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Alle Artikel kategorisiert unter »Marcus A. Woelfle«

Neues von Gestern

17.10.19 (Marcus A. Woelfle) -
Unzählige Schätze schlummern in Archiven und obwohl deren Wert bekannt ist (und wenn nicht gerade eine Panne passiert wie die Löschung mehrerer Dexter Gordon-Konzerte beim dänischen Rundfunk), vergehen oft Jahrzehnte, bevor sie jemand herausbringt. Denn ein finanzielles Risiko ist dies sogar bei Großmeistern des Jazz. Der Markt scheint dafür zu klein zu sein und doch werden immer wieder für diesen wichtigen, ja unerlässlichen Zweck beherzt Labels gegründet.

Jazzliebe und Schlagerlaufbahn

18.06.19 (Marcus A. Woelfle) -
Vor allem in Deutschland hegten Jazzfans und Kritiker lange das Vorurteil gegen Vokalisten, sie hätten den Jazz nur als Leiter zu einer ertragreicheren Karriere missbraucht. Wer sich in die Niederungen des Schlagers begab, wurde mit Verachtung gestraft. Abgesehen von der verqueren Moral, ein Künstler solle lieber verhungern als Erfolge zu feiern, übersah die „Jazzpolizei“ dabei zweierlei: Wer seine Karriere in der Swing-Ära startete, empfand Jazz als einen Teil der Unterhaltungsmusik mit Massenpublikum, daher nahm und nimmt man in den USA die Grenzen zwischen Jazz und Pop nie so genau; andererseits ließen die Plattenfirmen wenig künstlerische Freiheiten, hüben wie drüben.

Die wogenden Cluster des Cecil Taylor

18.02.19 (Marcus A. Woelfle) -
„Der Versuch, von den Jobs mit Cecil zu leben, erweist sich als absolut unmöglich; es gibt einfach keine ökonomische Basis für eine derartige Musik. In Clubs ist sie völlig unverkäuflich, vor allem deswegen, weil jede Komposition eineinhalb Stunden dauert oder jedenfalls dauern könnte. Barbesitzer sind an so etwas nicht interessiert, denn wenn es etwas gibt, was sie hassen, dann sind es Leute, die mit offenem Munde dasitzen und von der Musik völlig in Anspruch genommen werden, Barbesitzer wollen Getränke verkaufen.

Neues und Seltenes von Miles & Trane

07.10.18 (Marcus A. Woelfle) -
Wie Jeanne Moreau durch das nächtliche Paris irrt, den Geliebten sucht, der für sie zum Mörder wurde, wie sie hofft und bangt, Selbstgespräche führt, das hat sich ins kollektive Unbewusste eingegraben, das machte sie zum Star – doch vermutlich hätte man diese Szenen des Films „Fahrstuhl zum Schafott“ längst vergessen, hätte nicht Miles Davis dazu Musik geschaffen, die an die Nieren geht, auch wenn man die Bilder nicht sieht.

Magie der Gitarre

17.05.18 (Marcus A. Woelfle) -
Freilich freut man sich, wenn man die Debüt-CD eines jungen Musikers hört, dem man Talent attestieren kann. Hat man je einen größeren Wirbel um Bireli Lagrene gemacht, denn als er 13 war? Je jünger, desto faszinierender? Man kann auch eine andere Geschichte erzählen. Der Gitarrist John Collins war 68 als er 1982 sein erstes Album als Leader einspielte. Ich kann mich noch an die Verwunderung der Fachleute darüber erinnern, dass ein so befähigter Musiker, der immerhin einst bei Nat King Cole gewirkt hatte, so spät in seinem Leben diesen Schritt unternahm. Und nun erlebt man das staunenswerte Debüt eines 75-jährigen und wundert sich, wie all die Jahre so ein Riesentalent geheim geblieben ist.

Tenortitanen der 60er- und 70er-Jahre live

14.11.17 (Marcus A. Woelfle) -
Stehen zwei Tenoristen auf der Bühne, wird diese leicht zur Arena und die musikalische Auseinandersetzung ein Zweikampf. Von „tenor battle“ spricht man da, einer Art modernen Gladiatorenkampfs zur Befriedigung martialischer Gelüste kunstsinniger Leute. Es gab aber schon immer Ausnahmen von der Regel, Musiker, die miteinander, nicht für das Publikum gegeneinander spielten.

