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Alle Artikel kategorisiert unter »Georg Beck«

Fernüberwachung Bach’scher Fugen

11.12.14 (Georg Beck) -
Dresden 1949. Das Staatsgründungsjahr der DDR ist für viele ein Neuanfang. Für Herbert Collum ist es eine weitgehend pathosfrei erlebte Zäsur. Eine, die allerdings auch ihm Erklärungen abverlangt in Gestalt eines ausgegebenen „Personalbogens“. Das Ergebnis: ein im Jahr 1949 noch auf halbem Weg befind­liches Künstlerleben, zusammengefasst auf vier Seiten, ohne „unzulässige Striche“. Ein Zusatz, der durchaus begründet war insofern solch amtsschimm­lige Papiere hüben wie drüben Fragen aufgeworfen haben, die den Befragten unwei­gerlich an unangenehme Dinge erinnern mussten.

Unsere Klassik-Seele zwischen Balsam und Schrecksekunde – Ein Kulturpolitisches Forum von WDR 3 diskutierte die „gesellschaftliche Relevanz“ der klassischen Musik

19.11.14 (Georg Beck) -
6 Prozent gehen regelmäßig ins Konzert. 2 Prozent hören WDR 3. Soweit die Fakten wie sie eine Podiumsdiskussion bei den Tagen Alter Musik in Herne für belastbar erklärte. Nur, was bedeuten sie, die Zahlen und „Fakten“? Was sagen sie über eine Welt knapp über respektive deutlich unter 5 Prozent? Grund, um Alarm zu schlagen? Oder ist alles nur halb so schlimm? Das Podium jedenfalls war sich unsicher. Und hat so manche andere Fragen unter den Tisch fallen lassen.

Hochofen neuen Typs im Vorführbetrieb – Das Essener E-MEX-Ensemble befeuert eine Video-Oper von Fausto Romitelli

17.11.14 (Georg Beck) -
Körper mit kritischer Masse haben die Wahl. Im Sog ihrer Schwerkraft kollabieren, dank übergroßer Fliehkraft explodieren. Oder die Balance halten wie „An index of metals“. Im erstarkten Essener Neue Musik-Festival „NOW!“ war die Video-Oper des 2004 verstorbenen italienischen Komponisten Fausto Romitelli ein Höhepunkt. Ersteindrücke als Laborbericht.

Versöhnt euch denn ihr Brüder – „Abraham – eine Oper von heute“ beim düsseldorf festival! uraufgeführt

15.11.14 (Georg Beck) -
Oper und Kirche, Oper in der Kirche. Das Spiel mit dem Schein an einem Ort, wo er nicht vorgesehen ist? Geht und darf, sagt die Praxis. Auch in Düsseldorf. Dort sind die Bedingungen sogar derart günstig, dass die Liaison eine bemerkenswerte Weiterung erfahren hat: Oper durch Kirche.

Vom „Aufschrei“ und vom Aufschrei gegen denselben – 11. Ausgabe des Mülheimer „Utopie jetzt!“-Festival

29.10.14 (Georg Beck) -
Im Einführungsgespräch soll der Komponist der bevorstehenden Uraufführung sagen, welche „Gesichter“ von ihm uns in seiner Musik „begegnen“ werden. Ein Begehren, das uns an einen anderen Reporterkollegen erinnert, der einen namhaften Schriftsteller mit der Bitte konfrontierte, er möge doch einmal „mit seinen eigenen Worten“ sagen, was in seinem neuen Buch stehe. Wie also? Künstler, die nicht mehr gelesen, gehört, sondern nur noch interviewt werden?

Was soll da verschwurbelt sein?

05.10.14 (Georg Beck) -
Sie hat sich zurückgemeldet. Frankfurts Oper legt wieder den Finger in die Wunden der Zeit: Palästina-Konflikt, globalisierte Öko­no­mien, Geschlech­terkämpfe. Drei Uraufführ­un­gen in zwei Spielzeiten. Aufträge an den israeli­schen Kompo­nisten Lior Navok, an Péter Eötvös sowie an Rolf Riehm, das Frankfurter Urgestein. Für die Produkti­o­nen der beiden Letzteren hat sich der Vorhang bereits gehoben.

„Elias“-Experimente – Knechtsteden Festival Alte Musik macht von sich reden

22.09.14 (Georg Beck) -
Kein Festivalbetrieb ohne diese Frage: Wie (immer wieder) neue Aufmerksamkeit herstellen für die alten Schlachtrösser der Konzertliteratur? Dabei hatte Hermann Max sein Ziel am Ende erreicht, konnte er doch sein Publikum „mit dem Gefühl nach Hause“ entlassen, ihm den „Elias-Mythos glaubhaft, natürlich und spannend“ erzählt zu haben. Nur eben trotz, nicht wegen dieses Regieeinfalls, um den man in Knechtsteden so viel Wind gemacht hatte: Maskierte Solisten.

Entropie der Geschlechter – Rolf Riehms „Sirenen“-Oper in Frankfurt uraufgeführt

15.09.14 (Georg Beck) -
Eine Oper über die abgründige Triebmacht der Liebe. Musiktheater, das noch einmal Eros auf Thanatos buchstabiert, das sein Personal aus dem antiken Mythos bezieht und doch ganz von heute sein will. „Kirke, die Sirenen, Odysseus – das sind Namen. In Wahrheit sind wir es selbst, die in den Konflikten von Liebe und Verrat, Abschied, Begehren, Sehnsucht und Todesdrift schier unterzugehen drohen.“

Warum das Beste gerade gut genug ist – Leon Fleisher dirigiert die Kammerphilharmonie Amadé

12.09.14 (Georg Beck) -
Der erste öffentliche Auftritt mit Acht. Ergibt für den heute 86jährigen Leon Fleisher 78 Bühnenjahre. Der große alte Mann ist mittlerweile selbst ein Meer – an Erfahrung, an Humor und Liebenswürdigkeit sowieso. Wie an Bereitschaft, weiterzugeben. Wie jetzt, als er unterstützt von seiner früheren Schülerin, der wunderbaren Pianistin Margarita Höhenrieder, Beethovens B-Dur-Konzert und die Mozart-Sinfonien 1 und 29 musizierte. Auf besonderen Wunsch der Beiden gemeinsam mit der Kammerphilharmonie Amadé.

Castellucci-Fantasien – Feldman/Becketts Avantgarde-Oper Neither bei der Ruhrtriennale

08.09.14 (Georg Beck) -
Es ist der Hit dieser Ruhrtriennale: Tiere auf der Bühne. Den Anfang gemacht hatte Festivalchef Heiner Goebbels. Im großen Misterioso um Andriessens De Materie durfte eine Schafherde auflaufen. Irgendwie wollte sich Romeo Castellucci da wohl nicht lumpen lassen. Für Morton Feldmans Experimental­oper Neither, ein auskomponierter Trance-Zustand auf ein hermetisches Textfragment von Samuel Beckett aus dem Jahr 1977, hatte er mit Hund und Katz und Pferd den Streichelzoo komplettiert.
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