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Im Käfig egomanischer Gefühle – Jules Massenets „Werther“ in Lübeck

20.11.18 (Arndt Voß) -
Die Schlussszene ist großartig: Werther und Charlotte, nur wenige Meter voneinander entfernt, wollen verzweifelt ihrem engen Lichtkäfig entkommen. Sie wollen zueinander, links Werther, tödlich verletzt, innerlich wie äußerlich, rechts die in Pflicht und Leidenschaft gefangene Charlotte. Nah sind sie sich, doch zugleich weit entfernt. Und noch eine dritte Distanz ist da, die zu ihnen gehörende Umwelt, von außen zu hören mit weihnachtlichem Gesang. Erst Werthers Pistolenschuss beendet jäh das Seelendrama, Jules Massenets „Werther“.

Die Welt von außen – David Bowies Musical „Lazarus“ in Hamburg

19.11.18 (Joachim Lange) -
Links die Band. Rechts eine gut bestückte Bar. In der Mitte eine quietschbunte Videoclip-Landschaft. Mit Fels und Kirschblüten. Dahinter und dazwischen jede Menge Fenster in die Vergangenheit und Gegenwart, also Projektionswände für das unvermeidliche Fluten der Bilder. Von der Rampe aus hat Katrin Hoffmann mit einem selbstleuchtenden Blitz die Bühne in den Zuschauerraum verlängert.

Offtheater als High Price Event – „A Monteverdi Project“ an der Staatsoper Berlin

19.11.18 (Peter P. Pachl) -
Die in den Rahmen der diesjährigen Barocktage der Staatsoper Unter den Linden eingebettete Uraufführung schafft den Chiasmus vom Off-Theater des Inhalts zum Prestigeobjekt in Form und Ausstattung: ein staatsopernadäquates High Price Event.

Dramatische Populismus-Studie: „Weiße Rose“, ein Manifest der Theater Chemnitz

18.11.18 (Roland H. Dippel) -
Zwei Sänger, sechs Musiker, ein intelligentes Produktionsteam und eine Theaterleitung, die dieses Projekt ausdrücklich fördert, reagieren auf die Ereignisse um das Tötungsverbrechen Ende August 2018 bei den Feiern zum 875. Jubiläum der Stadt Chemnitz. Partner der Theater Chemnitz für dieses Projekt sind die Städtische Musikschule als Proben- und Aufführungsort, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Programms „Demokratie Leben!“, die Weiße Rose Stiftung e. V. und enviaM. Die Aufführungsserie der Kammeroper “Weiße Rose” von Udo Zimmermann ist Teil der Veranstaltungsreihe „Gemeinsam stärker“ und in Kooperation mit dem Programm „neue unentdeckte narrative“ des ASA-FF e.V. ein Programmpunkt des Festivals „Aufstand der Geschichten“.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 19.11. bis 25.11.2018

18.11.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 47. Das Requiem in der Neuen Musik, Von Experimenten mit Schallplatten und Plattentellern, Die innovative Konzertpraxis des Ensembles Phønix16, Die Musik der 20er Jahre, Das Erbe des Pierre Boulez, Donaueschinger Musiktage 2018, Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, Krzysztof Penderecki, Der Klarinettist Nicolai Pfeffer, Autorität in der Musik, Der syrische Pianist Aeham Ahmad, Marcus Schmickler, Donemus, Die Welt singt Beatles-Songs, Witten 1969 – 2018.

„Alles ist aus“ – György Kurtágs Oper „Fin de partie“ an der Mailänder Scala uraufgeführt

16.11.18 (Michael Ernst) -
Im Mutterland der Oper ticken die Uhren ein klein wenig anders. Wo einst Puccini und Verdi für ihre neuen Würfe gefeiert worden sind, hat es die Neue Musik heute deutlich schwerer. Das gilt insbesondere für das Teatro alla Scala, diesem so traditionsreichen Haus mitten in Mailand. Bevor Anfang Dezember die neue Spielzeit – wiederum mit Verdi – eingeläutet wird, gab es zur Krönung der laufenden Saison die Uraufführung von „Fin de partie“ nach dem gleichnamigen Drama von Samuel Beckett.

