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Alle Artikel kategorisiert unter »Jörn Florian Fuchs«

Makellose Märchenoper – Thierry Escaichs „Shirine“ wurde an der Oper Lyon uraufgeführt

11.05.22 (Jörn Florian Fuchs) -
So etwas gibt es manchmal. Alle machen alles irgendwie richtig und trotzdem fehlt am Ende etwas. Im Falle der neuen Oper des französischen Komponisten und Organisten Thierry Escaich ist das so. Ein Bericht von Jörn Florian Fuchs aus Lyon. Er konstatiert: „Man folgt allem durchaus gerne, es gibt schöne Schauwerte mittels häufig wechselnder, leicht übernaturalistischer Settings (Bühne: Etienne Pluss, Kostüme: Wojciech Dziedzic), aber die szenischen und musikalischen Funken fehlen.“

Eine Revolution aus Klang und Spiritualität – Hossam Mahmouds Oper „Tahrir“ wurde am Salzburger Landestheater uraufgeführt

28.05.15 (Jörn Florian Fuchs) -
Auf dieses Stück hat man lange gewartet, vermutlich ohne es wissen. Eine Reflexion auf das heutige politische und gesellschaftliche Geschehen in Ägypten – doch weit darüber hinausgehend –, ohne die Darstellung von Gewalt, dafür mit einer völlig unprätentiösen spirituellen Dimension. Der aus Kairo stammende, seit langem in Salzburg lebende Komponist Hossam Mahmoud hat sich schon mehrfach mit den Umbrüchen in der arabischen Welt auseinandergesetzt. Vor zwei Jahren reflektierte er in seiner Oper „18 Tage.....“ Hoffnungen und Enttäuschungen des arabischen Frühlings und wählte dafür authentische Textquellen. Sein neues Stück „Tahrir“ zeigt einerseits die konkreten Schicksale vierer Protagonisten, blickt andererseits jedoch weit über den tagesaktuellen Tellerrand hinaus.

Vergifteter Boulevard – Christoph Marthaler kredenzt in Basel „Das Weisse vom Ei“

23.12.13 (Jörn Florian Fuchs) -
Worum es genau an diesem Abend gehen soll, verrät uns immerhin das Programmheft. Eigentlich ist es aber völlig egal, denn wir befinden uns ja bei Christoph Marthaler und seinem diesmal achtköpfigen Ensemble, das sich zwei Stunden lang tapfer schlägt. Bewaffnet mit unzähligen T(r)icks, teils bewusst verschluckter Sprache und einer großen Portion Musikalität, agiert die Truppe skurriler Geschöpfe in einem zwischen abgeblätterter Tapete und übertriebenem Plüschpomp schwankenden Salon (Bühne: Anna Viebrock).

Kinderquatsch mit Attilala: Peter Konwitschny zeigt Giuseppe Verdis „Attila“ als schrillen Comedy-Comic in Wien

14.07.13 (Jörn Florian Fuchs) -
Bis zum fünften Bild bleibt es erstaunlich ruhig im Zuschauerraum, doch dann bricht plötzlich ein Sturm der Entrüstung los. Einigen Premierenbesuchern wird Peter Konwitschnys Verdiparty jetzt wohl doch zu viel. Minutenlang liefern sich zwei unversöhnliche Lager eine verbale Schlacht, während Dirigent Riccardo Frizza immer wieder versucht, mit dem Taktstock für Ordnung zu sorgen – vergeblich.

Wagner und Nietzsche feiern eine Orgie: Uraufführung der „Tragedy of a Friendship“ in Antwerpen

01.07.13 (Jörn Florian Fuchs) -
Der Intendant der Vlaamse Opera kommt ganz in Weiß an diesem Abend. Aviel Cahns Anzug wirkte auch noch zur mitternächtlichen Premierenfeier frisch und unversehrt, während die ebenfalls schneeweißen Kleidungsstücke der Akteure arg leiden mussten. Dies lag vor allem an diversen Körperflüssigkeiten, denen Stoffe wie Menschen ausgesetzt waren. Belgiens Theaterkrawallo Jan Fabre hat wieder zugeschlagen und bietet in seiner über dreistündigen Performance „Tragedy of a Friendship“ einen wüsten, wütenden Mix aus viel Gewalt und Sex, mit nur wenigen ruhigen Momenten.

