Wagner-Opern und Classic-Rock: Der Heldentenor Peter Hofmann ist tot


30.11.10 -
Auf der Bühne war er hundertfach den Heldentod gestorben, in der Nacht zu Dienstag ereilte den einstigen Opernsänger Peter Hofmann selbst der Tod. «Ich denke, es war eine Erlösung für ihn», sagte der Bruder des Tenors, Fritz Hofmann, der Nachrichtenagentur dapd. Peter Hofmann wurde nur 66 Jahre alt. Er starb nach Angaben seines Bruders nicht an seiner langjährigen Parkinson-Erkrankung, sondern an den Folgen einer Lungenentzündung in einem Krankenhaus im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge, wo er zuletzt gelebt hatte.
30.11.2010 - Von Nina Jerzy - dapd, KIZ

Neben seiner Stimme verdankte der blondgelockte Künstler seinen Erfolg auch seiner stattlichen Erscheinung. Die trainierte er
bereits als mehrfacher hessischer Jugendmeister im Zehnkampf, später studierte er Gesang in Karlsruhe. Sein Aussehen prädestinierte Hofmann für Heldenrollen, vorzugsweise in Opern Richard Wagners. Als Siegmund in «Der Ring des Nibelungen» sorgte Hofmann 1976 in Bayreuth für Furore und machte die internationale Opernwelt auf sich aufmerksam. Weitere Wagner-Rollen wie Lohengrin und Parsifal folgten.

Zum Entsetzen mancher Opern-Puristen kannte der einstige Rocksänger keine Berührungsängste zur seichteren  Unterhaltungswelt. 1982 präsentierte er seine erste eigenen Fernsehshow «Hofmanns Träumereien» und veröffentlichte das Album «Rock Classics» mit Interpretationen von «Nights in White Satin» und «Yesterday». 1987 startete Hofmann im Ostberliner Friedrichstadtpalast eine Tournee mit Rock-Hits und Liedern von Elvis Presley, die ihn durch 45 Städte führte.

Sesshafte wurde der Sänger, als er von 1990 bis 1991 die Titelrolle des Musicals «Das Phantom der Oper» von Andrew Lloyd Webber in Hamburg übernahm. Er war sich auch nicht zu schade, 1997 in Westernmontur zu schlüpfen und an der Seite von Gojko Mitic Old Firehand bei den Karl-May-Spielen in Bad Segeberg zu verkörpern.

Zwei Jahre darauf schockierte der Sänger die Fans mit der Nachricht von seiner Erkrankung. «Parkinson. Diese Krankheit passt
nicht zu mir. Diese Krankheit passt zu niemandem! Sie stört und zerstört. Sie setzt immer enger werdende Grenzen. Und sie fordert heraus!», hatte Hofmann damals auf seiner Internetseite geschrieben. Der Sänger nahm die Herausforderung an und unterstützte die Stammzellen-Forschung gegen Parkinson.

In den folgenden Jahren wurden wiederholt Berichte laut, der kranke Sänger würde zunehmend verarmen. Dazu hatte sein Bruder 2007 gesagt: «Natürlich lebt er nicht auf Rosen gebettet, zwei Scheidungen sind finanziell teuer geworden, und auch die Krankheit fordert ihn. Aber ganz so dramatisch, wie man immer hört und liest, ist es nicht.»

Für schönere Schlagzeilen sorgte Hofmann 2007, als er im oberfränkischen Thiersheim seine rund 30 Jahre jüngere Physiotherapeutin heiratete, mit der er eine Tochter hatte. Hofmanns erste Ehe, aus der zwei Söhne stammen, war 1976 geschieden worden. Mit der Sängerin Deborah Sasson war er von 1983 bis 1990 verheiratet. Kurz nach seiner dritten Trauung sagte Hofmann der Illustrierten «Bunte», ihn habe am meisten geschmerzt, nie mehr auf einer Bühne stehen zu können. Die Liebe seiner Frau und seiner Tochter gäben ihm aber die Kraft, seine Krankheit zu ertragen.

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