Das Hochschulmagazin der nmz (2018/02) – Landeszentren, Übemöglichkeiten …

16.11.18 (mh/jmk) -
Zwei Mal im Jahr legen wir der nmz ein Hochschulmagazin bei, so auch der nmz 2018/11. Heraus kommt dabei ein 20-seitiges Magazin voll mit Informationen aus den Musikhochschulen in Deutschland und Österreich (Frankfurt, Köln, Trossingen, Hamburg, Weimar, Dresden, Hannover, Detmold, Essen, Mannheim, Lübeck, Freiburg, Würzburg, Tübingen, Österreichs Musikuniversitäten). Lesen Sie jetzt auch online die Beiträge. Worum es in der aktuellen Ausgabe geht? Ein Überblick …

Wagner im Trockendock – Der „Fliegende Holländer“ im Schleswig-Holsteinischen Landestheater

16.11.18 (Michael Kube) -
Im hohen Norden wird es noch früher dunkel als anderswo in der Republik. Dann schmiegen sich kurz vor der dänischen Grenze die Lichter der Stadt um die nachtschwarze Flensburger Förde. Eine an sich schon dramatische Kulisse, mehr aber noch, wenn man auf dem Weg zum Stadttheater, sich vor einem heftigen Platzregen schützend, in einen Häusereingang ducken muss. Denn der Südwester war an diesem Abend zuhause geblieben. Am Landestheater mussten Daland und der fliegender Holländer sich jedenfalls nicht vor den Wassern in Acht nehmen – so kräftig die Musik, so extra dry blieb die Inszenierung.

Sanfter Druck zur Betroffenheit – Neue Opern an der HMT Leipzig

13.11.18 (Roland H. Dippel) -
Seit vielen Monaten arbeiten Dozenten und Studierende der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ an dieser Studioproduktion zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht. Zur Uraufführung gelangten die beiden Kammeropern „Letzte Tage Lodz“ von Juheon Han und „Freiberg“ in drei Teilen von Dariya Maminova (geb. 1988), Ido Spak und Max-Lukas Hundelshausen (geb. 1991). Ein Triumph des kalkuliert emotionalen Musiktheaters.

Für Leben und Erinnerung tanzen und spielen – Die 28. euro-scene in Leipzig mit vielfältigen Angeboten und großem Publikumszuspruch

13.11.18 (Joachim Lange) -
Die „euro-scene“ gehört seit 1991 zum festen Kulturkalender in Leipzig. Das durch die Stadt und mehrere Stiftungen und Kulturinstitutionen finanzierte Festival hat sich trotz aktueller Mittelkürzungen um 30.000 Euro (durch die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen) behauptet und bei seinem Publikum etabliert.

Eine ging, drei wollten und zwei wollen kommen – Wer, was, wo? Und wieso?

12.11.18 (Michael Ernst) -
Wenn jetzt die Weichen für die Zukunft an Dresdens Musikhochschule neu gestellt werden, berührt das auch die Osterfestspiele Salzburg. Oder verhält es sich eher umgekehrt? Personalroulette zwischen Dresden, Salzburg, Baden-Baden und München.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 12.11. bis 18.11.2018

11.11.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 46. Jagoda Szmytka, Neues aus der Eisengießerei, Sven-Ingo Koch, Krzysztof Penderecki, Die Musik der 20er Jahre, Anton Webern aus aktueller Perspektive, Donaueschinger Musiktage 2018, Darmstädter Ferienkurse für Neue Musik, Werkzeuge der neuen Musik – Das Publikum, Joëlle Khoury, Forum neuer Musik 2008 – humanity & composition, Porträt des Pianisten Marian Migdal.

Neue Horizonterweiterungen beim Essener NOW Festival

09.11.18 (Stefan Pieper) -
Einer der Lieblingsfetische der Wirtschaftseliten heißt Personaleinsparung. Mauricio Kagels „Zwei-Mann-Orchester für zwei Ein-Mann-Orchester“ liefert hier gute Ideen für den Musikbetrieb. Warum über 100 MusikerInnen in einem Sinfonieorchester beschäftigen, wenn doch stattdessen gerade mal zwei Spieler reichen, um diese mit der Tonerzeugung auf jeweils mehr als 100 Instrumenten (pro Spieler wohlgemerkt!) zu betrauen?