Anknüpfungspunkte

18.07.17 (Marcus A. Woelfle) -
Als Maurerklavier, Quetschkommode, gar Wanzenquetsche wurde es lange belächelt. Wenn das Akkordeon heute im Jazz ernst genommen wird, liegt das nicht zuletzt daran, dass der Franzose Richard Galliano seine Finger im Spiel hat, die ihm einen klanglichen Nuancenreichtum entlocken, der an große Bläser, Organisten oder Sänger erinnert. Mit „New Jazz Musette“ (Ponderosa) knüpft er an das Album „New Musette“ von 1991 an, dem er seinen Durchbruch verdankte, als er den Rat seines Mentors Astor Piazzolla befolgte, nicht nur amerikanischen Vorbildern nachzueifern: „Schaffe einen ‚Musette Neuve‘-Stil, wie ich den Tango Nuevo erfunden habe.“ Hier verschmilzt der Meister aus Nizza wieder Elemente urfranzösischer „Caféhausmusik“ und des modernen Jazz, nicht nur in Musettewalzern, sondern auch in Blues, Tangos und chansonesken Balladen. Poetische Verträumtheit, mediterrane Eleganz und blitzsaubere Virtuosität gehen Hand in Hand; alles ist licht und leicht, doch nicht leichtgewichtig. Den Eindruck mitreißender Frische und heiterer Gelöstheit unterstreicht die federleichte Begleitung des Bassisten Philippe Aerts und des Drummers André Ceccarelli, während der Gitarrist Sylvain Luc zur zweiten Solostimme wird, in der das Erbe Django Reinhardts weiterlebt.

First Lady of Song und universales Rollenmodell

25.04.17 (Marcus A. Woelfle) -
Sie war 17, hatte eigentlich Tänzerin werden wollen und eher zufällig als Sängerin einen Wettbewerb gewonnen, als sie im Orchester des Schlagzeugers Chick Webb anfing. Doch der war zunächst skeptisch. Was sollte dieser Teenager, der wesentlich jünger aussah, mit der beinahe kindlichen Stimme singen? Die üblichen Liebeslieder würde man ihr wohl doch nicht abnehmen! Eher aus Verlegenheit fand der erfahrene Bandleader die Erfolgsformel für die bereits 1937 laut Umfrage beliebteste Sängerin: Er sammelte für Ella ein Repertoire lustiger Songs, die oft wie ihr erster großer Hit „A-Tisket, A-Tasket“ im Gewand swingender Kinderlieder daherkamen oder zumindest zu ihrer unschuldig und rein klingenden Stimme passten.

Dizzy Gillespie auf Reisen

09.04.17 (Marcus A. Woelfle) -
100. Geburtstage – so der Dizzy Gillespies im Oktober – werfen ihren Schatten voraus. Grund genug, einige Neuerscheinungen mit seiner Musik näher zu behorchen. Nicht erst 1964, als er für die Präsidentschaft der USA kandierte, war er auch ein politischer Faktor. 1956 schickte das State Departement Dizzy als Kulturbotschafter durch Asien, Afrika und Osteuropa, in Zeiten des kalten Krieges als die Russen durch Ballett und klassische Solisten bestens vertreten waren, eine kluge Entscheidung. Er hatte in den 40ern den Bebop mit aus der Taufe gehoben, dann dessen großorchestrale Variante und mit ihr den Cubop. Nun begleitete ihn eine neue Big Band, die ohne staatliche Finanzierung nicht hätte bestehen können.

Der „Fats Waller der Posaune“

12.02.17 (Marcus A. Woelfle) -
Normalerweise ist vor „Best of“ oder gar „Greatest Hits“-Alben zu warnen. Aber es gibt sie eben doch, Kenner, die ein kaum zu übersehendes Gesamtschaffen so liebevoll zusammenstellen und kenntnisreich kommentieren, dass stimmige Portraits entstehen. Im Fall des Labels „Retrospective“ gelingt das vorzüglich bei einigen vermeintlichen Kleinmeistern und Nebendarstellern des Jazz, die, so unter die Lupe genommen, als richtige Klassiker Kontur gewinnen.
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