels Kern!

Das kleine Chorwunder von der Ruhr

15.05.15 (Georg Beck) -
Werk klingt nach Arbeit, was zumal im Ruhrgebiet (Strukturwandel hin oder her) immer noch gern mit Maloche verdolmetscht wird, ganz und gar ungeachtet der Tatsache, dass das schweißtreibende Untertagewerken nun längstens der Vergangenheit angehört. Doch auch wenn der Himmel mittlerweile blau geworden ist über der Großagglomeration von Ruhr und Emscher, die alten Namen Revier und Pott (gern auch mit den Präfixen Kohlen- und Ruhr-) verhalten sich wie die Etiketten längst geleerter Flaschen, sie verschwinden nicht so schnell.

Zwischen Schmonzette und Identitätskonstruktion

13.05.15 (Georg Beck) -
Man freut sich über eine solche Ankündigung. Endlich eine Publikation, die aufgreift, was sowieso mit Händen zu greifen ist und den Liebhabern einer zeitgenössischen Kunstmusik in jedem zweiten, dritten Konzert über den Weg läuft. Komponisten, deren Biographien kreuz und quer durch die Windrose gehen und deren Werke Namen tragen, die sich haargenau dieser Erfahrung verdanken. „Komponieren im Kontext der Globalisierung“. Tendenz steigend.
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