Janáčeks Episoden „aus einem toten Haus“ an der Oper Brüssel

09.11.18 (Frieder Reininghaus) -
Wie geht es zu in den Strafgefangenenlagern? Wie weit entfernt vom Herzen Europas und der Hauptstadt Brüssel liegt Sibirien? Das sind Fragen, die sich mit einer Inszenierung von Leoš Janáčeks letztem Bühnenwerk unvermeidlich stellen, wenn es am Théâtre de la Monnaie auf den Spielplan gesetzt wird. Der Regisseur Krzysztof Warlikowski und der Dirigent Michael Boder haben deutliche, aber nicht ganz zusammenpassende Antworten gefunden: …

Vom Blendwerk der Freiheit – Smetanas „Dalibor“ in Augsburg

08.11.18 (Wolf-Dieter Peter) -
„Mir sind die Augen aufgegangen. Wir sagen das …, weil wir begreifen, was wir doch nicht sehen können“ schrieb Ingeborg Bachmann von Jahrzehnten. Das kann der Hintergrund für die Wahl des soeben zum 5.Staatstheater Bayerns aufgewerteten Augsburger Teams sein, ausgerechnet im Ausweichquartier im Martinipark nicht einen verkaufssicheren Repertoireklassiker anzusetzen, etwa Smetanas „Verkaufte Braut“, sondern sein tschechisch vaterländisch orientiertes, daher nicht so populäres Musikdrama „Dalibor“. Ein reizvolles Wagnis.

Reizvolles vom „ältesten Instrument“ – Bernhard Webers Film „Der Klang der Stimme“

08.11.18 (Wolf-Dieter Peter) -
All diese Investment- und Hedgefond-„Masters-of-the Universe”, die sich allem und jedem überlegen glauben, muss man daran erinnern, dass ihre Geld-Welt sich erst im 16.Jahrhundert etabliert hat – Musik und erst recht Gesang aber so sehr viel älter sind, dass die Herren demütig werden sollten. Das zeigt ein neuer Film – seit einer Woche in Kinos bundesweit.

Das Gemüse an der Macht – Offenbachs „König Karotte“ in Hannover

07.11.18 (Ute Schalz-Laurenze) -
Die Uraufführung von Jacques Offenbachs „Roi Carotte“ (1872) ist mit heute unfassbaren Zahlen belegt: 1150 Kostüme, 193 Bilder in vier Akten, innerhalb von sechs Monaten 193 Aufführungen, sechs Stunden Uraufführung und noch vieles mehr. Und doch verschwand das Werk in der Versenkung, bis es rekonstruiert werden und in einer dreistündigen Fassung 2015 in Lyon aufgeführt werden konnte. Und nun gab es in Hannover von dieser Fassung eine viel bejubelte, glänzende deutsche Erstaufführung, die der Musicalfachmann Matthias Davids als Regisseur verantwortete.

Kiel besinnt sich auf seine historische Bedeutung – Marco Tutinos „Falscher Verrat“ uraufgeführt

07.11.18 (Arndt Voß) -
Es war der 3. November 1918, als in Kiel Historisches geschah: die Matrosen standen auf, ein Geschehen mit ungeheuren Folgen. Das in einer Oper genau 100 Jahre später erlebbar zu machen, ist eine andere Sache, dennoch hat man es in Kiel versucht.

(K)eine Revolution mit Musik – „November 1918“ am DNT Weimar raschelt

06.11.18 (Joachim Lange) -
Die aktuelle Kunstanstrengung des Deutschen Nationaltheaters Weimar ist gewaltig. Sie passt zu seinem Namen und ist im 100. Jahr der Novemberrevolution allemal zu loben. Schon, weil sie wieder einmal alle Sparten des Hauses in einem Kooperationsprojekt von Schauspiel, Musiktheater und Staatskapelle für die Theaterfassung von André Bücker und Beate Seidel mit Musik von Stefan Lano zusammenführt. Wenn es um die Aufführung einer Theaterversion von Alfred Döblins „November 1918“ geht, dann hat Weimar einen Standortvorteil. Nach dem brodelnden Vorspiel nach Kaiserreich und Weltkriegskatastrophe verdankt die wacklige erste deutsche Republik der Klassikerstadt immerhin ihren Namen.

