Die Beatles-Sammler aus dem Osten


15.05.08 -
Ausstellung in Erfurt zeigt Ausschnitte einer der bedeutendsten privaten Beatles-Musik-Sammlungen in Deutschland
15.05.2008 - Von nmz-red/leipzig, KIZ


Erfurt (ddp-lth). Er hatte die «Let-it-be»-LP, sie bot die Langspielplatte «Sgt. Pepper» an. Die gemeinsame Sammelleidenschaft für die Musik der Beatles führte sie Anfang der 1980er Jahre in Erfurt zusammen. Heute besitzen Hartmut und Evelyn Schwarz eine der bedeutendsten privaten Beatles-Musik-Sammlungen in Deutschland. Einen kleinen Ausschnitt davon präsentiert das Museum für Thüringer Volkskunde in Erfurt von Freitag (16. Mai) bis zum 17. August unter dem Titel «Die Beatles im Osten».

Die Sammlung umfasst unter anderem unzählige Langspielplatten, Singles, Poster, Diskografien vor allem aus den 1980er Jahren, die von der DDR aus durch Kauf oder Tausch erhältlich waren. Dazu gehören die einzigen beim DDR-Label Amiga erschienenen zwei LPs und drei Singles der Beatles, aber auch eine exklusive Langspielplatte von Paul McCartney aus dem Jahr 1989 für das Label Melodija in der Sowjetunion.

Hartmut Schwarz, Jahrgang 1959, heute Redakteur einer Thüringer Tageszeitung, und seine gleichaltrige Frau Evelyn sammeln alles, was mit den Beatles im Zusammenhang steht. Längst haben sie den Überblick über den Bestand verloren. Vom Keller bis zum Dachboden sei bei ihnen alles vollgestellt, stöhnt Schwarz.

In DDR-Magazinen und Zeitschriften annoncierten sie unter der Rubrik «Biete - Suche» oder sie fuhren auf Märkte nach Jena oder Plauen, um eine Platte zu ergattern. Vor allem über ihre 1982 privat gegründete Fan- und Fachzeitschrift «Beatlemania» knüpften sie viele Kontakte zu anderen Liebhabern und Sammlern in der DDR und im Ausland.

Um an besonders begehrte Originalplatten heranzukommen, tauschte Hartmut Schwarz Amiga-Aufnahmen aus der DDR gegen sowjetische Melodija-Platten. Die wiederum reisten per Post in die USA, wo es schwarz gepresste Beatles-Platten dafür gab. Die Schwarzpressungen wiederum waren damals in Westdeutschland sehr gefragt, dafür erhielt Schwarz dann Originalplatten der Beatles. Von einem Mitarbeiter des Staatszirkus' der DDR konnte Schwarz eine original Lennon-Box für 500 DDR-Mark kaufen.

Zu DDR-Zeiten war die Zahl der professionellen Sammler von Beatles-Musik überschaubar, etwa 60 bis 70 seien es wohl gewesen, erinnert sich Hartmut Schwarz. Heute kaufen er und seine Frau vor allem über das Internet ein. Er sammelt vor allem Diskografien der Beatles aus anderen Ländern, sie Musikaufnahmen jeder Art. Spannende Ausgaben existieren laut Schwarz im Iran, in Nigeria oder Südamerika.

Sie würden auch weiter neue Platten von den Beatles sammeln, sagen beide. Und sie erfahren dabei ständig auch neue Geschichten. Die veröffentlichen sie dann in ihrem Magazin «Beatlemania», von dem bisher 141 Ausgaben erschienen sind und das sich zum meistgelesenen deutschsprachigen Journal über die Beatles entwickelt hat.


Michael Frank

















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