Hier spielen wirklich alle verrückt: Francesco Provenzales „La Stellidaura vendicante“ bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik

09.08.12 (Jörn Florian Fuchs) -
Es ist wirklich ganz fürchterlich. Und passiert immer wieder. Vor allem in den letzten Jahren auf großen Festivals und an renommierten Häusern. Man sitzt mindestens drei, im schlimmsten Fall auch mal über fünf Stunden im Theatersessel und lässt eine so genannte Ausgrabung über sich ergehen. Irgendein Intendant beauftragte studentische Hilfskräfte oder vermeintliche Experten mit dem Herumwühlen in staubigen Archiven, um den Spielplan mit einer Novität aufzurüsten. Interessanterweise steckt in „Ausgrabung“ ja auch das Wort „Grab“… Und selbst der allergeneigteste Zuhörer mag im einen oder anderen Fall darüber nachsinnen, ob nicht das Oeuvre des einen oder anderen Tonsetzers zu Recht in Frieden ruht.

Wuchtiges Klangspektakel am Bosporus: Fazil Says 2. Symphonie wurde beim 40. Istanbul Music Festival uraufgeführt

28.06.12 (Jörn Florian Fuchs) -
Es ist leicht, sich über Fazil Say lustig zu machen. Als Pianist spielt er gern – unter lautem Stöhnen – extravagante Kadenzen, als Komponist schreibt er gut hörbare Kompaktpartituren, die westliche Ohren in nicht allzu gewagte Klanggefilde führen. Immerhin gibt es oft schön gesetzte Orient-Ornamente und gelegentlich benutzt Say Instrumente, die nicht unbedingt zum Standardmobiliar eines Symphonieorchesters aus unseren Breiten gehören.

Musikalischer Triumph in szenischem Sumpf: Pereiras Dernière – Daniele Gatti und Matthias Hartmann stemmen Hindemiths „Mathis der Maler“ in Zürich

17.06.12 (Jörn Florian Fuchs) -
An solch einem Abend gibt es die eigentliche Oper vor der Oper. In schneeweißem Anzug rauscht der Noch-Intendant in seine Loge, ein Kamerateam folgt auf dem Fuße und der Saal applaudiert, als gelte es einem König oder Regierungschef zu huldigen. Ein Opernkönig ist Alexander Pereira ja zweifellos, allein schon weil er 21 Jahre lang putschlos durchgehalten hat! Auf der Hinterbühne des Zürcher Opernhauses geht es rund viereinhalb Stunden später munter weiter mit den Festivitäten. Bei Maultaschen und Hochprozentigem wird das scheidende Oberhaupt bejubelt, besonders berührend Thomas Hampsons Eloge auf den „besten Intendanten in der ganzen Welt“ (in schön akzentuiertem Deutsch) und die warmen, sehr persönlichen Worte von Chefdirigent Daniele Gatti (in radebrechendem Englisch).

Die Revolution streichelt ihre Kinder: Wolfgang Rihms „Eroberung von Mexico“ als Fluxus-Fasching in Saarbrücken

22.04.12 (Jörn Florian Fuchs) -
Mit eher leichtem, aber unruhigem Trommelgewirr geht die Chose los. Von allen Seiten kommt das, vor allem aus den Rängen. Vorn auf der Bühne des Saarländischen Staatstheaters nehmen derweil gemächlich festlich gekleidete Musiker Platz, Gesangssolisten erscheinen, auch der Dirigent eilt herbei. Wir sehen einen Konzertsaal im Stil der Fünfziger oder Sechziger Jahre. Bald strömen gewaltige Orchesterfluten, zarte Kantilenen heben und senken sich in einem häufig nervös durchzuckten Klangmeer. Ganz oben thront sogar ein Organist, der zwar Noten hat, aber nichts spielt. Hatten wir da einen Bericht der Tagespresse verpasst? Gibt es wieder mal Streik? Warum in aller Welt stellt das Programmheft ein Regieteam vor?

Viel Lärmen um ziemlich wenig: „Carmen“ bei den Osterfestspielen Salzburg

01.04.12 (Jörn Florian Fuchs) -
Eine heißblütige, aber sehr wankelmütige Frau zwischen mindestens zwei Männern – das ist, kurz gefasst, die Handlung von Bizets „Carmen“. Um diese Oper wirkungsvoll auf die Bühne zu bringen, braucht es ein paar Zutaten: eine nicht nur vokal temperamentvolle Sängerin für die Titelpartie, ein blech- und taktsicheres Orchester sowie eine Regie, die zumindest Carmen und den von ihr verschmähten Don José wirkungsvoll in Szene setzt. Letzterer sollte vielleicht auch noch ganz schön und authentisch schluchzen können.
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