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Alle Artikel kategorisiert unter »Theo Geißler«

Im Auge des Echo-Gülle-Rap Orkänleins: Kulturgroschen des Deutschen Kulturrates an Norbert Lammert verliehen

Es war sicher kein verbaler Frühlingsspaziergang, den Kulturratspräsident Christian Höppner bei seiner Start-Ansprache zur Kulturgroschen-Verleihung des Deutschen Kulturrates an Norbert Lammert abzuschreiten hatte. Zu tief war er speziell in seiner Funktion als Beiratsmitglied in die Prämierung des Gülle-Rap-Songs der Hasssprüh-, Dreckssex- und Nazi-Kollegah-Sauereien des „wichtigsten deutschen Musikpreises namens Echo“ (da hilft nur noch: tief beerdigen) – eingebunden. Immerhin gab er – und das war sehr anständig, seinen Beurteilungsfehler zu und verabschiedete sich von dem offensichtlich ohnedies überflüssigen Gremium (die Preis-Entscheidung war angeblich schon im Vorfeld gefallen). Eine kleine Spitze konnte sich der fabelhafte Norbert Lammert nicht verkneifen: Er hätte Höppners Apologie gern am Ende, nicht am Beginn seiner Ehrung platziert gehabt.

Rechts zwo drei

01.04.18 (Theo Geißler) -
Es ist schon bitter. Da wird nachträglich als späte zarte Nachgabe zu seinem zehnten Geburtstag in Sachsen-Anhalt ein Musikfestival ausgehungert. Sein Name, ausgerechnet: „Impuls“ – ein Gestaltungsfaktor, den sehr viele andere Bundesländer nötig hätten. Den Landeszuschuss senkt Kulturminister Rainer Robra (CDU) eben mal um 50.000 Euro auf nur noch 100.000 mit dem Argument, Impuls böte „zu wenig Uraufführungen und zu wenig zeitgenössische Musik“. Unter das Festival-Publikum kann sich der Herr Minister nicht oft gemischt haben.

Ausge-Presst?

02.03.18 (Theo Geißler) -
Konkurrenz belebt das Geschäft? Eine dieser schleimschmeichelig verlogenen Waber-Phrasen unserer asozialen Marktwirtschaft. Fusion ist angesagt im Medien-Paradies, oder noch besser Verdrängung. Und was nicht den raschen Reibach abwirft, wird dichtgemacht und verscharrt. Der Konkurrent wird billig aufgekauft und eingestellt. Da wird mittlerweile auch auf kulturelle Institutionen – die einstmals schlicht mangels kapitaler Masse oder vielleicht auch erfreulicherweise bildungsbürgerlicher Einsicht und Vision folgend schon mal verschont wurden – keine Rücksicht mehr genommen. Wir allerdings, in unserer Musiknische, die ja eigentlich sehr eng ist und scheint’s spitze Ellenbogen anempfiehlt, beobachten das Verdorren kulturjournalistischer Qualitätsprodukte mit Sorge und Trauer.

Umbruch?

01.02.18 (Theo Geißler) -
Kramt man im Web nach dem Begriff, werden einem zunächst zwei Definitionen angeboten: Die eine aus dem Bereich des Druckwesens ist sozusagen des Verlages täglich Brot: das Festlegen von Seiten-, Spalten- oder Zeilenenden in einem Text. Gleich die zweite kündigt eine Veränderung an, die grundlegend und folgenreich ist. Vor fünfzig Jahren widerfuhr unserem Intelligenzblatt beides gleichzeitig.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal gelernt habe, welche Kraft ein Hashtag entfalten kann

21.12.17 (Theo Geißler) -
Hinweis: Wenn Sie die Politik & Kultur 1/2018 schon gelesen haben, können Sie sich die folgenden drei Absätze sparen. Sie dienen der Information unserer zahlreichen Neu-Abonnenten und für diese als Diskussionsgrundlage. Ungefähr seit meinem neunten Lebensjahr bin ich insgeheim der Überzeugung, dass Frauen das stärkere Geschlecht sind. Es passierte im Winter auf dem Heimweg von der Schule. Aus vermeintlich angemessener Distanz bewarf ich die gleichaltrige Nachbarstochter mit nicht zu hart gepressten Schneebällen. Ehe ich mich versah, stürzte sie, obwohl nicht größer gewachsen als ich, auf mich zu, stieß mich beidhändig vor die Brust. Ich verlor das Gleichgewicht und plumpste in den unglücklicherweise vorhandenen Straßengraben, der reichlich braun-brackiges Schmelzwasser führte. Mein dicker Lodenmantel sog sich rasend schnell mit der eiskalten Brühe voll. Ich erspare Ihnen die Schilderung meiner tagelang tief gekränkten Jungenehre – ganz zu schweigen von den handfesten Kommentaren meiner Eltern.

