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Alle Artikel kategorisiert unter »Glossen & Kommentare«

Gulda

04.05.10 (Max Nyffeler) -
„Jetzt sind die Arschlöcher ’gangen, und jetzt spiel’ i Mozart“, soll er während eines Konzerts in Salzburg beim Wiederauftritt nach der Pause ins Mikrofon gesagt haben, zur Freude der dagebliebenen, zumeist jugendlichen Zuhörer, die nun genau so begeistert dem Mozart lauschten, wie sie zuvor dem Jazz gelauscht hatten. Der vor zehn Jahren verstorbene Friedrich Gulda empfand sein Leben lang eine herzliche Antipathie gegenüber dem verknöcherten Klassikpublikum, das in ihm nur den prominenten Markenartikel erblickte, für dessen Konsum man gerne etwas mehr bezahlte und zum Zeichen der Exklusivität sich dann auch eine Perlenkette um den Hals hing und in den Smoking stürzte. Und je länger diese Mésalliance dauerte, desto mehr setzte er sich von den überkommenen Konzert-ritualen ab, suchte sich neue, unvoreingenommene Zuhörerinnen und Zuhörer und spielte seine eigenen Konzertprogramme, die zwischen Klassik, Jazz und Free Music locker eine Brücke schlugen.

Ich lieg und besitz: nmz-Beckmesser Max Nyffeler über Copyright-Hamster

12.04.10 (Max Nyffeler) -
Über den Copyright-Klau war in dieser Kolumne schon mehrfach zu lesen – die widerrechtliche Aneignung von geschützten Werken nach dem Grundsatz „Das hol’ ich mir!“. Und von der dazugehörenden Mentalität, die vielleicht den Ladendiebstahl gerade noch ablehnt, den geistigen Diebstahl aber gutheißt als Teil des hehren Kampfes gegen die Multis und den Kapitalismus überhaupt.

Cartoon

28.03.10 (Friederike Groß) -
Gleichgewichtsstörung: Immer mehr junge Leute wenden sich vom althergebrachten Konzertbetrieb ab. Zeichnung: Friederike Groß

Die Harp: sexy, stabil und günstig

28.03.10 (Olaf Zimmermann) -
„Der relativ schnelle Erfolg ist Garant für anhaltende Begeisterung“, sagt der Musiker Dieter Kropp im Gespräch mit Stefanie Ernst in dieser Ausgabe von "Politik & Kultur" über das Harp spielen lernen. Mich erinnert das sofort an Computerspiele spielen lernen. Der Einstig ist sehr einfach, schnell hat man Erfolgserlebnisse und findet Spaß am Weiterspielen. Um aber ein Meister zu werden, muss man üben, üben, üben. Diese Art, zur Meisterschaft zu kommen, spricht besonders junge Männer stark an. Ist vielleicht die Harp, also unsere alte Mundharmonika, das ideale Instrument, um gerade Jungens, die in der Computerspielezeit sozialisiert wurden, mit einem Instrument vertraut zu machen?

God natt Tyskland*

28.03.10 (Sven Ferchow) -
Es ist widerlich, welche Prioritäten in Deutschland gesetzt werden. In den Universitäten verhungern die streikenden Studenten, weil vergessen, Herr Westerwelle verwechselt das Außenministerium mit einem Kegelverein (autsch, muss ich jetzt als Kolumnist zurücktreten?), die katholische Kirche taumelt in ihr letztes Gefecht und Gesundheitsminister Rösler grinst anstatt zu kämpfen. Aber er muss sich ja nicht von tuberkulösen Patienten während der dreistündigen Wartezeit anhusten und per Tröpfcheninfektion infizieren lassen. Das Wort „Randale“ rückt in greifbare Nähe. Inklusive Nobelkarossen abfackeln und ordentlich auf alles eindreschen, was sich bewegt. Kopfpauschale mal anders. Aber es gibt Wichtigeres. Deshalb bleiben wir deutschen Schafe brav zu Hause, stellen die Buddel Bier auf dem Bauch ab und glotzen.

Oder doch jedem Kind ein Kochlöffel?

28.03.10 (Wolfgang Joho) -
Mit großer Spannung verfolge ich die Diskussionen zwischen den „JeKi-Visionären“ und denen, die (wie ich ) wissen, wie die Wirklichkeit aussieht, weil wir es nämlich sind, die die Suppe auslöffeln müssen.

Horror-Glossar

28.03.10 (Martin Hufner) -
Wer mit administrativen Fachtermini konfrontiert wird, kommt sich manchmal vor, als sei er im Orwell-Staat gelandet. Nicht nur, dass wir es regelmäßig mit einem großen Sortiment von prämierten Unworten zu tun haben, wir haben auch welche im Gebrauch, die man sich durch und durch schön zu reden versteht.

Talente - Supertalente

26.02.10 (Rupert Hörbst) -
Mit der Leistung?

Silberstreif JeKi

26.02.10 (Andreas Kolb) -
Die Hauptschule kämpft verzweifelt gegen ihr Image, aber auch gegen ihre Funktion als Sammelbecken für die Chancenlosen. Dem steht die Tendenz gegenüber, etwa an Brennpunktschulen Seiteneinsteiger als Lehrkräfte zu akquirieren. Sozial und kulturell deprivierte Schüler contra schlecht ausgebildete Lehrer, wer denkt da noch an qualifizierten Musikunterricht?

Stiller

26.02.10 (Sven Ferchow) -
Wenn ein unterernährter britischer Rockmusiker (Name der Redaktion bekannt) mal gerade nicht seine blutverkrustete Junkie-Nadel einem flachbrüstigen Model in den Oberschenkel rammt oder Liam Gallagher von Oasis seinen Brit-Award desinteressiert einem Fan an die Birne schleudert und sich selbst die Musikmesse mit vorab verkündeten Rekordbesucherzahlen bedenklich tot stellt, merkt man erst, wie hohlwangig die deutschsprachige Tonszene ist. Ach so.
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