Musikalisch mäandernd – Anno Schreiers „Wunderland“ am Theater Freiburg

06.11.18 (Georg Rudiger) -
Musiktheater braucht nicht viel. Bei Anno Schreiers Songzyklus „Wunderland“ sind es nur drei Sänger und vier Instrumente (Akkordeon, Klarinette, Schlagzeug, Kontrabass), die die einzelnen Stationen, die Alice im Wunderland erreicht, zu kleinen Szenen gestaltet. Lewis Carrolls Fantasieroman aus dem Jahr 1865 hat schon mehrere Komponisten wie Unsuk Chin oder Johannes Harneit zu groß besetzten Opern inszeniert. Schreiers einstündiges „Wunderland“ (2013) kommt dagegen ganz leichtfüßig daher.

Der König ist immer der Mörder – „Hamlet“ von Franco Faccio in Chemnitz

06.11.18 (Michael Ernst) -
Shakespeare-Dramen sind immer schon großartige Opernvorlagen gewesen. Aber ausgerechnet sein „Hamlet“ scheint im Musiktheater sehr rar zu sein. Weil das Original zu perfekt ist? Richard Wagner war ja der Meinung, „Hamlet“ gehe den Musiker nichts an. Dabei soll es allein in den vergangenen zwei Jahrhunderten rund 40 höchst unterschiedliche Versuche gegeben haben, sich mit dem Stoff zu beschäftigen. Neben Franz Liszts Sinfonischer Dichtung und der Oper von Ambroise Thomas sind aber kaum Deutungen im Repertoire geblieben, ob es Timo Jouko Herrmann mit seiner in Dortmund herausgekommenen Version „Hamlet – Sein oder Nichtsein“ schaffen wird, daran etwas zu ändern, bleibt abzuwarten.

„Da, wo es wehtut“ – Zwanzig Jahre Dresdner Sinfoniker

04.11.18 (Michael Ernst) -
Eine Welt ohne Grenzen, das ist ihr Ziel. Keine unüberwindlichen Hürden, mit denen Menschen es anderen Menschen schwer machen, sich frei zu bewegen und frei zu denken; aber auch keine Genrezuschreibungen, die musikalische Tabuzonen festlegen und Innovationen wie Improvisationen verhindern. Mit einem derartigen Impetus haben sich die Dresdner Sinfoniker vor genau zwanzig Jahren gegründet, quasi aus einer Bierlaune heraus.

Hans Op de Beeck entführt in Stuttgart das Publikum an den See der Tränen in Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“

04.11.18 (Joachim Lange) -
Diesmal hat die Burg weder Mauern noch Türen. Den Raum begrenzen auch im wortwörtlichen Sinne nur Planen. Die Zuschauer sind allesamt in der imaginären Kammer mit dem See aus Tränen gelandet. Hinter der Tür mit dem vielleicht beklemmendsten, traurigsten Raum in Blaubarts Burg. Zumindest in einem Alptraum, dicht in dessen Nähe. Diesmal fließt zwar nirgends das Blut, von dem Judith redet und das sie hinter all den geheimnisvollen Türen in Blaubarts düsterer Behausung wahrnimmt. Aber wir können es mit den Ohren sehen, mit dem Herzen fühlen. Sind eingestimmt auf die Dunkelkammern der Seele, ahnen, dass die Begegnung dieses Mannes und dieser Frau, ihr Versuch, sich einander zu nähren, ihr Drängen, sein Abwehren nur die Oberfläche sind.

Neue Musik / Musikfeature / SoundArt: Die Radio-Woche vom 05.11. bis 11.11.2018

04.11.18 (mh) -
Neue Musik und Musikfeatures in der Kalenderwoche 45. Die Postmoderne in der Musik, Oxana Omelchuk, Festival Greatest Hits, Werke aus dem Wettbewerb um den Karl-Sczuka-Preis, Konzerte von Wolfgang Rihm, Donaueschinger Musiktage 2018, Guillaume Apollinaire, Wortführer der Avantgarden, Gioacchino Rossini – ein Leben als Ikone, Bariton Samuel Hasselhorn, Kurt Schwaen (1909 – 2007), Wandertag – Auf ein Bier nach Lich, Jonny spielt auf – Die Musik der 20er Jahre, Teil 1.

Das Augenzwinkern des Malerfürsten: „Una cosa rara“ von Vicente Martín y Soler am Theater Regensburg

01.11.18 (Juan Martin Koch) -
Mit dieser besonderen „Rarität“ aus der Mozartzeit und der Verpflichtung von Markus Lüpertz für Bühne und Kostüme hat das Regensburger Theater mehr als nur einen PR-Coup gelandet, findet Juan Martin Koch:
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