Kommunika-Tor ?

01.12.17 (Theo Geißler) -
Unsere deutsche Kultur verfügt über einen reichen Sprichwort-Schatz teils ambivalenter, teils zweifelhafter Brauchbarkeit. Als Einstiegs- oder Ausstiegsphrasen allfälliger Sonntagsreden sind Sprichwörter nach wie vor gerade bei älteren Semestern beliebt. Vielleicht wegen ihres vermeintlichen Objektivierungs-Potenzials. Hin und wieder wandelt sich ihr vermeintlich ursprünglicher Sinn auch ins Gegenteil. Nehmen wir mal die gern genutzte Phrase: „Guter Rat ist teuer“. Einst in bescheideneren Zeiten geradezu ein Ausdruck von Hilflosigkeit.

Das Tempo des Strukturwandels hat einige überfordert

29.11.17 (Juan Martin Koch) -
Nach zwölf Jahren als Präsident des Deutschen Chorverbands (DCV) wird Henning Scherf im Februar 2018 nicht mehr für dieses Amt kandidieren. Mit Theo Geißler und Juan Martin Koch sprach er über die Entwicklung der Chorszene in dieser Zeit und die Austritte von acht Landesverbänden aus dem DCV zum Ende dieses Jahres.

Kurz-Schluss – Wie ich einmal versuchte, Europa zu retten und notgedrungen zum Geflügelfreund wurde

25.10.17 (Theo Geißler) -
Jetzt, da Europa den Bach runtergeht und ich meiner clandestinen Funktion als »Regional-Manipulateur« in diversen Mitglieds- und Problemstaaten enthoben bin, kann ich Ihnen ja kurz mitteilen, weshalb Sie so lange nichts von mir gehört haben. Meine Arbeit war ebenso hart wie vergeblich. Zunächst der Versuch, diversen osteuropäischen Ländern die Aufnahme Vertriebener schmackhaft zu machen: [Vorab aus Politik & Kultur 2017/06]

Vom schlechten Gewissen zum lustvollen Wettstreit

28.09.17 (Theo Geißler) -
Im zehnten Jahr des Musikwettbewerbs WESPE, an dem sich ausschließlich Bundespreisträgerinnen und -preisträger von „Jugend musiziert“ beteiligen können, beeindruckten die Musikerinnen und Musiker mit originellen und virtuos vorgetragenen Interpretationen. 38 Musikbeiträge wurden ausgezeichnet, 14 davon waren im Abschlusskonzert im voll besetzten Neuhaussaal in Regensburg zu hören. Die elf Preisstifter hatten Sonderpreise im Wert von insgesamt 29.000 Euro ausgelobt. Eine erste Zwischenbilanz der Wettbewerbsdekade zogen direkt nach den Wertungen nmz-Herausgeber Theo Geißler und der Jugend musiziert-Vorsitzende Ulrich Rademacher im Gespräch.

Im Würgegriff

29.08.17 (Theo Geißler) -
„So kann es nicht weitergehen, aber so geht es weiter“ lautet der pessimistische Titel einer leider selten aufgeführten Opern-Collage aus Zeitungen und Groschenromanen, die Niels Frédéric Hoffmann bei der Hauptarbeitstagung des Deutschen Musikrates 1970 in Bremen uraufführen ließ. Seinerzeit ein musikalisch-politischer Protest weniger gegen die rahmenspendende Organisation, eher wider die herrschenden politischen Verhältnisse. Der Komponist mag es mir verzeihen, wenn ich seine Headline umwidme auf ein mittlerweile jahrzehntealtes kulturpolitisches Ärgernis namens Projektförderung.
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